Samstag, 28. November 2015

Frankfurt - This is your day?

Frankfurt Marathon also. Der letzte Bewerb meiner Herbstsaison. Das Training verlief so gut wie noch nie. Bis auf die anfängliche Sommerhitze alle Schlüssel-Einheiten des 8-Wochen-Greif-Countdowns (mit Ausrichtung auf 6 Einheiten pro Woche) gut geschafft, vor allem auch jene der letzten fünf Wochen. Dazwischen Anfang Oktober auch noch eine neue Bestleistung im 6h-Lauf (Bericht hier). Entgegen der Greif-Empfehlung, aber die Veranstaltung ist einfach so nett, eine Woche vor Frankfurt noch mit dem 10er in Strasshof a.d. Nordbahn die Abschlussveranstaltung vom Weinviertler Laufcup absolviert. Plan dafür: 7km im Marathon-Tempo, dann bisserl flotter werden, wenn's Spaß macht. Ist: erster Kilometer trotz verhaltenen Starts in 3:55min/km, also einbremsen und locker weiter. Wird immer noch nicht langsamer als 4:00min/km, aber Puls in Ordnung und es flutscht. Also einfach so weiter, aber dafür erst ab km8 flotter. Ging dann auch noch sehr angenehm in 3:48min/km die letzten beiden Kilometer. Gesamt 39:28, in etwa meine übliche Strasshof-Zeit der letzten Jahre (2013: 39:19, 2012: 39:17).

Die Form für einen Marathon also gefühlt so gut wie noch nie, die Erwartungen somit doch recht hoch. Sub3 sollte möglich sein, persönliche Bestleistung (also unter 3:03:31) müsste eigentlich jedenfalls drinnen sein. Ausnahmsweise gab es auch keinerlei Verletzungsprobleme im Vorfeld. Aber dann: am Mittwoch bei den letzten 5x1km im Marathon-Tempo mit 1km Trabpause schon etwas schwere Beine und mehr Anstrengung für 4:15min/km als am Samstag beim ganzen Strasshof 10er in höherem Tempo. Donnerstag die Erklärung dafür: die Nase beginnt unaufhörlich zu rinnen, Lymphknoten leicht geschwollen, ich fühle mich ordentlich krank. Dazu natürlich noch leichte Panik: bitte, warum gerade jetzt, mit der Form? Aber wenigstens kein Fieber. Mit einer ordentlichen Ladung an Vitamin C, Vitamin D und Zink wird der Spuk am Freitag schon etwas besser und Carola und ich reisen nachmittags nach Frankfurt.

Gleich nach der Ankunft und Einchecken im Motel One spazieren wir noch den halben Kilometer zur Messe und Startnummernabholung. Alles noch sehr ruhig und binnen kürzester Zeit ist das erledigt. Ein wenig noch schauen, ob es auf der Messe spezielle Schnäppchen gibt, aber so richtig Sensationelles ist nicht dabei bzw. bin ich derzeit mit Laufschuhen ohnehin auch ganz gut ausgestattet. Unter Berücksichtigung der Cost-of-Carry werde ich wohl eher via Online-Shops zu gegebenem Zeitpunkt für Nachschub sorgen.

Sicherheitshalber checke ich am Rückweg noch im angrenzenden Einkaufszentrum das Verpflegungsangebot für morgen Samstag und ernte an der Kassa eines Supermarkts ungläubiges Staunen als ich mich erkundige, wielange denn morgen geöffnet sei. "Na, wie immer bis 22h" ist die Antwort. Einkaufsparadies!

Betreuer sind bereit
Wie üblich bei unseren Ausflügen (was mir bei der Analyse meiner letzten Berichte bewusst geworden ist) fallen wir dann so knapp nach 21h todmüde ins Bett. Am Samstag geht's nach dem ausgiebigen Frühstück gleich weiter zum "Brezel-Lauf" – einem ganz gemütlichen Lauferl über 6km von der Festhalle runter zum Main, kurz daran entlang und wieder zurück. Im "Ziel" gibt's dann Saft & Brezel als Belohnung. Das Laufen dabei fühlt sich ganz gut an, die Verkühlung stört mal nicht weiter. Die Nase rinnt zwar, aber keinerlei Gliederschmerzen. Den weiteren Tag verbringe ich im Wesentlichen mit Herumdösen, unterbrochen nur von der Vorbereitung meiner Eigenverpflegung. Das Iso in Frankfurt sagt mir nicht so zu, also bringe ich meine eigenen Betreuer für die Labestationen alle 5 Kilometer mit. Neben der Energie sollte mich ihr Anblick auch Aufheitern, falls es mal schwieriger werden sollte.

Am späten Nachmittag dann auch noch kurz zur Pasta-Party in die Festhalle und das war's dann auch schon mit dem Samstag.

Dank der Zeitumstellung schläft man in Frankfurt traditionell noch eine Extrastunde länger und mit 10h Start ist auch ausreichend Zeit für "normalzeitliches" Aufstehen, Frühstücken und langsam auf den Start vorbereiten. Mit dem Motel One nur ca. 500m vom Start entfernt sind's überhaupt ideale Voraussetzungen um zunächst aufzuwärmen, dann nochmals zurück ins Zimmer zu gehen und dann erst endgültig zum Start. Keine lästige Kleiderabgabe, kein Anstellen beim Dixie, alles sehr entspannt. Nachdem der Anfangskilometer in Frankfurt recht eng ist, begebe ich mich bereits um 8h45 in den Startblock und zwänge mich nach vorne durch. Ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden 2h59-Pacern ist dann kein Weiterkommen mehr, aber das sollte eigentlich perfekt passen. Nun ja, neben mir verzweifelt bereits ein Starter bei den Deutschen Meisterschaften, auf dessen Handgelenk ich ein Pace-Band entdecke, welches für die ersten 10km eine Zeit unter 40 Minuten angibt. Also der steht hier mit angepeilten 2h50 garantiert zu weit hinten. Weiß er selbst auch, aber eben keine Chance mehr, weiter nach vorne zu kommen. Hoffen wir mal, dass wenigstens alle vor ihm und um mich herum wenigstens die 2h59 anlaufen, dann sollte es nicht so schlimm für ihn sein. Allerdings gibt's neben mir auch schon Diskussionen von Läufern, dass sie mit 3h15 eh schon höchstzufrieden wären. Auweh, das wird mühsam am Anfang.

Der Start sehr unspektakulär. Aufgrund der Deutschen Meisterschaften und des dabei geltenden Reglements darf kein Countdown heruntergezählt werden. Entsprechend stimmungslos ist der Start. Das Feld setzt sich wie immer langsam in Bewegung, vor der Zeitnehmungsmatte ist aber dann sogar kurzzeitig Stillstand und danach geht es gerade mal im 5:00min/km-Schnitt los. Dann öffnen sich aber doch da und dort Löcher, welche gnadenlos von hinten zugesprintet werden von denen, die auch vorm Start zu weit hinten gelandet waren. Gleichzeitig werden immer mehr Langsamere (ca. 4h-Läufer) zur Barriere. Der erste Startblock wäre eigentlich für Läufer von 2h45 bis 3h15 gedacht, das war offenbar einigen wieder mal ziemlich egal. Brutto/Nettozeitvergleiche im Nachhinein zeigen mir übrigens, dass in meinem Bereich der sub3h-Aspiranten auch extrem viele 3h30-Läufer zeitgleich mit mir über die Startmatte gingen :-(

So vergeht der erste Kilometer im Ziehharmonika-Effekt: Vollgas mit klar unter 4:00min/km bis zur nächsten Barriere, wo man auf vielleicht dann 4:40min/km eingebremst wurde. Kein Vergleich zum Startkilometer in Münster – ich bin solche Massen-Events wie in Frankfurt offenbar nicht mehr gewöhnt. Letztlich lag der Kilometersplit dann mit 4:14 sogar unter meinem geplanten Start-Tempo von 4:18, aber mit erheblichem Mehraufwand. Am zweiten Kilometer dann etwas nachlassen, ist ja ohnehin zu flott. So wurden es 4:21min/km, also in Summe nun genau im Plan und weiter links/rechts durch die Innenstadt. Das Feld ist mittlerweile halbwegs entzerrt, die Hektik vom Start hat deutlich nachgelassen. Ab Kilometer 3 beginnt dann Richtung Messe ein leichter Anstieg. Eigentlich nicht der Rede wert, aber ich merke, wie ich zu meinen Vorderleuten an Boden verliere und so richtig locker fühlt sich das nicht gerade an. Aber gut, bald kommt die erste Labe bei Kilometer 5 mit meinem "Betreuer", der mir Iso reichen wird. Ich bin schon gespannt, wie das funktionieren wird.

Betreuer vorm Start
Ich komme zur Labe, es funktioniert perfekt. Die meisten Getränke waren schon weg und mein Betreuer war deutlich sichtbar. Mit 21:16 auf die ersten 5 Kilometer liege ich auch perfekt im Plan. Jetzt geht's wieder zurück in die Innenstadt, ein bisschen rauf und runter bevor dann bis Kilometer 10 der nächste Anstieg wartet. Kilometer-Zeiten von 4:19, 4:18 und 4:24 zeigen im Rückblick gut, dass ich mich bereits anstrenge. Die Durchgangszeit von 42:45 bei Kilometer 10 genau in der Mitte von einer gleichmäßigen Durchgangszeit in 4:15min/km und meinem geplanten Anfangstempo von 4:18min/km. Passt.

Jetzt geht's schön bergab in Richtung Main und es kommt dann endlich der Streckenteil im Süden von Frankfurt, der mir die letzten Male immer am besten gefallen hat und wo hoffentlich auch wieder Stimmung herrschen würde. Denn bis jetzt war's eine ziemlich fade Angelegenheit. Kaum Zuschauer an der Strecke und wenn, dann sehr ruhige. Gut, auch kein Wunder bei Temperaturen um die 8° mit leichter Feuchtigkeit. Für uns Läufer ideal, am Streckenrand aber alle dick eingepackt.

Betreuer für km15 und km20
Nun endlich am Main angekommen geht's über die Alte Brücke ans Südufer. Uff, was ist denn jetzt los? Der leichte Bogen über die Brücke bereitet mir ärgste Schwierigkeiten, fühlt sich an wie ein Berglauf. Überhaupt keine Kraft zum Andrücken da. Wurscht, irgendwie drüber über die blöde Brücke und dann wird's hoffentlich wieder rollen. Naja, nach der Brücke geht's halbwegs gut weiter, zumindest nicht mehr so anstrengend, aber ich freue mich schon auf meinen Betreuer bei km15. Der gibt mir hoffentlich wieder Kraft. Ein erstes Gel gibt's auch. Also wenn meine Schwäche auf Energiemangel beruht, dann sollte das Problem nun bald gelöst sein.

Der vordere 2h59er-Pacer ist bereits längere Zeit nach vorne entschwunden, nun überrollt mich auch die Gruppe um den hinteren 2h59er-Pacer. Ich habe keine Chance zuzulegen und mich anzuhängen. Naja, die Pacer sind eh immer zu schnell unterwegs, meine Stärke liegt auf der zweiten Hälfte, da werden wir uns wieder sehen. Rede ich mir ein. Wobei das Gefühl schon gar nicht mehr gut ist, aber einfach weiter, wird vielleicht noch. Und der Schnitt von 4:14min/km passt ja eh noch. Ist sogar etwas Luft zu den 3h.

Bei Kilometer 20 wieder kurzes Abklatschen/Schnappen meines "Betreuers" und in 1:29:30 war der Halbmarathon passiert. 30 Sekunden Vorsprung, also kann ich die zweite Hälfte auch eine Minute langsamer als die erste laufen und sub3 geht sich aus. Die Brücke, um auf die Nordseite des Mains zu kommen, absolviere ich im Windschatten zweier Iren und die Beine fühlen sich sogar wieder etwas besser an. Bei km25 der nächste meiner Betreuer und das erste vom Veranstalter angebotene Gel, da mir die Koordination mit dem eigenen Gel aus der Hosentasche etwas zu kompliziert ist. Und das Gel ist auch in Ordnung.

Dann geht's in Höchst die etwas deutlichere, kurze Steigung zum westlichsten Punkt der Strecke hinauf. Wieder ein etwas kraftloses Gefühl bergauf, aber weiter weiter. Schließlich hatte ich mir vorgenommen, nur dann langsamer zu werden, wenn ich eine klare Lösung für mein Problem habe (wie zB ordentlich Energie nachfüllen und dafür etwas Tempo rausnehmen). Allerdings wusste ich nicht wirklich, was mein Problem ist. Hunger hatte ich keinen, Flüssigkeitszufuhr dank meiner Betreuer auch sicherlich ausreichend, noch dazu wo es nicht wirklich warm war. Und wenn's doch die Verkühlung vom Donnerstag ist, kann ich jetzt auch nix machen.

Nun wird es wirklich zäh, eigentlich sollte jetzt ab km28 der Teil kommen, wo ich nochmals an Tempo zulege. Das Gegenteil ist der Fall, die Kilometer liegen nun eher bei 4:22min/km statt 4:15min/km, mit letzter Anstrengung erreiche ich Kilometer 30. Was tun? Jedenfalls ein Gel um einen Hungerast zu vermeiden, Cola um den Kreislauf anzukurbeln, ein paar Gehschritte zur Entlastung. Aber nichts davon hilft, ich bin einfach nur schwach. Aber trotzdem weiter. Schließlich weiß ich von den Trainingsläufen, dass auch die Trabpausen unter 5 Minuten/km sind, also allzuviel Zeit sollte ich nicht verlieren, solange ich mich nicht komplett aufgebe. So ist der nächste Kilometer dann in 4:42min/km absolviert – einigen anderen um mich herum geht's noch schlechter, sodass ich sogar Läufer überhole. Wesentlich mehr ziehen allerdings an mir vorbei. So war das nicht geplant. Probieren wir Harakiri-Taktik: Gas geben was geht, vielleicht kommt der Körper dadurch wieder in Schwung. 4:28min/km ist der nächste Kilometer. Zu langsam und kalt wird mir jetzt auch. Ich will nur mehr zurück in die Stadt und ins Hotel. 4:38 und nochmals 4:38 für die nächsten zwei Kilometer und bei km35 wartet mein letzter "Betreuer" auf mich.

letzter Betreuer
Für diesen lasse ich mir etwas Zeit, 4:49 ist das Resultat für den Kilometer. Uiuiuiui, und jetzt kommt gleich rechter Hand das rettende Hotel. Abbiegen oder nicht, das ist jetzt die schwierige Frage. Überanstrengen will ich mich jetzt nicht mehr, weil offenbar ist es wirklich die Verkühlung, die mich bremst und das kann dann ziemlich nach hinten losgehen befürchte ich.

Aber aufgeben? Ich bin zwar nicht flott, aber wenigstens möchte ich mir für mich das Prädikat erhalten, dass ich egal wie mies es mir geht, bis zum Schluss kämpfe und mich durchbeiße. Hat mir bei vielen Ultras ja auch schon einiges an Kilometern mehr gebracht. Ein Tief beim Marathon ist halt blöd, weil da gibt's kaum mehr Zeit es hinten hinaus zu kompensieren. Also vergessen wir das mal mit dem Hotel.

Außerdem steht dann auch Uschi, meine Betreuerin aus Irdning 2013, genau dort an der Strecke und feuert mich an. Da kann ich erst recht nicht meinen Lauf beenden. Und jetzt geht's in die Stadt hinein, da besteht Hoffnung, dass nun endlich Stimmung aufkommt. Weil bis jetzt war's nachwievor extrem ruhig an der Strecke.

Bei Kilometer 36 steht dann auch Carola an der Strecke. Auch bei ihr lief es heute wie schon in Münster so überhaupt nicht und sie hat früh die Segel gestrichen. Auch sie feuert mich an, ich sage ihr aber, dass das heute nix mehr wird und ich zwar ins Ziel laufen werde, aber mit Vorsicht ob der Verkühlung.

