Sonntag, 3. November 2019

Rundumadum - 130km


Warum erst heuer der Rundumadum, der als Wiener Ultraläufer ja einmal gemacht gehört? Weil der Termin im November bei meist einem Herbstmarathon als Saisonhöhepunkt nicht wirklich reinpasst und mit Rucksack laufen muss man auch - ich hasse mit Rucksack zu laufen! Aber heuer hat mir mein Körper im Sommer klar signalisiert: vergiss das mal mit dem fordernden Training, da spiel' ich nicht mit. Beim Wachaumarathon als Pacer für eine Vereinskollegin hat sich das nochmals bestätigt.

Daher: da kann ich ja die Gelegenheit nutzen und ganz ohne Druck mir den Rundumadum mit seinen 130km und knapp 1.800 Höhenmetern geben. Als wie gesagt bekennender "Mit-Rucksack-Laufen"-Hasser stand allerdings noch die Anschaffung eines solchen Dings an. Mit dem bisher benutzten (ein Tombolagewinn) war das Laufen eine Qual mit Rücken- und Schulterschmerzen und wurde von mir nur "wenn's nicht anders geht" genutzt. Aber irgendwo muss die wenige, aber doch vorgeschriebene Pflichtausrüstung des Rundumadum verstaut werden. Beim Traildog-Shop wurde ich fündig und damit sollte sowohl der Rundumadum machbar sein als auch zukünftig etwaige längere Ultratrainingsläufe abseits der Prater Hauptallee Spaß machen und versorgungstechnisch gesichert sein.

Wirkliche Trainingszeit für den Rundumadum blieb somit aufgrund der kurzfristigen Entscheidung nicht. Die Streckenbesichtigung von der U2-Station Donaustadtbrücke zur Steinspornbrücke, dann Lobau, Gerasdorf, Bisamberg bis zur Neuen Donau (bisschen über 45km) endete ernüchternd - bergab übers Kellergassenpflaster der Krottenhofgasse so richtig schön die Adduktoren zerschossen und dann gerade noch bis zu einem Bus geschleppt. Das kann ja heiter werden, wie soll ich da 130km mit wesentlich mehr Höhenmetern davor (Leopoldsberg, Lainzer Tiergarten) schaffen? Jedenfalls stand fest: die Krottenhofgasse wird beim Lauf bergab gewandert ... und wohl auch noch sonst vieles der Strecke, so wie ich erledigt war.

Dann noch einmal bei einem Long-Jog die Strecke zwischen Gütenbachtor und Liesing belaufen und irgendwann zwischendurch Wienerberg bis Laaerberg. Den Rest sollte ich dann hoffentlich mit GPS-Navigation mittels Uhr und Streckenmarkierung finden bzw. ohnehin kennen.

Am Montag noch ein kurzer Lauf mit dem für Rundumadum gepackten Rucksack. Fazit: der Rucksack muss abspecken, viel zu schwer sind mir die unzähligen Gels, die ich fürs Überleben in der Wildnis verstaut hatte. Also besser leichterer Rucksack und dafür länger an den Labestationen brauchen.

Die Nacht vorm Lauf war kurz mit schlechtem Schlaf, sodass ich um 3h20 direkt froh war, endlich aufstehen zu dürfen. Als Frühstück gab's der Einfachheit halber in der U-Bahn Iso mit Vollkornkeksen und schon war ich im Startgelände. Der GPS-Tracker wurde montiert - und ich hatte ein gutes Exemplar erwischt, kein einziger Ausfall bzw. kein Anruf. Frisch war's, sodass ich schon befürchtete, meine farblich so sorgfältig abgestimmte Kleidungswahl könnte zu optimistisch sein, aber auch das passte beim Lauf dann perfekt.


Und so ging's fast ganz am Ende des Feldes um 5h30 bei tosender Zuschauermenge gemütlich los. Nur nicht zu schnell starten, weil ich konnte nicht wirklich einschätzen, was mich erwarten würde. Die ersten Anstiege rauf zum Leopoldsberg und dann rüber Hameau sowie Lainzertiergarten kannte ich zwar, aber wie das hintereinander und außerdem der Dreihufeisenberg nach knapp 40km wäre ... keine Ahnung. Danach dann noch über 80km ins Ziel, es wird spannend.