So komme ich dann zu km37, ein Spalier von Zuschauern entlang der Strecke und die lassen sich dann doch ein wenig zum Anfeuern bewegen. Na geht doch. Ich danke es ihnen mit einem Kilometer in 4:30min/km. Auf dem Weg zu km38 beginne ich zu rechnen. 4,2km sind es von dort noch. 4:30min/km laufe ich derzeit bestenfalls, also 4,5*4 = 18 Minuten + 1 Minute für 200m am Schluss ergibt 19 Minuten. Muss ich also in 2:44:30 bei km38 sein, damit ich noch eine Chance habe, meine Bestleistung von 3:03:31 knapp zu unterbieten.

Km38 kommt, ich passiere in 2:44:59. Mist, 29 Sekunden fehlen mir jetzt schon und der letzte Kilometer in 4:34min/km. Das geht sich nimma aus. Also nur mehr irgendwie weiter. km39  4:32, km40 4:32 und 2:54:03 durch. Hmmmmmm, 9:28 habe ich noch, jetzt noch ein bisschen andrücken, dann könnte es sich ausgehen. Irgendwo muss ich da vorher einen Rechenfehler gehabt haben (ja, für 200m brauche ich keine Minute beim Marathon-Tempo). Aber ich habe keine Power mehr. km41 in 4:37, Gas Gas Gas auf der Zielgerade, den einen Kilometer jetzt noch alles rausholen, das wird mir nicht schaden.

Prognose ...
Km42 sehe ich nicht, knapp unter 3h03 biege ich aber links Richtung Festhalle ab. Also noch etwas mehr als 30 Sekunden Zeit für Bestleistung. Ich sprinte was geht. Geht sich das noch aus?

Rein ins Ziel, abstoppen. 3:03:37 zeigt meine Uhr (offiziell waren es dann 3:03:34). Mist, knapp an der Bestleistung vorbei. Auch wurscht, weil meine Erwartungen ohnehin mehr als enttäuscht wurden, aber ein kleiner Trost wäre es doch gewesen. Interessant übrigens die Prognose meiner Laufuhr ... die hat's seit Wochen fast auf die Sekunde vorhergesagt :-O.

Medaille - mag mich wer kaufen?
Die Medaille im Ziel lasse ich mir nicht umhängen – wofür denn auch bitte?!?!?!?. Widerwillig nehme ich sie mit. Vielleicht kann ich sie ja noch auf willhaben.at verhökern :-) ... achja, Gebote (deren Erlös ich dann einem karitativen Zweck zuführe) dafür werden auch hier gerne angenommen.

Muskulär spüre ich am Nachmittag dann eigentlich fast nichts vom Marathon. Entweder bin ich 42km zu laufen einfach gewöhnt oder habe ich mich nicht richtig verausgabt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Ab Mittwoch nach dem Marathon ging's dann übrigens mit dem Schnupfen wieder so richtig los und der zog sich dann auch 1,5 Wochen dahin.

Fazit: der Marathon und ich werden wohl keine best friends mehr in diesem Leben. Aber irgendwie hätte ich die sub3h doch ganz gerne in meiner Läufer-Vita. Aber mehr Spaß machen mir die Ultraläufe. Muss ich also nur am Ultra um sovieles besser werden, dass sich dann sub3h am Marathon eh von selbst ergibt :-). Aber immerhin bin ich mit nur 8 Wochen marathonspezifischem Training trotz leichter Schwächung ziemlich an meine Bestleistung herangekommen, für die ich zuletzt (immerhin auch zwei Jahre jünger) mehrere Monate sowie zwei Trainingslager investiert hatte. Jetzt könnte ich also eigentlich auf dieser Grundlage weiter machen und dann wird's im Frühling vielleicht klappen. Aber das werde ich nicht machen, sondern mich jetzt wieder auf den nächsten 24-Stundenlauf Ende April vorbereiten. Langsam baue ich eine richtiggehende Marathonphobie auf (wenn's um Marathon auf Zeit geht – die Distanz ist ja nicht das Problem, nur das geforderte Tempo). Und Spaß macht diese Hetzerei alleine gegen die Kilometer-Splits auch nicht.

Aber wer weiß. Jedenfalls gebracht hat mir das Marathontrainings-Intermezzo neben der neuen 6h-Bestleistung auch ein höheres Grundlagentempo bei gleichem Puls, welches statt 6:00min/km nun bei ca. 5:45min/km liegt, was wiederum auf Hinblick 24-Stundenlauf bessere Leistungen ermöglichen sollte. Und nachdem ich zeitlich bedingt sicherlich nicht mehr an Umfang trainieren kann als in der letzten 24-Stundenlauf-Vorbereitung, kann der Weg zum Erfolg nur über mehr Qualität gehen, d.h. Tempoeinheiten werden sicherlich weiterhin am Programm stehen und für meine Ultralaufziele müsste dann eigentlich auch eine Marathonzeit näher an den 3h Grundbedingung sein, womit sich dann vielleicht selbige wiederum auch bei einem drucklosen Trainingsmarathon realisieren lässt – wünscht sich halt der kleine Martin :-). Und nachdem mir ein Laufvereinskollege vorgezeigt hat, dass man mit 41 immer noch Marathon-Bestzeiten aufstellen kann, besteht ja für mich dann im Herbst 2017 immer noch eine ganz gute Chance es ihm gleich zu tun.

Montag, 19. Oktober 2015

6-Stundenlauf Steyr

Und dann war da Anfang Oktober noch was ...

Steyr, endlich die letzte Station des Ultralaufcups 2015. Im Winter 2014/2015 erschien es mir noch überaus reizvoll, doch 2015 als ein Ziel (neben dem 24-Stundenlauf in Sárvár) eine Teilnahme an allen 5 Bewerben zu schaffen. Gewarnt von so manchem Ultralauffreund, dass dieses Vorhaben ziemlich an die Substanz gehen könnte, war klar, dass nicht jeder Lauf voll gelaufen werden wird. Retrospektiv war diese Idee des „Nicht-Voll-Laufens“ keine so glorreiche, denn mein größenwahnsinniges Hirn kam sodann auf die Idee, die Reserven doch noch für ein paar Ultras außerhalb des Cups zu nutzen. Womit letztlich mehr oder weniger dasselbe raus kam, wie alle Stationen im Cup voll zu laufen.

Jedenfalls: von Station #1, den 6h in Lassee (68,82km), habe ich bereits berichtet.

Nach Sárvár lief ich dann außerhalb vom Cup Mitte Mai die 6h in Gols (68,53km) und am 7.6. noch die 6h von Sri-Chinmoy in Wien (66,22km). Ebenfalls verewigt in hier im Blog und im Prolog des 24-Stundenberichts von Irdning (hier zu finden).

Dann kam gleich der herausfordernde Cup-Dreier-Pack:

13.6. Station #2: der 100er in Wien (in 10h28). Kurzbericht im bereits angeführten Prolog. Drei Wochen später ...

3.7. Station #3: die heißen 24-Stunden in Irdning (141,26km – Bericht oben verlinkt). Zwei Wochen später ...

18.7. Station #4: die Hitzeschlacht bei der Premiere der 12h von Prambachkirchen (Bericht im vorvorhergehenden Blog-Eintrag) mit schweißtreibenden 103,159km.

Danach war ich dann ziemlich platt und eventuelle ambitionierte Ultrapläne für den Herbst wurden gestrichen, da mir die Motivation für lange Trainingsläufe abhanden gekommen war. Die neue Parole lautete ab nun „nur“ ein Marathon im Herbst, Frankfurt wird es werden.

Der Rest des Juli und der Anfang vom August dienten als Übergangsphase, um wieder in die nötigen Geschwindigkeitsbereiche für den Marathon vorzustoßen und mit Ende August, genauer dem Kärnten Halbmarathon als ersten Tempodauerlauf im angestrebten Marathontempo, startete dann der von 8 auf 9 Wochen gestreckte Greif-Countdown, da eine Woche mit der Betreuung von Carola bei der 100km-WM in Winschoten wohl weniger Training zulassen würde.

Und die langen Läufe werden statt 35km so in Richtung 40 bis 45km gehen, um hoffentlich hinten raus das nötige Stehvermögen am Marathon zu haben. Und außerdem, und damit zurück zum eigentlichen Thema dieses Blog-Eintrags, wird’s bei der letzten Station des Ultralaufcups bei den 6h von Steyr am 3.10. sowieso hoffentlich noch ein Stückchen weiter gehen.

Vom Münster-Marathon Anfang September - ein echt schöner Lauf mit toller Atmosphäre - ist mittlerweile auch berichtet. Genutzt habe ich ihn für 36km „Einlaufen“ und dann 6,2km Endbeschleunigung, um nach 3h12 im Ziel zu sein. So schnell war ein Trainingsmarathon bei mir auch schon lange nicht mehr.

Aber ich schweife schon wieder ab. Also: Steyr. Nach den ersten vier Stationen war ich mittlerweile der letzte Verbliebene, der noch alle 5 Läufe mit zumindest 50 Punkten finishen konnte. Nötige Leistungen dafür: in 6h mindestens 43,50km; beim 100km-Lauf zumindest 75km innerhalb des Zeitlimits von 12h; beim 24h-Lauf mindestens 132,50km und im 12h-Lauf zumindest 75km.

Klingt alles nicht so heftig, aber bei den Wetterbedingungen heuer (Hitzewelle von Wien bis Prambachkirchen) sowie dem terminlichen Dreierpack war’s dann offensichtlich eine ziemliche Herausforderung. So gab es zwar einige weitere Läufer, die alle 5 Bewerbe starteten, aber dann in Irdning oder Prambachkirchen die Mindestdistanz nicht schafften. Wobei ich in Irdning auch Glück hatte, denn in Irdning dachte ich gar nicht ans 50-Punkte-Limit und die 132,50km.

Für Steyr reichten also 43,50km oder 32 Runden um den Ultralauf-Cup zu finishen. Mitten im Marathontraining sollte aber hoffentlich, wenn auch nicht wirklich sinnvoll im Lichte der klassischen Trainingslehre, mehr möglich sein und vielleicht könnte ich ja endlich eine der Trainingsleistungen auch in einem offiziellen 6h-Bewerb umsetzen. Denn 60km lief ich beispielsweise 2014 schon in einer kombinierten Trainingseinheit aus 18km Einlaufen plus anschließendem Mailand-Marathon in unter 5 Stunden. Da sollten doch endlich mit noch einer Stunde länger laufen die 70km knackbar sein.

Die Woche vor Steyr waren noch zwei Greifsche Quality-Einheiten am Programm. Montags 15km Tempodauerlauf im Marathontempo: damit es nicht so fad ist von mir zusätzlich gewürzt mit immer abwechselnd 2km Marathon-Tempo und 0,5km 18 Sekunden pro Kilometer flotter. Dienstag nur lockere 10km zum Beine auslockern. Tja, das war der Plan. Allerdings fand an diesem Tag auch der Vienna Night Run statt und ich dachte mir, da lauf ich am Gehsteig so ein bisschen nebenher und schaue mir das Spektakel an. Offenbar motiviert mich allerdings nicht nur das Tragen einer Startnummer, sondern allein schon der Anblick von Leuten mit Startnummer. Jedenfalls wurde es dann mehr oder weniger ein 5km-Tempolauf. Mittwoch dann – Überraschung! - schwere Beine, also die 3x3km von Papa Greif etwas schaumgebremster vom Tempo her, aber pulsmäßig im richtigen (=anstrengenden) Bereich.

Aber die Vorfreude auf Steyr stieg und stieg. Die Temperaturen zwar wieder etwas wärmer prognostiziert, aber kein Vergleich zu den letzten drei Hitzeschlachten des Cups und auch der Wind sollte sich in Grenzen halten. Dazu hoffentlich gute Stimmung im kleinen aber feinen Läuferfeld der 85 Starter. Eigentlich war für den Samstag laut Greif 12km Endbeschleunigung im Marathontempo am Programm, aber nach 5h Laufzeit würde das wohl zu ambitioniert sein – vor allem, weil der eigentliche Herbsthöhepunkt ja noch kommen soll und ich nicht nach Steyr massiv regenerationsbedürftig sein wollte. Daher wandelte ich die Endbeschleunigung gedanklich in ein „die letzte Stunde noch etwas schneller rennen wenn möglich, aber nicht komplett ans Limit gehen“ um.

Bisher war Steyr übrigens immer ein 100er Mitte September, der aber heuer aufgrund der Terminkollision mit der 100km-WM in Winschoten eben auf Anfang Oktober verlegt und wegen der Lichtverhältnisse (nicht lange genug hell fürs 12h-Zeitlimit) auf 6h „gekürzt“ wurde. Wie auch immer, es war mein erstes Antreten in Steyr, entsprechend kannte ich auch die Verhältnisse vor Ort nicht und so reisten Carola, die mich betreuen würde, und ich bereits Freitag abend mit dem Wohnmobil an, um keinen Stress zu haben. Der Lauf selbst findet eigentlich nicht in Steyr statt sondern in der Industriezone „Stadtgut Steyr“. Entsprechend viel los war bei unserer Ankunft Freitag abend – nämlich genau nix. Aber eh gut: praktischen Stellplatz direkt an der Strecke beziehen und dann ab ins Bett. Müde genug waren wir von der Arbeitswoche ohnehin.

In der Früh dann unkompliziert die Startnummer und das prall gefüllte Startersackerl holen. Alles sehr gemütlich und familiär. Da ein Gespräch, dort ein Gespräch. Alle gemeinsam für viele Kilometer. Nur die Strecke jetzt so bei Tageslicht bereitete mir leichte Sorgen. Weil so richtig richtig flach war die Geschichte nicht. Um den Kreisverkehr bei Start/Ziel ging es doch einigermaßen rauf und dann auch wieder runter und auch die Gerade auf der Wendestrecke hinaus war leicht wellig. Nicht viel, aber im Laufe der Zeit könnte es sich bemerkbar machen.

Mürrisch vorm Start
(c) www.6h-steyr.at
Knapp vorm Start packte mich dann plötzlich die Nervosität und ich wollte im letzten Moment noch meinen schon ziemlich ausgeleierten Startnummerngurt gegen einen neueren tauschen. Der neuere fühlte sich aber auch nicht gut an, also die Aktion wieder retour. Bei dem ganzen war ich – als Carola mir ihre Hilfe anbot – auch noch ziemlich gereizt. Kein guter Einstieg in den Lauftag. Und so sehr ich mich auf den Lauf gefreut hatte, so richtig kam ich nicht in den Lauf rein. Die Stimmung war anfangs auch ziemlich verhalten. Bis auf die wenigen Betreuer (bei 6h ziehen das die meisten – bis auf Weicheier wie mich ;-) – ohne Betreuung durch) war nix los an der Strecke und auch im Läuferfeld hatte ich etwas Pech.

Da rennt der Schmäh ...
(c) www.6h-steyr.at
Vorne ging wie immer auf den ersten Runden die Post ab, auch wenn dieses Mal etwas langsamer als sonst, da die meisten die lange Saison (oder die 100er-WM vor drei Wochen) spürten. Ich selbst wollte solange als möglich die ersten 5 Stunden zwischen 5:00-5:09min/km laufen und dann eben „so schnell wie noch geht“. Mit diesem Tempo lag ich dann in der Anfangsphase konstant so 200-400m hinter den Führungsgrüppchen, wo die Unterhaltungen stattfanden, und wiederum auch einige Meter vor den Gruppen hinter mir. So zog ich recht einsam nur mit meiner Musik im Ohr meine Runden, was meiner Stimmung jetzt auch nicht Auftrieb gab, dass die anderen gemeinsam in netter Gesellschaft liefen und ich krebste da für mich allein herum. Aber eine Tempospritze Richtung nach vorne wäre trainingstechnisch jetzt auch nicht sinnvoll gewesen.

... und da renn' ich und versuche
gute Miene zu machen.
(c) Pascal Poindl & Renate Barta
Außerdem waren die Beine auch alles andere als locker. Es fühlte sich einfach nicht so nach einem gemütlichen Trainingslauf an. So kamen auch wieder Gedanken an die 6h von Schwechat letztes Jahr auf, wo ich mich letztlich übernommen hatte und mein Immunsystem wenige Tage nach dem Lauf mit einer Gürtelrose im Gesicht rebellierte. Überanstrengte ich mich gerade wieder? Ist der Lauf jetzt wirklich sinnvoll in Hinblick auf den Frankfurt-Marathon? Naja, zumindest 32 Runden und 43,50km muss ich irgendwie laufen, damit ich meine 50 Cup-Punkte bekomme. Also weiter. Und vielleicht ist ja heute doch irgendwie der Tag der 70 Kilometer.

Zum Drüberstreuen öffnete sich dann auch noch der Verschluss meines Pulsgurts. Noch nie passiert, aber einmal muss das erste Mal sein - aber warum gerade heute?!?! Bisserl herumwurschteln, für Stehenbleiben bin ich zu hektisch, keine wertvollen Sekunden für den Schmarrn verbrauchen. So versuche ich irgendwie den Pulsgurt mit dem Oberarm festzuklemmen, damit er nicht ganz runterrutscht, bei Start/Ziel auch noch die Zwischenzeit zu nehmen und dabei das Tempo zu halten. Muss recht lustig ausgesehen haben, wie mich da "leicht" verkrampft fortbewegte. Letztendlich hat sich der Pulsgurt aber als zäher Gegner erwiesen und ich konnte ihn doch nur mittels einiger Gehschritte richten. Hätten wir das auch erledigt und eines ist klar: beim Marathon wird ohne Pulsgurt gelaufen, dort brauch' ich dann so ein Intermezzo keinesfalls.

Auch wenn es sich nicht so gut anfühlte, so zeigte meine Uhr doch, dass ich Rundenzeiten im Schnitt von etwa 5:00min/km absolvierte, also recht klar in Richtung der 70km unterwegs war. Aber gut, so war ich schon öfters angelaufen und irgendwann kam dann der Einbruch und die Zeit respektive Kilometer waren ganz rasch weg. So auch dieses Mal: knapp nach dem Marathon in 3h30, genauer, am Weg zur Absolvierung des Mindestziels von 32 Runden und dem Erreichen der 43,50km wollte mein Körper recht schlagartig nicht mehr und die Rundenzeiten fielen auf über 6:00min/km zurück. Rückblickend hat da wohl vor allem der Kopf eine entscheidende Rolle gespielt - kann ich den vielleicht während eines Laufs mal irgendwo abgeben? Würde sowohl Gewicht als auch blödsinnige Gedanken sparen :-)

Auch Schmerzen setzten ein: die ganze rechte Seite von der Hüfte abwärts zog herum und fühlte sich entzündet an. War ich Distanzen jenseits der 50km nicht mehr gewöhnt, nachdem ich seit Prambachkirchen nicht mehr länger als 45km unterwegs war? Und riskierte ich gerade nachhaltig eine Verletzung, die mir das weitere Training und den Start in Frankfurt unmöglich machen würde? Naja, abwarten und weiter laufen. So schlimm ist es auch nicht, außerdem wurde ich jetzt laufend von den anderen Ultraläufer_innen aufgefangen und zum Laufen animiert – vielen Dank Euch allen für die Unterstützung! So fing ich mich langsam wieder, die Rennuhr näherte sich kontinuierlich der 5-Stundenmarke, also eh nimma lang und bald Zeit für die Art Endbeschleunigung – haha, wollen tät ich ja, aber kann ich auch?

Wenigstens die Rundendurchschnittszeit seit Beginn war immer noch bei 7:02 Minuten (=5:08min/km) also genau auf dem benötigten Schnitt um die 70km-Marke zu erreichen. Nur: 7:02er-Runden lief ich jetzt schon seit längerer Zeit keine mehr. Egal, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also: letztes Gel (von vieren insgesamt) schnabuliert, das unzähligste Iso getrunken und Ingwer zum Beruhigen des Magens und Durchputzens des Hirns. Und auf geht’s in die letzten 60 Minuten. Netterweise kam da – in einem verrückten Rennen, bei dem die Führung mehrmals wechselte und einige ihrem hohen Anfangstempo oder der Vorbelastung (100km-WM-Winschoten) leider Tribut zollen mussten – der mittlerweile führende Klemens H. von hinten herangelaufen. Die Motivation nehme ich gerne an und schaue, wie lange ich mich da anhängen kann. Klemens freute sich auch über Begleitung und Unterhaltung – naja, er sprach, ich keuchte. Aber das Tempo ging und auch die Schmerzen waren plötzlich wieder weg oder ich einfach zu sehr mit koordinativen Aufgaben (linker Fuß nach vor, rechter Fuß nach vor, Achtung Kurve, Achtung Läufer vor mir) beschäftigt. Bei der Labestation ließ es Klemens leider etwas langsamer angehen und so war ich wieder alleine. Egal, dann machen wir jetzt virtuelles Pacing und ich versuchte, meinen „Vorsprung“ (mit einigen Runden Rückstand) Klemens gegenüber zu halten. Das lief ganz gut und ich merkte auch, dass ich nun kontinuierlich Plätze im Feld gut machte, was natürlich auch motivierte.

Kämpfen!
(c) Renate Barta & Pascal Poindl
Nach einigen „flotten“ Runden, eh nur knapp unter 4:40min/km aber relativ zum Feld fühlte es sich nach Fliegen an, ging dann der Puls doch einigermaßen hoch und auch Carola warnte mich, nicht zu überziehen.

Das muss sich heute ausgehen!
(c) Renate Barta & Pascal Poindl

Schließlich waren noch fast 40 Minuten auf der Uhr. 51 Runden und 200 Meter musste ich schaffen für die 70km. 46 Runden hatte ich schon. Also 5 Runden und 200 Meter in 39 Minuten. Für 200 Meter brauche ich in etwa eine Minute, also 5 Runden in 38 Minuten, ergibt Rundenzeiten von fast 8 Minuten um die 70er-Marke endlich zu knacken. Das muss doch schaffbar sein, allerdings: ein Krampf, ein Tief und es kann ganz schnell vorbei sein.

Endlich gut drauf!
(c) www.6h-steyr.at
Also mäßigte ich mich wieder auf Rundenzeiten um die 7 Minuten. Trotzdem überholte ich weiterhin. Noch 3 Runden, noch zwei Runden, nur noch eine Runde. Carola rief mir nun zu, wenn ich könnte, sollte ich noch Gas geben was geht, weil vor mir wäre es recht knapp mit den Plätzen. Ich glaubte ihr das zwar nicht, hatte aber den Überblick mittlerweile verloren, also tat ich was ich konnte.

5 Minuten vor Schluss war es dann so weit. 51 Runden waren geschafft, 200 Meter noch und der 70er ist Realität. Jetzt noch schauen, was ich in den 5 Minuten noch draufpacken kann auf die 70km. Naja, richtiger Sprint wurde es keiner mehr (nicht kaputt machen für Frankfurt!), aber immerhin kam ich noch bis km 70,957.

Knapp vor mir kam Norbert L. zu stehen, der als Dritter anmoderiert wurde und im ersten Moment dachte ich mir: verdammt, hat Carola ihn gemeint mit „knapp vor mir“ und hatte ich es um 50 Meter nicht geschafft? Allerdings vergaß ich da, dass ich eine Runde hinter Norbert lag und sich dazwischen auch noch Andreas M. befand. Aber immerhin auf den 5. Gesamtrang konnte ich in einem verrückten Rennen dank der Tempoforcierung in der letzten Stunde noch vorstoßen. Die nachstehende Grafik versucht im Halbstundentakt den Rennverlauf darzustellen. Der Übersichtlichkeit halber sind nur jene Leistungen dargestellt, die jeweils 80% oder mehr der Kilometerleistung des zum entsprechenden Zeitpunkt Führenden entsprechen. In Klammer die Platzierungen. Meinen Rennverlauf habe ich mit der etwas dickeren Linie hervorgehoben ;-)


Nach vielen vergeblichen Versuchen, in denen ich es wie beispielsweise in Schwechat letztes Jahr gezielt auf den 70er angelegt hatte (und scheiterte), klappte es nun endlich "so aus dem Training heraus".

Den Ultralaufcup konnte ich sowohl in der Altersklasse als auch gesamt hinter den heuer "großen Drei im Cup" Reinhard B., Didi K. und Hubert M. auf dem vierten Gesamtrang beenden.

Siegerehrung Alterklasse
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Alterklassenplatz 2 gab's dann im 6-Stundenlauf auch noch.

Und jetzt bin ich gespannt, was Frankfurt Ende Oktober im Marathon noch als Draufgabe des heurigen Laufjahres bringt. Zwei neue Bestleistungen (6h, 24h) habe ich schon, sind aller guten Dinge vielleicht gar drei?

Steyr selbst ist als Veranstaltung super und lässt keine Läuferwünsche offen (die „wellige“ Strecke war dann eh nicht so schlimm)  – naja, gut, ein bisschen mehr Publikum wäre fein! Aber die Organisatoren versuchen dafür über Moderation und auch Musik im hinteren Streckenteil für Motivation und Stimmung zu sorgen, so gut es eben möglich ist.

Die tollsten Aspekte zum Schluss: in Steyr wurde bei diesem 6h-Lauf vom 82-jährigen (sic!) Luxemburger Josy Simon mit 53,95km eine neue Weltbestleistung in der Masters 80-Klasse aufgestellt - Chapeau und da hätte ich dann ein Langfristziel!

Ebenfalls Weltklasse waren die Nudeln im Ziel und dass auch nach dem Duschen immer noch etwas davon da war. Bei den Gedanken an die Zielnudeln bekomm' ich übrigens Hunger, beende daher mein Geschreibsel und geh' was essen :-)

Sonntag, 18. Oktober 2015

Aufarbeitung der letzten Trainingsmonate, Teil 2 - der Münster Marathon ...

Nach Teil 1 mit Prambachkirchen Mitte Juli befinden wir uns nun schon im ersten September-Wochenende, an dem am 6.9. der Münster-Marathon stattfand.

Nachdem Carola schon länger in Österreich als Botschafterin des Münster-Marathons ("MüMa") wirkt und immer wieder die Werbetrommel für eine zahlreiche Teilnahme von "Ösis" in Münster rührt, wollten wir uns heuer den Marathon auch richtig vor Ort ansehen. Aufgrund der Funktion von Carola als Botschafterin des MüMa sowie starke österreichische Marathon-Läuferin entfielen für mich die Hotelkosten.

Und eine Veranstaltung, die unter dem Motto "Wir leben laufen" stattfindet, klingt schon sehr sehr vielversprechend und für mich gut geeignet, den ersten langen Lauf mit Endbeschleunigung des Greif-Countdowns zu absolvieren.

Da es leider keine Direktverbindungen (und auch keine sinnvollen Anschlussflüge) mehr zum Flughafen Münster/Osnabrück gibt, reisten wir freitags über den Flughafen Düsseldorf an und dann per Taxi weiter nach Münster. Die Anreise war ziemlich zäh, da ab Freitag mittag die ganze Region um Düsseldorf und Dortmund (Münster liegt etwas nördlich von Dortmund) im Stau steht. Aber irgendwann kamen wir dann doch im Hotel H4 in Münster an.
Münster selbst ist eine nette, überschaubare Stadt, das Hotel liegt direkt im Altstadtzentrum und in einer Fußgeherzone. Also alle Sehenswürdigkeiten in Gehreichweite und auch zum Start des Marathons am Sonntag nur ca. 1km, vom Ziel dann überhaupt nur wenige hundert Meter zurück ins Hotel. Das Hotel selbst auch sehr angenehm mit großzügigen Zimmern.

Am Samstag machten wir Tourismusprogramm und klapperten die Sehenswürdigkeiten von Münster ab. Dabei stießen wir auch immer wieder auf die "blaue Linie", die die Streckenführung des morgigen Marathons markierte. Dabei fragte ich mich, wie sich in der Altstadt wohl das Läuferfeld verteilen würde, da die Straßen doch recht schmal sind und auch nicht überall Halteverbote für Fahrzeuge aufgestellt waren. Teilweise umkurvte die "blaue Linie" auch parkende Fahrzeuge :-). Erschwerend erschien mir auch noch der Kopfsteinpflasterbelag. Aber nicht zu viel Nachdenken, das wird schon alles klappen - ich verlasse mich auf die deutsche Gründlichkeit.

Sonntag früh zeitig um 6h30 früh aufstehen, um genügend Zeit fürs Frühstück und Munterwerden bis zum Start um 9h zu haben. Danach rüberlaufen vom Hotel zum Start - wie gesagt, gerade ein Kilometer, und am Weg dorthin Wetter und Temperatur testen und beim Start die Lage checken. Alles sehr überschaubar und gut organisiert, die Zugänge zu den Startblöcken deutlich sichtbar. Temperaturmäßig war's gefühlt ziemlich frisch (vor allem nach der sommerlichen Hitze der letzten Wochen) und es wehte ein etwas kühler Wind. Die Wolkendecke war auch nicht leicht zu deuten. Würde es aufreißen, sonnig und wärmer werden oder käme doch Regen während des Marathons? Hm, schwierig, schwierig die Kleidungswahl. Aber gerade in so einem Fall ist die Logistik mit einem Hotel einen Kilometer vom Start entfernt wirklich perfekt! Daher kann ich aber auch nichts über die Kleiderabgabe berichten, denn die benötigte ich nicht.

Schließlich entschied ich mich für kurze Hose, kurzärmliges Shirt (aber nicht das dünnst mögliche), Kappe (gegen Regen oder Sonneneinstrahlung), Sonnenbrille (hilft auch gegen den Wind) und dünne Handschuhe (halten warm, aber stören nicht, wenn's etwas wärmer wird). Sicherheitshalber auch noch ein Gel eingesteckt, falls mir die Verpflegung an der Strecke nicht zusagen würde und so ging es dann wieder entspannt laufend vom Hotel zum Start. Dort noch ein paar Steigerer um die Beine munter zu machen - wobei: soll doch nur ein Trainingslauf werden mit 36km in ca. 5:00min/km und dann die letzten 6,2km im Ende Oktober angestrebten Marathontempo. Eine Trainingseinheit, die mir in der Vergangenheit nie leicht gefallen ist. Aber mit Startnummer geht's sicherlich besser.

Jedenfalls, ab nun mit mir in den Startblock, wo übrigens auch kontrolliert wird, ob man sich richtig gemäß der Startnummer einordnet. Alles sehr angenehm, kein Gedränge und aus den Gesprächen bekomme ich auch mit, dass die Leute tatsächlich alle im richtigen Bereich stehen (also nicht 4-Stundenläufer umbedingt in der ersten Reihe stehen wie bei manch anderer Veranstaltung). Hilfreich dabei auch die offiziellen Pacer ("deutschdeutsch" so schön als Zug- bzw. Bremsläufer bezeichnet) mit ihren Luftballons, die das Feld auch gut sortierten. Besonderheit in Münster übrigens: es gibt nicht nur Pacer für 3:00, 3:15, 3:30, usw. sondern auch einen Pacer für 2:30!

Vor Start noch ein paar Ansprachen und vor allem motivierende Songs zum Start um 9h hin. Auch meine Beine beginnen jetzt doch das Marathon-Kribbeln zu spüren. Liegt auch an den vielen erwartungsvollen Marathonis um mich herum für die das heute ihr Laufhighlight des Jahres wird. Nun wird es kurz ruhiger, der Countdown der letzten Sekunden beginnt und auf geht die Reise durch und um Münster herum.