(c) www.wien-rundumadum.at
So orientierte ich mich an Martin W. vom ULT Heustadlwasser, der immer ein vernünftiges Anfangstempo wählt. Den Nasenweg rauf zum Leopoldsberg zeigte sich aber klar, wer für den Lauf trainiert hatte und wer nicht. 150m nach Beginn war Martin auch schon nach vorne weg außer Sichtweite. Na gut, hilft nix, die Waden ziehen auch bei meinem - im Vergleich zum Feld um mich herum - gemütlichen Wandertempo. So ging's dann vorsichtig dahin, flach locker laufend, bergauf wandernd. Bergab sehr dosiert, bloß nicht die Oberschenkel beleidigen.


(c) www.wien-rundumadum.at
Dieser Streckenteil im Wienerwald war sehr kurzweilig und nach knapp 2h30 war die erste Labe erreicht. Hier wollte Carola vorbeischauen, leider hatte ich mich mit meiner Zeitschätzung ziemlich vertan und war 50 Minuten (sic!) zu früh dran. So sahen wir uns nicht.

Jetzt kam der mir unbekannte Streckenteil Schottenhof, Steinhof, Dehnepark - eine gute Ablenkung konzentriert dem Weg zu folgen. Nach 32km war der Bahnhof Hütteldorf erreicht, endlich in wirklich bekannter Gegend, jetzt kann ich mich aufs Laufen konzentrieren. Und die Beine waren weiterhin gut, raus nach Auhof plötzlich Kilometerzeiten um die 5:30min/km ... ui, ui, lass' Dir Zeit. Andererseits: so erquickend ist's entlang der Westeinfahrt auch nicht, dass man sich hier Zeit lassen muss.

Am Dreihufeisenberg holte ich Martin wieder ein und gemeinsam ging's zur zweiten Labe bei km47 (ca. 5h20 Laufzeit) beim Gütenbachtor. Iso auffüllen, Gels aus dem Dropbag nachfüllen, ein paar Soletti und weiter. Carola traf ich wieder nicht, da wieder viel zu früh dran.

Nach 53km kurzer Stop bei der Traildog-Labe auf eine Suppe und weiter. Die Beine immer noch extrem kooperativ, weiterhin 5:30min/km wenn's flach war. Für Gel und Trinken gab's immer wieder Gehpausen.

Einsam ging's die Liesing entlang über den Wienerberg zur Per-Albin-Hansson-Siedlung, kurzer Wortwechsel mit Erwin O. und dann war auch schon der Laaerberg erreicht - eines meiner üblichen Trainingsgebiete und Stätte früherer schulischer Laufrunden - wenn der Turnlehrer mal wieder meinte, wenigstens einmal im Jahr "Leichtathletik" wäre interessanter als Fussball spielen :-D. Und auch die dritte Labe bei km72 kam näher - sehr gut, weil ich brauchte schon recht dringend ein WC.

So lief ich dann nach fast 8h Laufzeit in die Labe ein. "Grüß Euch, ich brauch' dringend ein WC, aber könnt ihr mir bitte in der Zwischenzeit meine Flaschen mit Iso auffüllen?" - "Ja klar, WC ums Eck, Iso machen wir." Vielen Dank dem tollen Labe-Personal dafür!

Raus aus der Labe mit noch ordentlich Soletti in der Hand, um essend beim Laufen die Speicher weiter aufzufüllen. Dabei kreuzte eine ärmlich gekleidete Frau, möglicherweise eine Bettlerin, meinen Weg. Sie sprach mich nicht an, doch irgendwie schämte ich mich in dem Moment, was da für uns Läufer alles organisiert wurde, nur damit wir einmal eine Runde durch Wien hirschen können.