Der Start auch ganz ruhig, kein Slalomlaufen, das Feld bewegt sich gleichmäßig los. Ja, das hat schon was, wenn jeder in seinem richtigen Tempobereich steht. Nach dem Start geht's noch dazu auch gleich eine mehrspurige, sehr breite Straße entlang, wo das Feld auch gut Gelegenheit hat sich aufzufächern. Weiters stören keine Staffelläufer, da diese erst 15 Minuten später losstarten werden.

Neben mir unterhält sich ein Laufpäarchen wobei sie meint: "ganz schön frisch heute". Ich kann es mir nicht verkneifen und rufe rüber, "wird uns schon noch warm werden heute!". Ja, das halten sie auch für wahrscheinlich.

Der erste Kilometer führt zunächst leicht bergab ans Ufer des Aasee, einem künstlichen Gewässer mit Flaniermeile drumherum, aber immerhin so groß, dass auch mehrere Segelboote locker nebeneinander Platz haben und somit auch fleißig gesegelt wird. Beim heutigen Wind sind's dafür auch optimale Verhältnisse. Naja, für uns Läufer könnte das noch hart werden.

Vorm Aasee biegen wir aber wieder nach links ab Richtung Innenstadt und dann recht verwinkelt durch die Innenstadt, wo wir nun auf die gestern schon gesehenen Pflastersteinpassagen treffen. Mittlerweile ist das Feld aber schon langgezogen genug, sodass man gut am Randstein laufen kann, der deutlich ebener ist als die Fahrbahnmitte.

Plötzlich taucht auch Carola, die weiter vorne gestartet war, vor mir auf. Es scheint heute gar nicht ihr Tag zu sein, eine Verletzung ist wieder akut geworden. Kurze Unterhaltung, sie wird wohl beim Hotel, das knapp nach km9 direkt an der Strecke liegt, aufhören und möchte noch von mir wissen, wann ich denn etwa im Ziel sein werde. Hm, gute Frage nach nicht einmal drei Kilometern. Naja, ich schätze mal 3h20 bis 3h25, sicherlich unter 3h30, allerdings bin ich in der Euphorie der ersten Kilometer derzeit eher Richtung 3h10 unterwegs. Aber gut, da kommen ja noch ein paar Höhenmeter und ich sollte eh schauen langsamer zu werden. Genau das gleiche hinsichtlich der 3h10 denkt sich ein Mitläufer und ruft mir zu: "na, für nur 3h20 bist aber ziemlich flott unterwegs". Jo, eh, die blöde zusätzliche Motivation der Startnummer selbst beim Trainingslauf. Kann er verstehen und findet es unfair, dass er sich so anstrengt und andere nur einen Trainingslauf in dem Tempo machen.

So gelangen wir dann auch schon bei der Promenade an, einem Fuß- und Radweg rund um die Münsteraner Altstadt. Mehr übrigens ein Radweg, denn Münster ist die Hauptstadt der Radfahrer. Die meisten legen ihre Wege wirklich nur per Rad zurück, wobei man außerhalb des Marathons aber etwas aufpassen muss, denn Radfahrer haben hier prinzipiell gegenüber alles und jedem Vorrang :-). Nachdem aber auch die Radbeherrschung passt, gibt's keine kniffligen Situationen. Nördlich der Altstadt geht's im Wesentlichen in einem großen Rechtsbogen rum bis man wieder bei der Promenade ankommt und nach 6,5km nun das hintere Läuferfeld sowie die Staffeln beobachten kann.

Nun erkunden wir einen weiteren Teil der Promenade, gespickt mit einer kleinen Unterführung, wo von der Brücke darüber schon mächtig Stimmung gemacht wird. Apropos Stimmung: bis jetzt gab's keine 200 Meter, wo nicht vom Straßenrand aus das Läuferfeld angefeuert worden wäre. Also von wegen kühle Norddeutsche. Das ist hier heute ein Volksfest. Nach der anfänglichen Übermotivation bin ich mittlerweile etwas vom Gas gegangen, sodass mich das Läuferpäarchen vom Start - übrigens unaufhörlich plaudernd - einholt, mich erkennt und mir mitteilt, dass "ihr" nun warm ist. So locker wie die beiden drauf sind, denke ich, dass das für sie auch nur ein Vorbereitungslauf für etwas Längeres ist - die beiden schauen auch irgendwie Marke Ultraläufer aus ;-). Aber nein, sie nehmen den Marathon schon ernst und hinten raus wird es sicherlich hart werden, 3h30 ist ihr Ziel. aber so lange es gut läuft, machen sie halt. Bis km15 hat das gute Gefühl angehalten und sie waren knapp hinter mir, dann dürfte es zäh geworden sein und ich habe sie leider im weiteren Verlauf nicht mehr gesehen. Aber noch sind wir nicht so weit.

Nun geht's nämlich nochmals rein in die Altstadt, durch die Fußgängerzone und am Hotel vorbei in Richtung Ziel, bis zu dem es aber noch etwas dauert, nämlich 32 Kilometer. Von dort auf schon bekanntem Weg, aber nun in die andere Richtung wieder zum Ufer des Aasees. Die Strecke dreht sich also ganz schön und gibt dem Orientierungssinn ein paar Aufgaben mit auf den Weg. Aber zeittechnisch alles perfekt gelöst, niemand läuft uns entgegen und die Organisation ist so sicherlich auch leichter, da nur einige zentrale Straßen gesperrt werden müssen.

Die Umrundungg des halben Aasees steht nun am Programm und wenn man einen See in der Mitte queren muss, dann ... ja, dann muss man über eine Brücke! Schöner Blick auf die in ziemlicher Schräglage gegen den Wind aufkreuzenden Segelboote, weniger schön, dass auch wir Läufer uns gegen den Wind stemmen mussten. Das kann ja weiter draußen, wo es laut Streckenplan durch eher ländliche Gebiete zu gehen scheint, noch heiter werden.

Aber die Brücke war bald überwunden und wir wieder im windgeschützten Stadtbereich, wo es nun immer leicht ansteigend Richtung Gievenbeck und Nienberge ging. Falls doch jemand diese Orte nicht kennen sollte: also es ging einfach Richtung Nordwesten :-) durch kleine Vororte von Münster. Hier zog dann auch plötzlich ein Nieselschauer durch - gut, dass ich meine Kappe hatte. Für die Sonne hätte ich sie nämlich im Hotel lassen können. Nun wurde es wirklich sehr rasch ländlich mit Feldern links und rechts der Strecke. Und auch entsprechend windig. Einige Läufer bekamen nun so ihre Probleme und ich versuchte, ihnen so gut als möglich beim Vorbeilaufen Windschatten zu bieten. Bei einem 2-Meter-Mann war ich da aber wenig erfolgreich, lustig war das Bild aber alle Mal.

Bei km20 wartete eine Autobahnüberquerung mit einem ziemlichen Anstieg auf uns, aber dann war auch schon der Halbmarathon geschafft. Das war insofern nett, als wir jetzt Nienberge erreicht hatten und damit durch Siedlungsgebiet liefen. Die letzten zwei Kilometer mit links und rechts nur Felder war mäßig spannend und hierher hatten sich ausnahmsweise wirklich kaum Zuschauer verirrt. Aber in Nienberge war wieder ordentlich was los, denn die Einfamilienhäuser hatten alle Garageneinfahrten oder kleine Vorgärten und da war Marathongucken und -anfeuern angesagt. Kinder an der Strecke wollten abklatschen - da bin ich normalerweise ja sehr vorsichtig, weil manches Mal abklatschen mit "dagegen schlagen" verwechselt wird. Aber die Kinder hier waren Vollprofis: rücksichtsvolles Abklatschen war angesagt. Na, da mache ich gerne mit. An einigen Stellen waren auch private Labestationen eingerichtet. Nienberge lebte heute Marathonlaufen!

Aber irgendwie musste man nun von Nienberge südwärts nach Roxel, einem östlichen Vorort von Münster, und da hatte die Raumplanung wieder viele, viele Felder vorgesehen. Der Wind hatte auch nicht nachgelassen, aber wenigstens waren die übermannshohen Maisfelder noch nicht abgeerntet, das bot doch einigermaßen Schutz vor dem Wind. Die Einwohner von Nienberge und Roxel schienen auch zu wissen, dass hier von km24 bis km30 ein kritischer Streckenteil für die Läufer sein könnte und so haben sich viele in die Pampa aufgemacht und während es immer wieder links und rechts ging, tauchten plötzlich unvermutet Stimmungspunkte auf, wo getrommelt, gesungen oder "einfach nur" angefeuert wurde.

In einem Gegenwindstück lief ich auch auf einen nur minimal langsameren Läufer auf und bot an, dass wir uns doch auf dem nächsten Stück abwechselnd Windschatten bieten könnten. Ja, können wir gerne versuchen, allerdings ist er gerade ein bisschen platt und versucht sich zu erholen. Na, komm, das machen wir schon. So kamen wir auch ein wenig ins Plaudern (ich freute mich über die Abwechslung, schließlich tickten bei mir im Kopf auch langsam die Kilometer runter bis km36, wo die harte Endbeschleunigung beginnen würde, und mal an was anderes denken als die Furcht davor tat gut). Er hatte heuer im Frühjahr seinen ersten Ultra gefinished - also eigentlich Ultratrail, denn es handelte sich um die Harzquerung über 51km mit 1200Hm. Natürlich - wie er mir berichtete - ein ganz anderes Laufen als das heute hier auf der Straße. Eigentlich hatte er dann noch einen zweiten Ultra heuer am Plan, kam aber nicht so recht zum Trainieren, wollte aber doch noch etwas laufen und da er in Münster studiert hatte, ja, warum nicht mal den Münster-Marathon laufen. Unter 3h15 wäre sein Optimalziel gewesen, aber über 3h20 freut er sich auch und unter 3h30 müsste auf jeden Fall gehen. Also so wie wir beide jetzt gerade gemeinsam unterwegs sind, können sich die 3h15 noch ausgehen, die 3h20 ziemlich sicher.

Etwas später ließ er leider abreißen um sein Tempo zu laufen. So war dann bald Roxel erreicht und auch hier wieder das gleiche Bild wie in Nienberge - Roxel war Marathon! Allerdings verbrachten wir nur zwei Kilometer in Roxel, dann ging es wieder raus über eine Autobahnbrücke. Vom Brückenscheitel aus konnte ich nun etwa geschätzte 200m vor mir die Pacer-Gruppe für 3h15 erkennen. Hm, würde ich die heute noch einholen? Wir werden sehen.

Jetzt hatten wir jedenfalls wieder Gievenbeck erreicht wo es von Piraten verteilt an einer Labestation das "beste Wasser der Welt" gab. Achja, die Stimmung an der Strecke ist übrigens auch deshalb so gut, weil es unter den Fangruppen einen Wettbewerb gibt, wer den besten Stimmungspunkt an der Strecke hat. Daher werden alle Talente aufgeboten, wie Verkleidungen, Musikgruppen, artistische Künste (Stelzengehen), etc. Eine tolle Abwechslung für uns Läufer.

Auch in Gievenbeck wieder viele Häuser mit feiernden und anfeuernden Zuschauern. Und auch wieder ein Stimmungspunkt, wo einem Engel Flügel verliehen ... und zwar nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich hatte die Gruppe kleine, ca. 5-10cm große, selbsthaftende Flügel gebastelt, die nun den Vorbeilaufenden auf den Rücken geklebt wurden. Eine nette Idee und nachdem wir mittlerweile bei km34,5 waren, konnte ich das gut brauchen. Nur mehr 1,5km bis zum Beginn der gefürchteten Endbeschleunigung. Die Engel haben dann übrigens auch die Fanwertung gewonnen!

Laut Streckenprofil hatte ich im Kopf, dass es ab km36 nur mehr leicht bergab ins Ziel ginge. Nun ja, da war die Streckenprofilgrafik doch etwas geglättet. In Summe ging es schon bergab, aber dazwischen immer wieder auch leicht wellig hoch. Also nicht nur zum Rollen, sondern auch zum Kämpfen. Aber egal, Trainingsplan nun durchziehen und so schnell laufen wie möglich. Kurz nach Beginn der Endbeschleunigung hatte ich die Gruppe um den 3:15-Pacer nun erreicht und auch sogleich hinter mir gelassen. Hm, das wird dann heute ja sogar eine ganz nette Zeit. Dazu kam noch die Euphorie, trotz 36 Kilometern, die mit 4:37min/km deutlich unter meiner Vorgabe von 5:00min/km lagen, dennoch das erhoffte Endbeschleunigungstempo zu schaffen. Das viele Grundlagentraining für die Ultraläufe dürfte doch auch für den Marathon etwas bringen. So spulte ich die nächsten Kilometer ab. Das Spalier der Zuschauer wurde nun dichter und entsprechend lauter wurde es auch. Man konnte das Ziel schon förmlich riechen.

Bei km41, wieder am Ufer des Aasees, wo man nun zum dritten Mal am heutigen Tage vorbei kam, nochmals ein riesiger Stimmungspunkt mit Bühne und mittlerweile mächtig viel Publikum. Rein in die Aegidistraße, die abgesperrt war wie die letzten Kilometer einer Radetappe. Entlang frenetisches Publikum. Ich rief einem Mitläufer, der sichtlich kämpfte, zu, "komm', nur mehr 800m, nicht einmal mehr vier Minuten, beiß' durch", was er auch tat. Kurz später war ich etwas verwirrt, denn wir liefen ja nun die gleiche Straße wie knapp nach dem Start, wo wir dann nach links abgebogen waren. Und mit den vielen Kreiseln hatte ich nun auch ein wenig die Orientierung verloren. Vorne am Ende der Straße wieder nach links oder nach rechts? Vor mir kein Läufer, daher sah ich auch niemanden nach links oder rechts verschwinden. Auch die Streckenpostin, die ich vorne bei der Kreuzung erspähte, ließ mich im Dunkeln. Gefühlsmäßig hätte ich ja gesagt nach rechts, aber die blaue Linie tendierte nach links. Also hielt ich mich mal in der Mitte der Straße, da kann nix schief gehen. Nun ja, bei der Kreuzung war's dann klar - nach links kann ich schon laufen, aber da würde mich das Spalier der Zuschauer aufhalten, nach rechts ist der korrekte Weg. Und die blaue Linie? Die ist vom Beginn des Marathons, nach rechts geht's nun nämlich auf das Kopfsteinpflaster hin zum Prinzipalmarkt. Und da scheint man - ich vermute wegen der Reinigung - keine blaue Linie auftragen zu dürfen. Ein paar Meter verschenkte ich, aber eh wurscht. Das Kopfsteinpflaster war jetzt allerdings unangenehm, da es sich nicht um großflächiges Pflaster, sondern um so 10x10-15x15cm-Pflaster handelte. Auch durchs Verwittern leicht abgerundet. Man musste seine Schritte also genau setzen und die Fußmuskulatur bekam nochmals einiges zu arbeiten. Das mochte meine Fußmuskulatur so gar nicht und wehrte sich links mit leichten Anzeichen eines Fußsohlenkrampfes. Glücklicherweise wurde das Pflaster dann bald wieder etwas kleinformatiger, wodurch man den Fuß wieder besser aufsetzen konnte. Bei km42 nochmals an einer Bühne vorbei, wo ich dann auch persönlich mit Namen anmoderiert wurde - sehr nette Sache. Nun noch die letzten 200 Meter die Stimmung genießen und dann war ich auch schon nach 3:12:08 im Ziel.

So wie der ganze Lauf perfekt organisiert war - mein eingestecktes Gel blieb in der Tasche, da Bananen und Iso an den Laben mehr als ausreichend waren - so war auch das Zielgelände toll. Mehr als genug Platz, Bänke zum Hinsetzen, und Köstlichkeiten von Regenerationsmüsli über Obst hin zu alkoholfreiem Bier. Auch eine Wärmefolie gab's.

Die Temperaturen waren aber doch noch immer nicht sonderlich hoch - das kam dann erst im Laufe des Nachmittags -, sodass ich mich dann bald auf ins Hotel machte, das wie schon erwähnt auch ganz nah beim Ziel war.

Fazit: mit meinem Trainingslauf bin ich sehr zufrieden, Endbeschleunigung erfolgreich umgesetzt und den Münster-Marathon kann ich nur empfehlen. Streckenmäßig ist es sicherlich nicht die schnellste Strecke der Welt - dafür sind es zuviele Höhenmeter (laut meiner Messung 142). Auch das Pflaster teilweise in der Stadt ist anstrengend und verhindert zum Schluss einen lockeren Endspurt - und auch die Dichte im Feld mit nur 74 LäuferInnen unter 3 Stunden und 138 unter 3h12 (ich war #139 :-) ) ist eher gering. ABER ... dafür wird es dann um die 3h30 deutlich dichter. Von der Organisation und Stimmung her ist alles perfekt und auch das Flair von Münster hat einiges zu bieten. Es war jedenfalls ein tolles Erlebnis und dem Motto "Wir leben laufen" ist das Team um den MüMa mehr als gerecht geworden!

Und nachdem (bewegte) Bilder mehr sagen, als meine mehr als 3.000 Wörter in diesem Bericht ...

Offizielles Video vom 14. Münster Marathon
und
aus Läufersicht von Daniel Pugge (nicht von der Tonspur am Anfang abhalten lassen, das Video ist dann wirklich gut).

Samstag, 17. Oktober 2015

Prambachkirchen 12-Stundenlauf

Mit etwas Verspätung, aber nun ist er endlich fertig, der Bericht des 12h-Laufs aus Prambachkirchen am 18.7.2015 ...

Also: 12h-Lauf-Prambachkirchen, Station Nummer 4 von insgesamt 5 des Österreichischen Ultralauf-Cups und nur zwei Wochen nach Irdning. Eigentlich hatte ich die Hitzeschlacht von Irdning ganz gut überstanden und mich auch halbwegs erholt. Jetzt aber schon wieder 12 Stunden bei hohen Temperaturen im Kreis rennen ist eigentlich nicht wirklich sinnvoll. Natürlich gäbe es die Möglichkeit, statt des 12-Stundenlaufs nur den 6-Stundenlauf zu machen, der ebenso als Cup-Bewerb zählen würde. Aber für mich wäre das nicht richtig: ich sag‘ ja auch nicht bei einem Halbmarathon in der Stadt XY, wo’s auch einen Marathon gibt, dass ich dann den Marathon gefinished habe.

schattiger Parkplatz
Und außerdem: für mein Ziel, alle fünf Cup-Bewerbe (in der jeweils längsten angebotenen Ausprägung) zu finishen brauche ich „nur“ 75km in 12h zu schaffen. Das sollte wohl möglich sein und danach könnte ich für den restlichen Tag ins Freibad direkt an der Strecke gehen. Also am Freitag vormittag dem aufgeheizten Wien mit dem Wohnmobil entfliehen, in der Hoffnung, dass es in Prambachkirchen etwas kühler wäre. Naja, die Hoffnung traf nicht wirklich zu. Aber wenigstens ein schöner Schattenplatz am Parkplatz des Kolmguts erwartete mich. Von dort waren es sowohl zu Start/Ziel als auch zur Labe der Einzelläufer jeweils nur ca. 100m – also ideal morgen dann für Carola, die erst im Laufe des Vormittags mit Heinz S., der im 6h-Lauf startet, nachkommen und mich dann betreuen würde, um etwaigen Nachschub vom Parkplatz zu holen und an die Strecke zu bringen.Während ich im Schatten die Zeit mit lesen verbrachte, schaute auch auf eine nette Plauderei Sir HJR in Begleitung von Stürmchen und Captain vorbei, der sein Lager beim Bahnhof oben aufgeschlagen hatte.

Gegen Abend hin holte ich mir meine Startnummer und drehte auch gehend eine Runde, um die 1.458m lange Strecke kennenzulernen. Relativ flach und durchgehend asphaltiert hatte der Ultralaufreferent des ÖLV in einer Aussendung die Veranstalterinformationen weitergegeben. Asphaltiert war korrekt, aber relativ zeigte sich wieder einmal als ein ziemlich dehnbarer Begriff und so ging’s da schon ganz schön rauf und runter, absoluter Bestzeitenkurs ist es definitiv keiner. Beim Laufen erwies es sich dann aber doch als recht rhythmisch.

Luxuslabe
(c) www.12hprambachkirchen.com
Halbwegs früh versuchte ich schlafen zu gehen, bei der Hitze war aber schlafen auch eher mühsam. Um 5h dann raus aus den Federn um beim Start um 6h30 munter zu sein. Angenehmer Nebeneffekt: um 5h war’s sogar richtig angenehm von den Temperaturen her. Tisch und Verpflegung herrichten für die ersten 4 Stunden bis Carola die Betreuung übernehmen würde. Viel brauchte ich heute eh nicht, ich wollte ja nur die 75km schaffen. Und außerdem gab’s eine Luxuslabe für die Einzelläufer betreut von der erfahrenen und erfolgreichen Ultraläuferin Regina S., die natürlich genau wusste, was Läufer brauchen.

(c) Family des Pseudoläufers
http://pseudolaeufer.jimdo.com/
Vorm Start wie immer Begrüßung der üblichen Verdächtigen, kollektives Jammern über die Hitze von Irdning zuletzt und "Vorfreude" auf die heute ebenfalls noch zu erwartenden Temperaturen. Aber um 6h30 beim Start war’s eigentlich recht fein. Entspannter Start und ich trabte gemütlich los mit dem Plan so in etwa um die 5:30-6:00min/km zu laufen. Immer schön defensiv, den Körper nur nicht neuerlich überfordern.

Dumbo läuft
(c) www.12hprambachkirchen.com

Um jedenfalls anfangs genug zu trinken und hoffentlich weniger Probleme mit der Hitze zu bekommen, hatte ich mir diesmal auch einen strikten Trinkplan abhängig von den Rundenzeiten erstellt. Für mich unbedingt nötig, wenn ich niemanden mit habe, der jede Runde meine Flüssigkeitsaufnahme protokolliert, weil sonst wird’s erfahrungsgemäß zu wenig Flüssigkeit. Das klappte auch hervorragend, jede zweite Runde trinken, immer abwechselnd mein eigenes Iso und dann von der Labe, damit’s geschmacklich mehr Abwechslung gibt. Dazu zirka jede Stunde ein Gel. So lief ich vor mich hin.

Nach knapp über vier Stunden hatte ich den Marathon geschafft und damit war klar, die 75km werden kein Problem, denn die noch nötigen 33km in 8 Stunden könnte ich jetzt auch einfach nur mehr spazieren. Somit war die Motivation zu laufen etwas weg und auch die Temperaturen stiegen nun um 10h30 rasant an. Bisher hatten uns die Hecken und Hausmauern des „Stadtkurses“ einiges an Schatten gespendet und für relativ (wie wir wissen ein dehnbarer Begriff) kühle Temperaturen gesorgt. Doch jetzt stand die Sonne doch schon ziemlich hoch und es begann zu kochen. Vor allem in einem Eck, rauf zum Bahnhof, lag die Sonne so richtig drinnen. Dazu noch ein relativ knackiger Anstieg, dort wurde es richtig hart.

Aber egal, einfach mal weiter. Immer ordentlich kühlen, trinken, und langsam weiter. Und wenn ich 75km hab‘, geh ich baden. Das erzählte ich glaub ich so ziemlich jedem im Laufe des Tages. Apropos Kühlung: dafür war unter anderem ein Wasserschaffel bei der Labe vorgesehen, welches allerdings am Boden stand. Anfangs noch kein Problem mit dem Runterbücken, aber im Laufe der Zeit eine immer größer werdende Herausforderung. Also bat ich die Veranstalter, ob sie das Wasser nicht irgendwo auf einen Sockel stellen könnten. Und so wie die gesamte Veranstaltung mit extrem viel Leidenschaft und Engagement organisiert wurde: in der nächsten Runde stand das Wasserschaffel schon auf einem Tisch und man konnte sich ganz bequem kühlen. Also ganz dickes Lob nicht nur für dieses Detail an das Team von Prambachkirchen: immerhin war’s die erste Auflage und ihr habt das ganz toll hinbekommen, besser als so manche Veranstalter, die das zum x-ten Mal machen. Es hat wirklich an nichts gefehlt beim Lauf – okay, ein Sonnensegel über ganz Prambachkirchen vielleicht :-D.

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Pitschnass ging es so immer wieder auf die Runde, nur um wenige 100 Meter eh wieder trocken zu sein durch die Hitze. Aber gegen die Hitze waren auch alle 500m Gartenduschen an der Strecke aufgestellt, die für kühlenden Sprühnebel sorgten ohne einen komplett zu durchnässen – ausgesprochen angenehm.

Wie schon gesagt, immer schön vorsichtig und defensiv dahin, mit aber immer mehr Gehanteilen. Nach etwa 7h30 hatte dann der Darm ähnlich wie in Wien beim 100er wieder genug von der Hitze und forderte Aufmerksamkeit für sich ein. Na gut, soll sein. Danach ging’s dann sogar etwas besser weiter, irgendwann war ich wieder am Fuße des Bahnhofshügels angelangt, lief in den Anstieg hinein und dachte mir, so, jetzt wieder wie in den Runden zuvor ab in den Gehmodus und langsam den Hügel hinauf. Da hörte ich plötzlich ein „Super Martin!“, drehte mich um und sah Alexandra S. an der Strecke zuschauend entlang gehen. Hm, gut, wenn ich so angefeuert werde, dann kann ich nicht zu gehen beginnen, also weiter den Hügel rauf laufen. Und siehe da, es fühlte sich gar nicht so schlecht an, geht/läuft da doch noch was? Danke für diesen mentalen Tritt in den Allerwertesten.

Die 75 Mindestkilometer waren übrigens auch mittlerweile geschafft, ich könnte also Baden gehen. Aber nein, jetzt bin ich schon so weit gekommen, jetzt tu‘ ich auch noch weiter ;-) Außerdem hat mir Michael N. während des Laufs verraten, dass wir nur drei Starter in der Altersklasse M-30 sind, d.h. ein Podiumsplatz war mir gewiss und damit eine Teilnahme an der Siegerehrung. Und nein, mit 75km will ich nicht auf die Bühne klettern, da soll schon ein bisserl mehr in der Ergebnisliste stehen und wenn geht dann auch nicht Platz 3 von 3. Mein Ehrgeiz war geweckt – danke Michael!

Nach 9 Stunden wurde es mir jetzt aber dann doch etwas zu heiß und ich überlegte mir, wie ich den Körper richtig schön kühlen konnte. Und so erinnerte ich mich an meine - bisher dann aber nie umgesetzte - Idee von Irdning 2010: um der Hitze zu entgehen, ab in den Supermarkt an der Strecke, der ist garantiert gekühlt!

es ist zäh
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Gesagt getan – an der Kassa wunderte man sich zwar ein wenig, warum ich denn so am Packtisch lehnte und wollte schon Hilfe holen. Ich konnte aber überzeugend kundtun, dass ich mich nur kurz von der Hitze erhole und es mir ansonsten ohnehin gut ginge. Nach fünf Minuten wollte der Körper dann wieder weiter und freiwillig raus in die Hitze. Außerdem sollte nun ohnehin wieder der Schatten der Hecken und Häuser zurückkehren und damit die Temperaturen nicht mehr so drückend sein.

So war es dann auch. Die Klobesuche blieben allerdings leider weiter alle 1,5 Stunden am Programm – lästig und zeitraubend. Aber heute auch wiederum egal – ich habe ohnehin kein bestimmtes Ziel, Platz zwei der Altersklasse sollte mittlerweile abgesichert sein und ganz sowenige Kilometer waren es auch nicht mehr.

Über 10h30 waren mittlerweile vergangen, da rauschte wieder der Zweitplatzierte Didi K. an mir vorbei, auf der Jagd nach Platz 1 (was sich letztlich leider dann doch nicht ausging). Kurz hängte ich mich an, das Tempo war mir allerdings zu hoch. Aber mit ein bisschen Zurückhaltung konnte ich doch wieder etwas schneller laufen als die Runden zuvor. Hm, vielleicht doch noch versuchen, die 100km zu erreichen? Wäre doch eine schöne runde Zahl. Nachdem ich keine Ziele vor dem Lauf hatte, hatte ich mir auch nicht überlegt, wieviele Runden denn der 100er wären. So halbwegs kam ich im Kopf zwar auf 10 Runden sind 15km abzüglich 42 Meter pro Runde, also minus zirka 400 Meter. 70 Runden wären dann also 105km minus 2800 Meter. Hm, dann müssten 69 Runden der 100er sein. Wirklich sicher war ich mir aber ob meiner Rechenkünste im gekochten Hirn nicht, also rief ich dem Ultraläufer und - für diese Aufgabe aber viel wichtiger - Mathematik-Lehrer Reinhard B., der in einer Staffel eine Trainingseinheit für die 100km-WM in Winschoten absolviert hatte und nun nur mehr an der Strecke stand, zu, mir doch bitte auszurechnen, wieviele Runden der 100er sind. Er bestätigte mir dann eine Runde später die 69 nötigen Runden. Wunderbar, 62 hatte ich schon, Rundenzeiten von unter 10 Minuten momentan und noch 1h20 Zeit. Das sollte sich doch locker ausgehen.

Ein paar Runden später war nochmals der Darm angesagt. Aber das war’s jetzt bitte dann. Jedenfalls gibt’s jetzt weder Essen noch Trinken für die restlichen 40 Minuten, weil sonst wird das doch nix mehr mit dem 100er. Mit dieser Strategie ging’s dann und jetzt, wo das Ende nah war, lief es flotter und flotter – also relativ (wurde schon erwähnt, dass relativ dehnbar ist?) gesehen flog ich nun dahin. Absolut gesehen war es gerade mal progressiv von über 6:00min/km kommend auf im Laufe der letzten Runden knapp über 5:00min/km.

Eau-Rouge von Prambachkirchen
(c) www.12hprambachkirchen.com
Die Stimmung war am Höhepunkt. Genau diese Stimmung gegen Ende, wo alle zu feiern beginnen und es bald geschafft ist ... in Irdning blieb mir dies „dank“ des blöden Krankenaufenthalts verwehrt. Dafür genoss ich es nun in vollen Zügen, quasi mein Ersatzerlebnis für Irdning. Exakt fünf Minuten vor Ende nochmals über die Start/Ziel-Matte, diese 70. Runde war meine bisher schnellste des ganzen Tages in 4:44min/km, der 100er war klar geschafft. Jetzt noch fünf Minuten voll hin halten was der Körper her gibt. Einmal noch durch die Eau-Rouge von Prambachkirchen fliegen, dann 90 Grad links abbiegen runter Richtung Bahn, nochmals 90 Grad links und den Heartbreak-Hill zum Bahnhof rauf und jetzt geht’s nur mehr geradeaus dahin, an der Labe ohne Stopp vorbei und Richtung Kurve zum Freibad. Soweit ging’s dann nicht mehr, aber 1,1km konnte ich in den letzten 5 Minuten noch drauflegen (=4:33min/km) und schließlich mit 103,159km finishen. Mein dritter und bisher somit schwächster reiner 12-Stundenlauf der Ultrakarriere (Bestleistung 2012 in Vogau mit 115,5km; ebenfalls 2012 in München 107,94km; seitdem kein reiner 12er mehr). Tja, das Muster scheint sich diese Saison seit der 24h-Bestleistung in Sárvár durchzuziehen: Worst-Ever 6h-Leistung, Worst-Ever 12h-Leistung – wenig Regeneration bei gleichzeitigem Vielstartertum und gute Leistungen korrelieren bei mir wohl nicht positiv, war aber eigentlich auch nicht anders zu erwarten, auch wenn man ab und an auf Wunder hofft ;-)


(c) www.12hprambachkirchen.com
Aber irgendwie war ich trotzdem zufrieden – die 100km doch übertroffen, mein Ziel von 75km sowieso deutlich und den Körper nicht überfordert. Wieder einen Cup-Lauf gefinished mit über 50 Punkten, fehlt also nur mehr der 6h-Lauf in Steyr Anfang Oktober, wo ich 43,50km Mindestleistung brauchen werden – also ein Marathon in 6h, das muss gehen, wenn ich nicht verletzt bin. Als Belohnung gab’s für die Leistung hier in Prambachkirchen auch noch einen zweiten Platz in der Altersklasse und statt eines Pokals einen originellen und schönen Linolschnitt auf einer bemalten Alu-Dibond-Platte.