So ging es kurz etwas nachdenklich weiter durch Simmering Richtung Lobau ...  die Beine sind immer noch bereit, sub 6:00min/km zu laufen. Freut mich, dass mich mein Körper heute positiv überrascht.

Auf der Donauinsel lief ich dann auf Christoph R. auf und nicht direkt gemeinsam, aber immer +/- 100 Meter entfernt liefen wir durch die Lobau. Nur gemeinsamen Rhythmus brachten wir nicht zusammen.

Nach 86km wurde es dann erstmals richtig mühsam - ein Hungerast kündigte sich an, offenbar doch zu wenig gegessen (oder zu flott gelaufen). Also Tempo raus, Gel rein, Traubenzucker rein und auf die Erholung warten. Da lief Martin wieder von hinten auf mich auf und ich hängte mich an, um die 3 Kilometer bis zur Labe in Begleitung zu absolvieren.

KM 92 (Laufzeit 10h30), nächste Labe. Martin setzte sich jetzt nach vorne ab, weil ich in der Labe länger mit Energievorräte auffüllen beschäftigt war. Ordentlich Cola tanken tat gut. Danach ging's weiter, ich lief wieder auf Christoph auf und dieses Mal schafften wir einen gemeinsamen Rhythmus für zumindest ein paar Kilometer, nach Aspern ließ er mich dann ziehen. So ging's wieder einsam durch die mittlerweile Dunkelheit. Allerdings waren jetzt einige Wanderer von der Halben G'schicht (61km lang, ab der Lobau ident mit der Ganzen G'schicht plus ein Zusatzkringel am Bisamberg) auf der Strecke und so gab's immerhin die eine oder andere Begegnung.

Die Gehphasen wurden immer mehr, die Beine langsam schwer, die unebenen Feldwege im flachen Licht der Stirnlampe teilweise für mich nicht mehr laufbar. Aber auch die vorletzte Labe in Gerasdorf war nach 107km und ca. 12h15 Laufzeit irgendwann erreicht, Martin W. traf ich gerade noch beim Verlassen selbiger, er war weiterhin gut drauf. Einige Zeit ging unmittelbar nach der Labe beim Warten am geschlossenen Bahnschranken drauf - auch egal, nur wurde mir ordentlich kalt. Anlaufen machte es auch nicht wärmer also gleich noch ein kurzer Stopp um die wärmende Regenjacke überzuziehen. Motorisch schon eine kleine Herausforderung. Währenddessen zog Christoph wieder an mir vorbei. Weiter am Marchfeldkanal Richtung Bisamberg, Christoph tauchte vor mir auf, seinem Schein der Stirnlampe kam ich langsam näher. Die letzten Höhenmeter zum Bisamberg ging's wandernd hinauf, Christophs Licht verschwand hinter mir im Dunkel der Nacht. Der Blick aufs nächtlich leuchtende Hagenbrunn war ganz schön, endlich mal Abwechslung zum ewig flachen Dahingetrotte mit Häusern links, Feldern rechts, oder nur Feldern, oder Häusern rechts, Feldern links. Jetzt noch kurz bergab zur allerletzten Labe in Stammersdorf.

Diese lag bei ca. KM 117 (Laufzeit ca. 13h40) direkt an einer kleinen Kreuzung auf einem kleinen Hügelchen - also noch eine zusätzliche Bergwertung um an den letzten Isonachschub zu gelangen. Sind zwar jetzt nur mehr knapp über 12km, aber sicher ist sicher, nochmals einen Liter Iso mitnehmen, weil es könnte ja noch ein Zeiterl dauern bis ins Ziel.

Wie vorgenommen, die Krottenhofgasse am Pflaster jetzt ca. 1km bergabwandernd und am Asphalt wieder langsam mit Laufschlurfen beginnen. Ging halbwegs, die Oberschenkel haben das Pflaster jedenfalls ohne weiteren Schaden überstanden. Wieder ein Stück am Marchfeldkanal entlang zum Ufer der neuen Donau und jetzt geht's dann eigentlich nur mehr geradeaus Richtung Ziel. Ca. 7km noch, eine Zeit unter 16h ist wohl sicher, unter 15h30 könnte sich auch ausgehen. Aber die Beine werden schwerer und schwerer.