Der Ausflug nach Prambachkirchen hat also wirklich Spaß gemacht und hoffentlich etabliert sich der Prambachkirchner Ultralauftag als ähnlich traditionelle Veranstaltung wie es der Lauf im benachbarten Grieskirchen für viele Jahre war – die Basis ist jedenfalls gelegt und der österreichischen Ultralaufszene würde es gut tun, da 12-Stundenläufe in Österreich ohnehin eine Mangelerscheinung sind.

Sonntag, 12. Juli 2015

Spaß in der Hitze - der Bericht vom 24-Stundenlauf in Irdning

PROLOG

10 Wochen nach dem 24-Stundenlauf in Sárvár steht also mit Irdning der nächste 24er am Programm. Ähnlich wie letztes Jahr, aber diesmal ohne erholsamem Urlaub dazwischen. Training hatte ich auch kein Richtiges geplant, aber da ich, wie gesagt, die 10 Wochen in Wien weilte, war genug Potenzial für Schnapsideen und Teilnahmen an Läufen möglich. Wobei: auch wieder ähnlich zu 2014, aber ohne Urlaubserholung.

Von Gols habe ich schon berichtet, dort lief es ja bis auf die Didi-Intervalle, die zerstörerisch wirkten, nicht so schlecht. Am Mittwoch darauf stand dann die Laufmeisterschaft der Wiener Geld- und Kreditinstitute ("Bankenlauf") am Programm. 9,25km im Wiener Donaupark. Mit einem Schnitt von 3:56min/km zog ich mich, denke ich, würdevoll aus der Affäre. Tags darauf mit meinem neuen Hauptbetreuer in Irdning - Christian M. - 2x4000m auf der Prater Hauptallee. Bei den ersten 4000m fanden wir uns nicht, also wuselte ich so für mich in 4:20-4:30min/km in der Hauptallee herum, bei den zweiten 4000m dann in ca. 4:15-4:20min/km mit Christian. Lustig war's, Gesamteinheit 23,5km in 4:36min/km. Juhu, der Körper ist wieder voll da, also meldete ich mich auch noch gleich für den Sri-Chinmoy-6-Stundenlauf Anfang Juni im Prater an, weil die Veranstaltung ist - bis auf die Musik - sehr, sehr fein. Da will ich wieder dabei sein.

Am Samstag dann noch eine Crescendo-Einheit (4x4000m) mit Christian - die ging mir schon etwas an die Substanz.

In der Woche darauf war dann - Überraschung, Überraschung - der Ofen aus. Ich wurschtelte dahin, einen Tag ging das Training besser, anderntags saß ich dann auch mal ein paar Minuten auf einem Bankerl in der Prater Hauptallee und dachte mir "die anderen laufen lassen ist doch auch was Feines, man muss ja nicht immer selbst rennen".

Foto: Sri Chinmoy
Der Sri-Chinmoy-6-Stundenlauf lief aber anfangs ganz gut, doch nach 3 Stunden wurde es mir etwas zu warm und damit zu anstrengend. Außerdem standen nur 6 Tage später die Österreichischen Meisterschaften über 100-Kilometer am Programm, wo ich im Sinne der Mannschaft jedenfalls finishen sollte. Also Tempo rausnehmen und den 6-Stundenlauf irgendwie fertig bringen - nicht so schwer, der Lauf ist ohnehin nach 6 Stunden vorüber. Trotz Worst-Ever-Leistung über 6h mit 66,22km (wenigstens eine hübsche Zahlenkombination) gab's einen netten Geschenkkorb für Platz 2 mit allerlei Bioleckereien - wie z.B. auch Hanfschokolade. Ich habe bis heute noch nicht herausgefunden, ob man die isst oder raucht :-D.

100km, not my day today ...
Foto: Christian Mayerhofer
Der 100km-Lauf in Wien war dann überhaupt ein ziemliches Desaster. Die Beine waren anfangs zwar nicht locker, aber immerhin etwas brauchbarer als die Tage zuvor - das dürfte die Magie der Startnummer und Pentek-Matten gewesen sein -, dafür fing der Magen nach 2h30, wohl auch aufgrund der hohen Temperaturen, zu spinnen an und beschloss, sich mit Durchfall und Magenkrämpfen ins Rampenlicht zu drängen. Aber Aufgeben war nicht drinnen, schließlich hatte ich zwei Vereinskollegen zur Teilnahme animiert, damit wir erstmals als Mannschaft der "LG (Laufgemeinschaft) Wien" an einer Ultra-Meisterschaft teilnehmen. Meine Leistung war unterirdisch und ich schämte mich richtig, ob meiner Darbietung und Schwäche. Ich wollte bei Start/Ziel am liebsten irgendwo ganz weit weg von den Zuschauern laufen, was aber nicht möglich war. Bei Tobias lief es richtig gut und Karsten kämpfte und kämpfte. Innerlich hoffte ich ja, dass einer von beiden vor mir aufhören würde, sodass auch ich mir die Qualen ersparen könnte. Nach außen feuerte ich aber beide bei den Überrundungen an. Karsten gar mit den Worten "mach halt langsamer, aber zieh' für die Mannschaft durch!". Ahhh, ich Masochist :-D (er empfand es wohl sadistisch). Naja, so pendelte ich zwischen Laufstrecke und Mobi-Klo und war nach 10h28 auch endlich im Ziel. Dank der Leistung von Karsten (Platz 3, 8h41) und Tobias (Platz 4, 8h52) und deren hervorragenden Zeiten, konnte sogar ich mit meiner Zeit das Ergebnis nicht mehr ruinieren und so landete "LG Wien" in der Mannschaftswertung auf Platz 1. Juhu, zum zweiten Mal in meinem Leben eine Meisterschaftsmedaille abgestaubt! Klimperding, hurra!

Aber dennoch beunruhigte mich mein Zustand - weil so etwas von fertig, das ist ja nicht normal. Also sicherheitshalber ein Blutbild machen lassen. Soweit alles in Ordnung, nur Eisen, Transferrinsättigung und Vitamin-D-Spiegel im unteren Grenzbereich. Also nicht optimal, aber so schlimm sollte mein Zustand ob dieser Werte auch nicht sein. Dann liegt's wohl doch einfach an zu wenig Regeneration und einem zu dichten Programm seit Sárvár - kann das sein? Ja, ist wohl so ;-)

Somit war ich die drei Wochen zwischen dem 100er und Irdning wirklich brav, gab Ruhe, verzichtete gänzlich auf Kaffee, versuchte auch das Naschen stark zu reduzieren und langsam ging es auch bergauf, wenn auch nicht gerade brüllend. Die Spritzigkeit war jedenfalls definitiv weg, aber die Ausdauerfähigkeit sollte nach über 3.600 Laufkilometern seit Jahresbeginn dennoch vorhanden sein. Also fahren wir nach Irdning und schauen einfach mal was passiert. Locker, frei, aber mit wenig Vertrauen :-). Plan A: vielleicht geht ja doch etwas ohne Erwartung. Plan B: wenn Plan A sich nicht erfüllt, dann werden wir Spaß haben.

HAUPTTEIL

In der Woche vor Irdning konnte ich noch TEASPO Teamsportmarketing sowie Kieninger & Lagler als Sponsoren für den guten Zweck gewinnen - somit war jedenfalls der tiefere Sinn des 24-Stundenlaufs in Irdning erfüllt!



So reiste ich Donnerstag nachmittag nach Irdning und empfand die Ankunft leider als etwas mühsam. Einerseits war's doch schon gut warm in Irdning, andererseits war mein Campplatz noch verparkt, obwohl angekündigt war, dass der Campaufbau ab Donnerstag möglich sei. So streunte ich etwas herum und wartete, dass mein Platz entparkt und frei wird. Das war dann auch um 19h30 der Fall und ich konnte mit dem Campaufbau (=Zelt) beginnen, damit ich am Freitag dann keinen Stress mehr habe, sondern entspannt den ganzen Tag bis zum Start um 19h herumlümmeln konnte.

Noch bei Tageslicht war ich dann mit dem Aufbau fertig - geht dank Faltpavillon ja recht flott - und um 23h im Bett. Die Nachtruhe war angenehm, ich schlief tief und fest, kein Anzeichen von Nervosität und angenehm kühl wurde es auch im Wohnmobil, aber nicht kalt. Zum Laufen würden das in der Nacht dann wohl ideale Verhältnisse werden.

Basislager steht

Mittagessen im spärlichen Schatten
Freitag folgte ich den ganzen Tag dem Schatten des Zelts und lungerte auf der Campingliege herum. Bloß nicht unnötig Energie vergeuden. Trotzdem war es warm genug, dass ich auch beim Nichtstun ins Transpirieren kam. Also fleißig trinken. An schlafen war leider wegen der Hitze nicht wirklich zu denken, Dösen war das höchste der Gefühle.

Nachmittags kamen dann auch Carola & Winfried, hauptsächlich als Staffelläufer, nebensächlich als zusätzliche Helfer des wackeren Einzelläufers und Christian M. als Hauptbetreuer an. Für Christian war's der erste Einsatz als mein Betreuer, allerdings konnte er schon Erfahrung bei der Betreuung von Rainer Predl beim 7-Tage-Laufbandweltrekord sammeln. Die Latte lag also hoch, schließlich gab's bei seinem letzten Betreuer-Einsatz einen Weltrekord :-D. Damit würde ich wohl nicht dienen können, aber bemühen werde ich mich, damit es trotzdem ein Erlebnis für ihn wird. Wurde es denke ich auch, wenn auch nicht ganz wie geplant (Spannungsbogen aufbauen :-) ).

Meine Steuerungsmappe mit diversen Tabellen hatte Christian schon vorab erhalten, so blieb nur mehr die Wohnmobilführung, was wo versteckt ist an Futter. Und wo die Punschkrapfen für die Betreuer sind :-D.

Auch Georg M. - für mich einer der Favoriten für die vorderen Plätze - traf dann ein. Wie im Vorjahr teilten wir uns den Campplatz. Sollte mir das wieder Glück und eine neue Bestleistung bringen?

letzte Vorbereitungen
Jedenfalls hatte sich für mich tagsüber bestätigt, dass eine sehr gute Leistung nur durch viele Kilometer in der kühleren Nacht möglich sein wird. Also wie geplant im Schnitt von 6:00min/km anlaufen und dieses Tempo dann wenn möglich bis 7h früh halten, also in 12 Stunden auf etwa 115 bis 120 Kilometer zu kommen. Keine leichte Aufgabe, aber ich fühlte mich beim Start eigentlich gut und munter. Also auf geht's, wagen wir es.

Los läuft's
Foto: Christian Mayerhofer
Das Einlaufen ersparte ich mir und auch sonst war ich freitags vorm Start noch nicht entlang der Strecke unterwegs gewesen. Daher nutzte ich die ersten Runden, um alle Freunde und Bekannte zu entdecken und Blickkontakt auch zu Unbekannten aufzubauen, die aber so wirkten, als wären sie fit und motiviert, 24 Stunden lang anfeuern zu können. Das funktionierte gut und so hatte ich bald meine persönlichen Fans beim Kreisverkehr, die noch einen Gang mit ihren Kuhglocken zulegten, wenn ich auftauchte.

Und ja, es taugte mir. So mühsam die Ankunft und das Warten tagsüber war, so genial empfand ich nun die Stimmung, aber ordentlich warm war es auch knapp vor 20h abends immer noch. Auch leichtes Kopfweh stellte sich ein. War der Schatten tagsüber doch nicht ausreichend gewesen? Aber mit dann sinkender Sonne, wurde es etwas kühler, damit verschwand auch das Kopfweh und kam auch nicht mehr zurück.

Praktisch überall an der Strecke wurde man von der Stimmung getragen, es gab nur ganz kurze stillere Passagen, die aber auch wohltuend waren, weil 24-Stunden-Dauerdröhnung sind dann auch des Guten zuviel. Die Musikanlagen der Staffelcamps waren aber in diesen Passagen noch leise zu hören, man verlor also nie den akustischen Kontakt.

Betreuer bei der Arbeit
Christian bremste mich und hielt mich an, mit "Hirn" zu laufen. Ja, gut, gut, mach' ich. Ich laufe eh schon langsamer und ich war doch ohnehin nicht so viel zu schnell. Das Tempo pendelte sich dann jedenfalls gut zwischen 7:00 und 7:20 je Runde (=5:45-6:00min/km) ein.

Petra, Betreuerin von Georg
Christian beim Protokollschreiben
Ziemlich durstig war ich von Beginn an und auch hungrig. So begann ich recht früh mit meinem bewährten UltraSports-Buffer als Iso-Getränk, dazu Bananen und Vollkornkekse und nach 1h30 das erste UltraSports-Gel. Das tat gut und von da an hatte ich eigentlich kein Hungergefühl mehr. Ich wurde super versorgt mit etwa 60g Kohlenhydrate die Stunde. Nach der Analyse von Sárvár wollte ich diesmal probieren, wie sich etwas mehr Kohlenhydrate bewähren. Und es funktionierte gut.

Es rollte dahin, irgendwann hörte ich auch, dass ich 9. bin. Fein, bereits in den Top-10, da möchte ich den Lauf wenn möglich auch beenden. Das sollte realistisch sein. So lief ich in die Nacht hinein, verlor jegliches Zeitgefühl. Dunkel war es, aber ich hätte nicht sagen können, ob es jetzt 23h, Mitternacht oder 2h morgens ist. Ich konzentrierte mich immer nur auf die gerade gelaufene Runde.

Die Stimmmung war weiterhin toll. Durch den späten Start waren alle Staffeln noch vollfit neben der Strecke und machten ordentlich Party. Aber ohne Alkoholleichen, sondern auf eine sympathische Art und Weise mit der Begeisterung für den Sport.

Having fun in the sun
Fotos: Bernhard Isker

es läuft ...
Foto: Christian Mayerhofer
Es rollte richtig gut (sagte ich das nicht gerade? *gg*), ich aß und trank wie von Christian verordnet. Auch einen Betreuerwechsel zu Carola und Winfried gab es, den habe ich aber gar nicht mehr richtig im Kopf, wann das war, zu sehr konzentrierte ich mich einfach nur aufs Laufen.

Diesmal versuchte ich auch vermehrt aus Flaschen zu nuckeln, um den Laufrhythmus beizubehalten. Einen Karton für die leeren Flaschen hatte ich ca. 400m nach meinem Campplatz beim Lager von Sir Heinz-Jürgen R. abgestellt, ca. 3 bis 4 Meter von der Laufstrecke entfernt. Das war dann die große Herausforderung, aus dem Laufen heraus mit den leeren Flaschen in den Karton zu treffen. Nun ja, im Verlauf der gesamten Veranstaltung schaffte ich genau einen Volltreffer :-D und beschränkte mich dann bald darauf, die Flaschen nur halbwegs in Richtung Karton zu rollen. Bin halt Läufer und nicht Basketballer.

Team SuBärAndschi
Foto: Bernhard Isker
Kurz vorher kam ich auch immer beim Lager und Team von Andreas R. alias "Subärandschi-The-Finger-Porno-Rosi" vorbei, die mächtig Stimmung machten und mich fleißig anfeuerten. Bernhard I. meistens mit "ma, der Hund schaut locker aus wie am Anfang". Und das Schönste daran: Eigenwahrnehmung und Fremdbild deckten sich zu 100%. Ich fühlte mich so, als würde mich heute nichts mehr stoppen können - immer nur gemütlich und locker weiter.

Moderator Peter
So lief ich dahin, war mittlerweile glaube ich auch 6. als ich dem tollen Moderator der Veranstaltung Peter Wundsam (der übrigens auch sehr nette Lauftechnikseminare anbietet) ersuchte, mir zwecks Motivation auch keine Kilometerstände zu sagen bevor ich bei 190km wäre. Weil ich wollte nie rechnen sondern immer nur von Runde zu Runde denken. Er kannte sich aus und von da an bekam ich auch meine persönliche Moderation: "hier kommt Martin, dem ich keine Kilometer sagen soll." :-D

Während ich mich verpflege überrundet mich Georg M. und wir laufen gemeinsam von unserem Campplatz wieder los. Er ist interessanterweise trotz Überrundung in meinem Lauftempo unterwegs - ich scheine wohl meine Sekunden beim Verpflegen liegen zu lassen oder er muss weniger oft in den Busch, um die Getränke wieder los zu werden. Wie auch immer, wir laufen jetzt nebeneinander dahin, jedes Mal, wenn ich vorlaufen möchte, erhöht aber auch Georg etwas das Tempo. Bevor wir uns beide ins Verderben laufen, bleibe ich dann lieber hinter ihm, auch wenn's mir unangenehm ist, immer nur hinten drin zu hängen.

So geht das einige Runden dahin und das Laufen so in Gesellschaft, auch wenn wir wenig reden und uns aufs Laufen konzentrieren, ist wunderbar. Dann ist wieder mal Verpflegung angesagt, dieses Mal gibt's dunkle Schokolade. Und dann passiert etwas Komisches: ich laufe wie jede Runde die leichte Rampe und Rechtskurve am Ende vom "Dörfl"-Gelände runter und habe plötzlich in der nachfolgenden Ebene das Gefühl ins Keuchen zu kommen. Ich muss kurz mein Tempo reduzieren und in der nächsten Sekunde macht der rechte Oberschenkel vorne komplett zu und ich kann nur mehr gehend weiter. Georg ist natürlich dahin und ich frage mich, was denn jetzt los ist. 8h34 lief es bisher genial, 84km habe ich hinter mir und jetzt das???

Naja, nicht die Nerven weg werfen, so etwas hatte ich in Sárvár 2014 ja auch in etwa, also zunächst gehen, immer wieder anlaufen versuchen und schauen, wann der Oberschenkel wieder will. Für den Moment geht aber mal gar nix. Jegliche Elastizität im Oberschenkelmuskel vorne ist weg, der Bodenkontakt prellt gefühlt ohne Dämpfung in die Hüfte durch. Das schmerzt ziemlich!

Die nächsten zwei Stunden ist damit Wandertag angesagt in der Hoffnung, dass ich mich muskulär erhole. Nach 10h30 sind tatsächlich wieder Laufeinlagen auf den ebenen sowie leicht ansteigenden Passagen möglich, bergab muss ich aber gehen, dort sind die Oberschenkelschmerzen zu stark. Auch das Laufen selbst ist alles andere als locker.

Tagesanbruch
Mittlerweile hat es längst gedämmert, die Sonne kommt raus, aber es ist noch kühl. Die Temperaturdifferenz ist sogar so groß, dass der Atem der Läufer sichtbar ist und auch leichte Nebelbänke über das Gelände wabbern. Eine tolle Stimmung für wenige Minuten. Denn dann erwärmt die Sonne Irdning gnadenlos.

Ich habe keine Ahnung wie weit ich bisher gekommen bin (die oben genannte Kilometerangabe habe ich nur retrospektiv der Zeitnehmung entnommen), aber gefühlt lief es mittlerweile nicht mehr gut.

ein paar Laufschritte fürs Foto
Foto: Christian Mayerhofer
Nach 12 Stunden, also um 7 Uhr in der Früh, finde ich es schon sehr "angenehm" warm und bald würde es richtig heiß werden. Daher checke ich nun mit Christian, wo ich liege. 86 Runden, 104,6 Kilometer hatte ich nach 11h53 absolviert und eine Klopause war nötig. Während dieser konnte ich rechnen, dass mit der Regel für den Optimalfall, dass ich in der zweiten Hälfte 20 Kilometer weniger als in der ersten schaffen würde, in etwa 105km + 85km = 190km möglich wären. Ein schönes Ergebnis, aber keine Bestleistung und angesichts der zu erwartenden Hitze würde es ein wahrer Kampf werden mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Will ich mir das zumuten? Der Körper war (siehe Prolog) ohnehin die letzten Wochen nicht wirklich fit und ein voller Kampf würde wohl eine seeeehr lange Regenerationsphase zur Folge haben, wenn ich mich nicht sogar mit ein wenig Pech längerfristiger schädigen würde und damit eine Herbstsaison abschreiben könnte. Daher stand mein Entschluss fest: ich mache natürlich weiter, aber ich "laufe" nicht am letzten Zacken, sondern etwas gebremster. Wobei von Laufen zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr die Rede war.

Badetag ohne Strand
Foto: Christian Mayerhofer
Nach der etwas längeren Pause um die 12 Stunden herum, wanderte ich wieder los und versuchte in die Gänge zu kommen. Viele Mitstreiter waren ebenso schon platt und daher hatte ich viele Gesprächspartner auf der Strecke, was sehr nett war. Endlich hatten wir Zeit, uns ausführlich zu unterhalten, weil vorm Lauf ist jeder noch mit den Vorbereitungen beschäftigt, nach dem Lauf sind wir alle meist zu müde und fertig und während des Laufs trifft man sich zwar schon immer wieder, aber hat doch nur wenige Minuten bevor sich aufgrund der Tempowahl der eine oder andere wieder nach vorne/hinten verabschiedet.


Wandern mit Sir Heinz
Foto: Christian Mayerhofer
Irgendwann motivierte ich auch Sir HJR, eine Runde mit mir zu wandern. Bald gesellte sich dann auch Hubert M. zu uns und so wurden wir mehr und mehr in unserer Wandergruppe und marschierten dann teilweise zu siebt oder acht um die Strecke. Immer schön in Zweierreihe, damit wir die schnellen Staffelläufer nicht behinderten. Ja, wir Einzelläufer nahmen Rücksicht auf Euch: einigen von Euch war leider eine 5 Zentimeter engere Linie überlebenswichtig um beim Kampf um die goldene Mega-Staffel-Ananas auch wirklich die letzten 2 Zehntel pro Laufrunde herauszuholen. Nicht, dass es bei uns Einzelläufern nicht auch letztlich um die goldene Ananas geht - wir alle leben schließlich nur einen Teil unseres Lebens für, aber nicht von unserem Sport -, aber die Verletzungsgefahr, wenn ihr dann doch einen erschöpften und angeschlagenen Einzelläufer zu Sturz bringen solltet, ist um vieles höher als im Normalfall, weil die Reflexe und Muskelkraft bei uns einfach nach 16 und mehr Stunden nicht mehr so vorhanden ist. Dafür müsste es aber wahrscheinlich wesentlich mehr Streckenposten geben, die dann bei rücksichtslosen Überholmanövern auch wirklich radikal eine Laufrunde der jeweiligen Staffel streichen. Ich denke, mit so einer Drohung würden die Staffeln deutlich mehr Rücksicht nehmen - wenn schon das sportliche Verständnis a priori nicht gegeben ist.

Gruppenwandern
Fotos: Christian Mayerhofer
Massage "Mach's Dir selbst!"
Foto: Christian Mayerhofer
Naja, wie auch immer. Jedenfalls hatten wir unheimlich viel Spaß. Vieles davon zu schildern ist schwer, da es eine Mischung aus Situationskomik gepaart mit dem Geist von übermüdeten Ultraläufern war. Besonders faszinierend war für uns natürlich die Teststation von Vibrationsmassagegeräten mit dem Slogan "Mach's Dir selbst!". Diese waren ein Zwittergerät aus Nudelwalker und Schleifgerät, wobei man sich damit eben selbst traktieren konnte/musste. Auch stellten wir diverse Überlegungen an, ob denn das Rennen wohl beendet werden würde, wenn wir es schafften, alle Einzelläufer in unserer Wandergruppe zu versammeln. Auch Details über das handwerkliche Geschick so manchen Ultraläufers erfuhr ich - aber dies unterliegt der ultralichen Schweigepflicht :-).

Die Runden vergingen wie im Flug und noch nie war gehen so lustig und machte so viel Spaß. Zeitweise überlegten wir allerdings, warum wir nicht auf eine Alm raufwandern anstatt in Irdning unsere Runden zu drehen. Aber wir blieben dann doch auf der uns lieb gewordenen 1.217,75 Meter-Strecke. So entstand aus einem bei den meisten eher verkorksten Lauf eine tolle Gruppendynamik. Und jene, die den Lauf noch ernst nahmen, unterstützten wir zeitweise, indem wir sie gehend wieder auf die Strecke brachten bis sie wieder ins Laufen kamen. Wohl teilweise motiviert, durch Laufen unserem Gebrabbel zu entkommen :-D

Hoch über Irdning
Fotos: Christian Mayerhofer

Nein, kein Foto beim Gehen
Foto: Hans Newetschny
Während der Wanderung spricht mich auch ein Vertreter des Lions Club an, denn ich konnte im Vorjahr dank meiner Unterstützer wieder die meisten Spenden eines Einzelläufers im Rahmen des 24-Stundenlaufs aufstellen. Damit konnte in der Region wieder viel Leid durch den Lions Club gelindert werden. So wurden spezialgefertigte Mobilitätshilfen finanziert oder Therapiemaßnahmen unterstützt. Für mein Engagement würden sie mich gerne nach dem Lauf kurz ehren. Ja, das würde mich freuen und ich vereinbare, dass wir uns um ca. 18h Näheres ausmachen, wie es mir geht, ob ich vielleicht doch wieder ins Laufen gekommen bin und etwas Ruhe brauche oder es gleich nach dem Einlauf möglich ist.

Dann muss ich aber wieder etwas pausieren um den Kopf zu kühlen, weil es wurde heißer und heißer. Im Schatten hat es sicherlich schon an die 35 Grad, am Asphalt gefühlt über 40. Und auch kein kühlendes Lüftchen. Aber dann geht's wieder weiter mit dem Wandertag unter Freunden. Immer eine Flasche mit kühlem Wasser in Hand für innerliche und äußerliche Erfrischung.

Motivation Samstag nachmittag
Fotos: Christian Mayerhofer
Nach etwas über 20 Stunden dann die nächste Pause zum Kühlen. Der Schatten beim Zelt reicht nicht mehr, es ist zu warm, die Luft steht. Daher verlagere ich mich in den Schatten der meinem Campplatz nahen Gebäude und hoffe dort auf etwas Luftbewegung. Christian holt mir inzwischen einen Eisbeutel.

Aber leider wird es auch mit dem Eis nicht besser. Ich bekomme eine Art Fieberanfallgefühl und glühe. Mit Christian gehe ich zu den Dusch-/Umkleidekabinen. Dort ist es zwar etwas kühler und ich lege mich auf eine Liege, aber jetzt beginnen die Fingerspitzen zu kribbeln und gut aussehen dürfte ich dem besorgten Gesicht von Christian nach zu urteilen auch nicht.

Also hilft nix, gehen wir zu den Sanis. Im Gegensatz zu 2013 immerhin auf eigenen Beinen. Also alles nicht so schlimm. Carola und Winfried sind derweil bei ihrem vierstündigen Staffeleinsatz, bekommen also gar nix mit und ich will sie auch nicht beunruhigen. Sie sollen sich auf ihren Lauf konzentrieren. 

Im Sanizelt die übliche Prozedur: Blutdruckmessung, Sauerstoffsättigung, Puls, Blutzuckermessung. Angenehmer als in der Umkleidekabine ist es aber im Sanizelt auch nicht, denn dieses ist einfach nur ein Zelt im Freien ohne Ventilator, wo sich durch die Sonneneinstrahlung auch die Luft staut und es um nichts kühler ist als draußen. Es ist sogar noch stickiger.

Ich erzähle meine Vorgeschichte (siehe Prolog), damit die Anamnese komplett ist, also vor allem zu meiner Sicherheit die Erwähnung, dass mein Eisenspiegel vorm Lauf eher niedrig war und ich Eisentabletten dagegen nehme. Frage der Ärztin: aha, warum das? Haben Sie Blutungen? Nein, ich habe einfach nur etwas zu viel gemacht seit Ende April und zu wenig regeneriert.

Die Ärztin macht jedenfalls ein skeptisches Gesicht und entscheidet sich für eine Glucoseinfusion. Ja, das wird wohl gut tun. Eis auf die Stirn bekomme ich auch vom Sani, worauf dieser von der Ärztin angeherrscht wird, dass das Eis in den Nacken gehört.

Die Infusion wird von der Ärztin gesetzt, auch dabei gibt der Sani ihr aber nichts wie von ihr gewünscht. Orangensaft soll ich übrigens trinken, haben sie aber nicht im Sanizelt. Keiner hat jetzt eine Idee, wie man dieses Problem lösen könnte. Also macht sich Christian auf den Weg zur Labe, um Orangensaft aufzutreiben.

Währenddessen erzählt mir die Ärztin, dass mein Freund ja auch gerade erst wegen eines Sonnenbrands verarztet wurde. Für mich klingt es, als ob da jemand große Brandblasen hatte. Ich kenne mich nicht aus. Welcher Freund? Christian kann sie nicht meinen, der schaut ganz normal aus. Doch, doch, der Freund mit der Glatze, der gerade weggegangen ist. Aha, naja, ich weiß von nix, muss ich später mit ihm reden.

Irgendwann wird den Sanis von der Ärztin auch erklärt, dass sie ordentlicher arbeiten sollen, denn "sie sind hier ja Fachkräfte und keine Tschuschen". Da musste ich einmal schlucken. Ein ganz schön rauer Umgangston hier in der Steiermark :-((( ... Mir fehlte leider die Courage und Energie, um klare Worte zu finden, dass sie solche Aussagen bitte unterlassen solle. Ich fühlte mich aber zunehmend unwohler im Sani-Revier. Hoffentlich wird's da nicht schlimmer als vorher.

Christian war mittlerweile mit Fanta und einem Energy Drink zurück. Energy Drink ist laut Ärztin ein großes No-go wegen des Koffeins, Fanta ist in Ordnung. Allerdings hängt meine linke Hand am Pulsoxymeter, mein rechter Arm wird infusioniert und wie jetzt im Liegen trinken? Ich werde um etwa 38 Entwicklungsjahre zurückgeworfen und darf aus dem Flascherl das Fanta nuckeln. Das tut gut.

Meine erste Infusion habe ich auch schon ausgezuzelt. Währenddessen unterhalte ich mich mit der Ärztin, was soll ich auch sonst viel machen. Ich erkläre, dass ich heute ohnehin nur auf Sparflamme unterwegs bin, weit weg von meiner Bestleistung und es einfach heiß ist.

Zu meinem Programm seit Sárvár kommt dann plötzlich die Frage, warum man das eigentlich macht und ob ich Depressionen davon laufe. Da war ich baff und sprachlos. Was sagt man da, etwas übermüdet, im sticken Zelt und mit leichten Fiebergefühl Vernünftiges darauf? Ich versuche es sachlich: Irdning ist eine der fünf Stationen des Ultralauf-Cups. Mein Ziel ist, heuer bei allen fünf zu starten, wobei ich nicht alle voll laufe.