Wieder überhole ich Wanderer von der Halben G'schicht, die mich fragen, ob ich die Ganze G'schicht laufe - ja, mach ich. "Wow - Du bist ein Held!" Danke für die Anfeuerung, die tat schon gut! Gleichzeitig denke ich mir, nein, mit Heldentum hat das wirklich nichts zu tun, einfach so für sich 130km zu laufen. Aber für ein Gespräch bin ich zu müde und belasse es beim Denken.

So ging's schnurgerade die Donau entlang, vor mir nichts, hinter mir nichts, der Rhythmus wurde jetzt zu 200m laufen, 100m gehen, mehr war nicht mehr drinnen. KM 127, nur mehr 500m dann geht's endlich von der Donau weg die letzten Meter Richtung Ziel. An der Abzweigung sehe ich Streckenposten stehen und denke mir, wow, tolles Service, dass hier kein müder Läufer die Abzweigung verpasst.

Knapp 50m vor der Abzweigung entpuppen sich die Streckenposten als Carola und ihre Eltern, die mich begrüßen. Die Beine wollen zwar nicht mehr, die Uhr zeigt mir aber, dass sich sub15h20 ausgehen könnten, wenn ich noch ein bisschen laufe. Und 15:1x klingt doch netter als 15:2x, vor allem, wenn nicht so viel mehr Anstrengung dafür nötig ist - doch noch etwas Ehrgeiz vorhanden. Also in Begleitung von Carola noch laufen was geht. Eine letzte Hürde dann der Eingang ins Zielgelände: zwei Stufen sind hinabzusteigen ... auauau. Jetzt nur mehr wenige Meter und dann geht's rein in die Halle und ins Ziel. 15h17 zeigt meine Uhr, Wien ist umlaufen. Ich bin sehr zufrieden und erstaunt, wie unerwartet gut das heute gelaufen ist. Gejubelt hab' ich übrigens am grünen Teppich - davon gibt's nur leider kein Foto ;-)

(c) www.wien-rundumadum.at

Fazit: ein Lauf, der schon einmal gemacht werden musste. Allerdings wird's wohl bei diesem einen Mal und der wunderschönen Erinnerung daran bleiben, denn: so für mich perfekte Bedingungen wie heuer mit Temperatur um die 10°C ohne große Schwankung, kein Wind, kein Regen, kein Gatsch auf der Strecke und auch keinerlei Erwartung hinsichtlich der Zeit wird's so einfach nicht wieder geben - das mit der Erwartung jedenfalls gar nicht. Somit bliebe nur, den Lauf ernsthaft zu priorisieren und dafür zu trainieren. Dafür ist mir dann der Streckenteil ab Liesing mit wenigen Ausnahmen zu monoton, um dafür extra mit Rucksack zwischen Labestationen herumzulaufen. Für Monotonie kann ich gleich meine üblichen Runden bei 6, 12, 24 oder 48-Stundenläufen drehen ... und die schönen Abschnitte habe ich ja eh direkt vor der Haustür für Läufe so zwischendurch.

Montag, 21. Oktober 2019

endgültiges Spendenergebnis von 48h Lauf von Martin Tschiedel | für sowieso! und RaceRunner

Lange hat's gedauert, aber das endgültige Spendenergebnis von 48h Lauf von Martin Tschiedel | für sowieso! und RaceRunner steht nun fest: dank großzügiger Unterstützer*innen, zahlreicher Aufrundungen und der Verdoppelung durch die Macquarie Group können mit den gemeinsam erlaufenen 687 Runden (300 Kilometern) und einem Gesamtbetrag von EUR 18.912,54 sowohl ein neuer RaceRunner als auch das Jahresbudget von sowieso! finanziert werden! Ein unglaublich toller Erfolg!

Bewegende bewegte Bilder der brütend heißen 48 Stunden seht ihr hier ... falls ihr euch übrigens über den leicht blechernen Klang der Musik wundert: am Anfang seht ihr den verwendeten postmodernen Akustikkoppler - ein wahres Kunstwerk ;-)



Montag, 8. Juli 2019

Kurzbericht vom Kurzurlaub in Bad Blumau

Nachdem der 24-Stundenlauf in Irdning nicht mehr veranstaltet wird, hat sich heuer erstmals der MSC Rogner Bad Blumau den "Traditionstermin" am ersten Juli-Wochenende (6./7.7.) geschnappt. Praktischerweise ist der 24-Stundenlauf dann gleich in eine Reihe von Ultra-Veranstaltungen in Bad Blumau eingebunden. Bereits am 5.7. um 8h startete der erste Marathon von "10 Marathons in 10 Tagen". Das wiederholt sich dann täglich bis 14.7. Und wer gerne schwimmt, radfährt und läuft, kann sich heuer von 10.7.-18.7. an einem Doppel-, Dreifach- oder einem Fünffach-Triathlon versuchen.

Das Team vom MSC Rogner Bad Blumau hat also bereits Erfahrung mit Ultrabewerben, dennoch schrieb mir Rennleiter Daniel Strobl im Rahmen einer extrem raschen Anfragebeantwortung, er hoffe sehr, dass sie die 24-Stunden-Veranstaltung gut hinbekommen. Daniel, ja, das habt ihr! Das Team und Du habt den Lauf aus meiner Sicht perfekt organisiert und es gibt damit einen echt tollen 24-Stundenlauf in Österreich. Aus meiner Sicht gehört ihr zur Ultra-Créme de la Créme in Österreich und wer sich beim 100km-Lauf von Angelika & Klemens in Wien oder dem 48h-Lauf in Gols wohl fühlt, sollte jedenfalls nächstes Jahr nach Bad Blumau kommen.

Die Strecke selbst hat Start/Ziel zwischen Tennis- und Sportplatz. Während die "10 Marathons in 10 Tagen"-Läufer danach links auf eine 5km-Runde Richtung Therme abbiegen, ging es für uns 24-Stundenläufer rechts herum zunächst auf Asphalt durch den Ortskern von Bad Blumau. Auch optisch sehr hübsch zum Durchlaufen mit Blumenschmuck links und rechts, einer komplett gesperrten Straße, somit mehr als genug Platz für uns Läufer. Nach ca. 800m der insgesamt 1.181m langen Runde (AIMS vermessen!) ging es dann rechts kurz durch eine Wiese mit Trampelpfad, über eine Holzbrücke drüber und wieder rechts die Einmündung auf einen gut zu laufenden Schotterspazierweg entlang der Safen zurück zu Start/Ziel. Diese knapp 400m waren auch streckentechnisch ident mit der "10 in 10"-Strecke, somit traf man vormittags immer auch die "10 in 10"-Läufer. Die Strecke hat minimale Höhenmeter, aber nie den Laufrhythmus störend - also weder arg steil noch arg abfallend.

Sowohl der Untergrundwechsel als auch der Wechsel von Ort zu Parklandschaft machen die Runde abwechslungsreich und auch für etwas Schatten ist dabei gesorgt, hat aber leider bei dem Wetter auch nicht viel geholfen. So war es bereits beim Start am Samstag, 6.7., um 10h knusprig warm und die Temperaturen stiegen recht bald auf über 30°C. Aber so schnell konnte man gar nicht schauen, hatten die Veranstalter sowohl bei Start/Ziel als auch auf halber Strecke Gartenduschen improvisiert. Eine willkommene Kühlmöglichkeit für viele Läufer. Überhaupt wurde extrem viel Wert auf die Unterstützung der Läufer bei der sportlichen Leistung gelegt. Eine entstandene kleine Stufe vor der erwähnten Holzbrücke wurde binnen weniger Minuten mit Sand und Schotter aufgefüllt und auch ein auftauchendes Loch in der Wiese wurde zunächst mit Hütchen "gesichert", damit sich niemand verstolpert, und war eine Runde später bereits wieder verfüllt. Nicht nur daran hat man gesehen, dass das Team und der ganze Ort wirklich mit Herzblut bei diesen Ultra-Veranstaltungen dabei sind!