Ahja, und ihre Gesundheit? Um die kümmere ich mich ohnehin, deshalb habe ich heute auch nicht voll hingehalten bis zum Äußersten und war auch beim Arzt fürs Blutbild. Aber das zählt nicht. Was sind Sie denn von Beruf? Hm, soll ich jetzt etwas erfinden oder die Wahrheit sagen? Ich bin zu müde zum Erfinden, also Augen zu und durch: "Risikomanager bei einer Bank". Das war der Brüller des Tages ... der Herr Risikomanager, aber das eigene Risiko nicht managen können, brüll-lach-hahahaha. Jaja, danke, reicht schon, sehr lustig.

Und dann legt sie so richtig los: ich solle mal zu einem Sportmediziner gehen, mir Trainingspläne schreiben lassen, weil die gibt's für so etwas, sie kennt sich da aus, sie ist selber Sportärztin, Militärärztin (und noch einiges mehr) ... Wenn sie so viel Verständnis für Sportler hat, dann frage ich mich allerdings, warum sie mir zuerst Depressionen unterstellte.

Wobei Depressionen sicherlich ein ernstes Thema sind und ich für mich auch schon oft meine Motivation zum Laufen hinterfragte und was mich dabei antreibt. Dabei kam ich für mich zum Schluss, dass für mich wohl eher ohne Laufen die Gefahr bestünde depressiv zu werden, weil das eben mein großes, leidenschaftliches Hobby ist, für das ich mich begeistere und wo ich viele liebe Freunde gefunden habe. Nebenbei kann ich durch meine Leidenschaft und die Unterstützung meiner Sponsoren auch immer wieder anderen helfen.

Glücklicherweise macht mich auch mehrheitlich mein Beruf zufrieden, allerdings ist der Sport jener (Leistungs-)Bereich, wo wirklich nur ich selbst über meine Leistung und den Erfolg bestimme - ohne jegliche externe Einflussfaktoren (gegeben die Situation einer im Schnitt 45-Stunden-Arbeitswoche und der daraus möglichen oder nicht möglichen Regenerationsphasen). Außerdem hat mich das Laufen sicherlich zu einem gesünderen Menschen gemacht. Es ist nur schade, dass eine Ärztin einen dann bei einem Ultralauf-Event in eine Schublade steckt, nur weil man einen Sport betreibt, der vielleicht etwas aus der Norm ist, dafür aber auch mit der entsprechenden Vorbereitung verbunden ist und sicherlich nicht als spontane Idee eines Mid-Life-Crislers. Und hätten unsere Vorfahren nie etwas außerhalb der Norm gewagt, würden wir wohl immer noch in Höhlen wohnen ...

Aber soll ich das jetzt mit ihr debattieren? Nein, ich zuzle meine zweite Infusion leer und dann weg von hier. Jetzt wird auch der Blutzucker zum zweiten Mal gemessen, den Ergebniswert kann ich nicht einordnen, aber er dürfte sich nicht so rasch erholen wie erwartet. Ich soll mich aufsetzen. Das mache ich ganz langsam, damit sich der Kreislauf von der langen horizontalen Position in die vertikale anpassen kann. Aufgrund der Wärme im Zelt sehe ich in der Ferne nicht gleich ganz scharf. Dummerweise sage ich das, dass ich mich beim Fokussieren etwas anstrengen muss.

Tja, mehr hatte ich nicht mehr gebraucht. Sofort kommt (teilweise wörtlich, teilweise sinngemäß): Aus jetzt, wir fahren ins Spital. Woher sind Sie? - Wien. - Gut, dann fahren wir nach Rottenmann, da kann Sie ihr Freund morgen bei der Heimreise abholen. - Was??? Nein, also erstens brauch ich sicherlich kein Spital, mir geht's schon besser und über Nacht ist sicherlich auch nicht nötig. - Nein, das Risiko übernehme ich nicht, wir müssen ihren Kaliumspiegel messen, da kann vieles nicht passen, das kann zum Kreislaufversagen führen. - Jetzt dramatisieren Sie aber. Vor zwei Jahren war ich auch bei der Infusion, da ging's mir wesentlich schlechter und da war auch kein Spital notwendig. - War ich da die Ärztin? - Nein (und denke mir, ich hätte jetzt gerne den Arzt von vor zwei Jahren). - Na, sehen Sie, ich übernehme das Risiko nicht.

Also gut, dann fahren wir von mir aus ins Spital, sie lässt sich ohnehin nicht davon abbringen. Aber könnte ich bitte wenigstens noch Geldbörse und Handy haben. – Ja, wenn Ihr Freund schnell macht.

Christian sprintet los um mir Handy und Geldbörse zu holen. Währenddessen werde ich ins Rettungsauto verfrachtet. Übrigens sehr angenehm mit ziemlich ermüdeter Muskulatur fixiert auf der Krankenliege angeschnallt in voller Streckung transportiert zu werden. Glücklicherweise bekam ich keinen Krampf davon. Dann die Frage, ob sie eh mit Blaulicht fahren können, weil dann sind sie schneller wieder zurück. Ja, können sie schon, aber bitte nur so schnell, dass wir heil in Rottenmann ankommen, weil nur wegen der Übervorsicht der Ärztin will ich nicht, dass mir bei einem Unfall noch etwas wirklich Ernsthaftes passiert. Dann wollen sie auch schon losfahren ... haaalt, ich brauche bitte noch Handy und Geldbörse. Und meine Schuhe, die sie mir mittlerweile ausgezogen haben, wären auch noch fein. Nein, die soll Christian dann mitnehmen, die finden sie jetzt nicht :-OOOO.

Christian kommt mit Handy und Geldbörse und los geht die Fahrt nach Rottenmann. Christian soll dann mit dem Auto nachkommen, muss sich aber erst den Weg über die Laufstrecke organisieren. Der Arme: als Exilsteirer mit Wiener Kennzeichen wird er dabei natürlich auch von einigen "verständnisvollen" Läufern angepöbelt. Liebe Leute, so eine Aktion macht keiner freiwillig!

Wieder zurück im Rettungsauto: nach der ersten gröberen Erschütterung bei der Überquerung des Bahnübergangs erbitte ich eine Reduzierung der Geschwindigkeit. Wird gemacht. Die Sanis sind so weit eh sehr nett nur glaube ich auch schon etwas erschöpft von ihrer Chefin.

Mittlerweile sehe ich übrigens trotz verkehrt zur Fahrtrichtung liegend und Kreisverkehren wieder komplett scharf und schwindlig wird mir auch nicht. Also von mir aus könnten wir jetzt wieder zurückfahren :-D

Im Krankenhaus angekommen, möchte ich gerne selbst aussteigen, das ist aber nicht vorgesehen und ich werde mit der Trage bis in den Behandlungsraum gebracht. Da darf ich dann von der Rettungsautoliege runter und gehe gleich mal aufs WC. Die Infusion hat gewirkt, ich bin wieder ordentlich hydriert und fühle mich auch sonst sehr gut. Nach dem WC-Ausflug behende rauf auf den Untersuchungstisch. Das Pflegepersonal und der aufnehmende Arzt schauen auch schon etwas verwundert, was ich denn im Spital mache.

Trotzdem bekomme ich meine dritte Infusion und eine Blutabnahme. Auch meine Anamnese darf ich wieder erzählen (nicht, dass ich das nicht im Sanizelt sowie im Rettungsauto schon zweimal erzählt hätte), aber gut, mittlerweile habe ich die Geschichte gut drauf :-)

Christian hat auch schon das Krankenhaus erreicht - mit meinen Schuhen!

Soweit passt alles, keine neurologischen Ausfälle, nur kühl ist mir noch immer nicht wirklich, weil die Räume alle ungekühlt und warm sind. Währenddessen kommen noch ein oder zwei weitere Fälle aus Irdning – die Ärztin scheint fleißig einliefern zu lassen.

Ich bin dann so weit fertig und warte, dass meine Infusion leer wird ... dann brauchen sie leider den Ambulanzraum und legen mich in ein Krankenzimmer. Puh, da drinnen hat’s mindestens 25 Grad, geschlossene Fenster, stickige Luft und drei ca. 80jährige im Zimmer, die leider eher dahin siechen - kein Wunder, würde mir nach einem Tag in der Luft wohl auch so gehen. Ein vierter ist mobiler und möchte mir gleich seine Krankengeschichte erzählen.

Ich bin übrigens immer noch in meinem Laufgewand, also wohl auch alles andere als wohlduftend. Ich frage daher, ob mein Bett vielleicht auf den etwas kühleren Gang geschoben werden könnte. Geht leider nicht, aber sobald meine Infusion fertig ist, soll ich läuten, dann werde ich abgestöpselt und kann raus.

Endlich ist die Infusion fertig, ich darf mich raussetzen, muss allerdings noch auf den Blutbefund warten. Warten warten warten ... anstatt dass Christian jetzt das große Finale in Irdning erlebt, wo die Stimmung noch einmal so richtig hochkocht, hockt er jetzt hier mit mir im LKH Rottenmann und wir erzählen uns Schwänke aus unserem Leben und ich erfahre auch die Geschichte zum Sonnenbrand: als Christian mir in meiner letzten Kühlpause den erwähnten Eisbeutel bei den Sanis holte, sagte ihm ein Sani beim Weggehen, dass er ziemlich rote Schultern habe, sich einschmieren sollte und er aber ohnehin etwas da hätte. Also liess sich Christian einschmieren und wollte gehen. Das war aber nicht so ohne weiteres möglich, denn das war jetzt ein Versorgungsfall und musste aufgenommen werden. Also die Einsatzstatistik von Irdning würde mich interessieren, wenn da Verarztungen so zustande kamen.

Endlich ist der Blutbefund fertig und zeigt erhöhte Leberwerte – aus meiner Sicht kein Wunder bei der Anstrengung und der Tatsache, dass ich auch seit über 30 Stunden wach bin. Vor Irdning war beim Blutbefund noch alles in Ordnung. Aber der Arzt bietet gleich eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums an. Nein, danke, das bespreche ich dann nächste Woche mit meinem Hausarzt, aber jetzt würde ich gerne gehen, weil ich fühle mich eh schon gut. Naja, aber gehen sie wirklich zum Arzt. Jajaja, mach ich. Schönen Abend noch!

Ah, endlich erlöst. Runter zum Auto von Christian und Rückfahrt nach Irdning. Im Auto dreht Christian die Klimaanlage auf und erstmals seit Stunden ist es endlich kühl. Da kommt Christian und mir gleichzeitig die Erkenntnis: ich hätte mich wohl mit einer Flasche UltraSports Buffer einfach nur 20 Minuten ins klimatisierte Auto setzen müssen und es wäre mir wieder gut gegangen. Naja, auch beim mittlerweile zehnten 24-Stundenlauf wieder etwas Neues für die Checkliste gelernt. Weil in so einer Situation sind dann Läufer und Betreuer doch auch so übermüdet und angespannt, dass man an diese Möglichkeit nicht denkt.

Um knapp vor 20h sind wir dann endlich wieder zurück in Irdning, die Siegerehrung ist in vollem Gange. Wir suchen Carola & Winfried, um uns zurückzumelden. Denn das leere Zelt hatten sie in der Zwischenzeit bemerkt und ich konnte Carola auch kurz aus dem Spital Bescheid geben, allerdings war mein Handyakku schon ziemlich leer gewesen, sodass für Details keine Zeit war.

Christian war leider um die Emotionen der letzten Stunden gebracht worden und hatte nur Hektik am Ende erlebt. Aber das holen wir noch einmal nach und bringen einen 24-Stundenlauf richtig zu Ende, wenn Du Dir das noch einmal mit mir antust, mein Freund!

Auch die Lions Ehrung fällt natürlich aus. Dafür finde ich aber an meinem Campplatz eine Flasche Sekt mit ganz lieben schriftlichen Grüßen! Danke herzlichst!

FAZIT

Nach vier erfolgreichen 24-Stundenläufen mit kontinuierlicher Steigerung war's diesmal mit nur 141,259 Kilometern wieder ein Bauchfleck. Aber einer, den ich wegen des Spaßes, den ich nach 12 Stunden bei meiner dann folgenden 8-stündigen Wanderung hatte, nicht missen möchte. Liebe bekannte und (noch) unbekannte Ultralauffreunde, -betreuer, -fans: ihr macht auch ein Desaster zu einem tollen Erlebnis, an das man gerne zurück denkt! Und tiefster Respekt für alle, die ihr Ding trotz der Bedingungen bis zum Ende durchgezogen haben und ihre Ziele erreichen konnten! Ganz starke Leistung!

Hinsichtlich der Beginnzeit von 19h weiß ich immer noch nicht, ob ich diese gut oder schlecht finde, wahrscheinlich sehe ich es am ehesten neutral an. Einerseits ist man natürlich sehr lange auf und kann vorm Start auch nicht wirklich schlafen. Andererseits habe ich von der Müdigkeit eigentlich nichts gespürt und die Stimmung in der Nacht war um Welten besser als bisher.

Nachteilig war sicherlich, dass es auch am Freitag tagsüber schon sehr warm war. Vor allem, da ich im Wohnmobil anreise und kein kühles Hotelzimmer habe, ist das eher ein Nachteil für mich.

Wenn das Wetter aber nicht so heiß ist, dann halte ich einen Abendbeginn für mich durchaus auch für machbar. Nichtsdestotrotz finde ich 10h oder spätestens 12h Start immer noch optimal.

Die Party-Idee nach dem Lauf war sicherlich gut gemeint und gedacht, entwickelte sich aber nicht so richtig, weil die meisten zu fertig zum Feiern waren. Und den Musikgeschmack sollte man eher dem Zielpublikum (und Alter) der Ultraläufer anpassen - also bitte Cover-Bands mit 70, 80 oder maximal 90er-Jahre-Musik und nicht Disco-Hip-Hop für 19jährige :-), wo jedes Lied gleich klang. Also so ähnlich wie bei den Dire Straits (oder Herbert "Mensch, ach, Mensch" Grönemeyer), nur anderer Stil :-D

Hinsichtlich der Betreuung war's wie immer perfekt und nachdem ich dieses Mal auch klar kommunizierte, dass ich um die 60g Kohlenhydrate in der Stunde brauche, war ich auch nie energetisch unterversorgt. Der Magen spielte auch brav mit.

Und da ich mir mein eigenes Cola mitgebracht hatte, war auch die Labe kein Problem für mich :-P (Insider-Schmäh: in Irdning gibt's ein speziell tolles Cola eines Sponsors, das aber nicht jedermanns Geschmack trifft) ... aber ich bin froh, dass das Cola-Problem nicht nur bei mir eines ist, sondern einige im Läuferfeld betrifft :-D.

Jetzt heißt's regenerieren so gut und rasch es geht, einen Start in Prambachkirchen beim 12-Stundenlauf gut abwägen, ob sinnvoll oder nicht und im Herbst geht es wohl in Richtung Marathon.

Der nächste 24-Stundenlauf steht dann voraussichtlich erst wieder 2016 am Programm, wobei ich übrigens vernommen habe, dass in Sárvár die Strecke neu asphaltiert werden soll, was natürlich ein Traum wäre! Vielleicht spricht das ja auch einige von Euch an und wir starten mit einer großen Gruppe Ösis (und gerne auch mit unserem aller Berliner Lieblingsultrapiefke :-) ) Ende April in Ungarn.

EPILOG

Achja: an mein ärztliches Abenteuer habe ich auch noch eine Woche nachher ein kleines Andenken. Offensichtlich wurde die Einstichstelle der Infusionsnadel nicht ausreichend sterilisiert, wodurch sich eine leichte Venenentzündung entwickelt hat. Nicht weiter schlimm tagsüber, nur nachts, wenn ich mit abgewinkeltem Arm schlafe, beginnt es in der Ellenbeuge zu schmerzen, sodass ich immer wieder aufwache. Aber das klingt hoffentlich auch bald ab.