Wie es atmosphärisch zu einem 24-Stundenlauf dazugehört, wird natürlich entlang des Schotterwegs und beim Sportplatz von Einzelläufern sowie Staffeln (4er-Team bis Mega (=5-12 Personen)-Staffel) gezeltet, campiert und für gute Stimmung gesorgt. Strom- und Wasserversorgung war ebenfalls vorhanden. Und damit es im Ort nicht zu ruhig wird, gab's auf halber Strecke auch Musikbeschallung - abends von einer Live-Band, ansonsten vom "Band" (ha, wer von euch Lesern kennt noch Tonbänder?).

Da einerseits die Strecke breit genug ist, andererseits auch von den Veranstaltern bei der durchgehenden (sic! 24 Stunden lang! Danke auch da für euren tollen Zuspruch und die Motivation!) Moderation immer wieder das "miteinander" eingestreut wurde, habe ich nie brenzlige Situationen zwischen Einzel- und Staffelläufern, wie man sie von anderen Veranstaltungen her kannte, erlebt. Da sieht man, was mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung alles sehr einfach möglich ist. Sehr nette und effektive Idee übrigens: jeder Teilnehmer konnte einen Steckbrief mit seinen bisherigen Erlebnissen, Zielen und Motto ausfüllen. Das wurde von der Moderation dann mit dem aktuellen Zustand verknüpft und richtete so manchen wieder auf, wenn er an seine Ziele und sein Motto erinnert wurde. Oder verstärkte einfach gute Phasen. Kleiner Aufwand, große Wirkung!

Auch die Labe bot alles, was der Ultraläufermagen gerne hat: Iso, Wasser, Cola, alkoholfreies Bier, Bananen, Wassermelone, Apfel, Schnitten, Kuchen, Suppe, Nudeln, Kartoffeln, Gels, ... Die Suppe übrigens auch perfekt temperiert - etwas was ich ganz besonders schätze, wenn man sich nicht gleich die Lippen verbrennt oder mal 5 Minuten mit der Suppe in der Hand marschiert bis sie genussfähig ist. Da merkt man halt auch, dass der Veranstalter aus der Sicht der Läufer denkt und handelt. 

(c) Wolfgang
Gollowitsch,
Gigasport
Fürstenfeld
Running Team
Und wie war der Lauf selbst jetzt für mich? Nur vier Wochen nach meinem 48-Stunden-Benefizlauf (Bericht in Arbeit) und eine Woche vor der 100km-Meisterschaft in Prambachkirchen waren meine Ziele, die Veranstaltung kennen zu lernen, Spaß beim gemeinsamen Laufen mit Freunden zu haben und das Wochenende als Kurzurlaub zu genießen. Wenn dann viele Kilometer resultieren, fein, wenn nicht, auch egal. Einfach ohne Druck dahinwackeln. Wie gesagt war's schon beim Start - für mich - viel zu warm. Also ganz konservativ und seeeehr langsam anfangen. Retrospektiv war es wohl für meinen momentanen körperlichen Zustand und die noch nicht vollständige Erholung vom 48er, dennoch zu schnell. In der Hitze von über 30°C waren nach 6 Stunden gerade mal 51 und ein bisschen was Kilometer erreicht, aber dafür gab's viele nette und wertvolle Unterhaltungen mit den Mitläufern. Auch ein paar Anregungen für andere Laufabenteuer waren dabei ;-) So ging es gemütlich dahin und nach 12 Stunden waren 96 Kilometer erreicht - puh, das könnte in Prambachkirchen knapp werden mit dem Zeitlimit von 12 Stunden für die 100 Kilometer. Allerdings machte die Hitze allen zu schaffen und ich rückte langsam im Feld nach vorne und fand mich nun gemeinsam mit Mario laufend auf Platz 3 vor. Jede Runde machten wir uns den Spaß, dass bei Start/Ziel der andere von uns knapp vorne ist, damit auch die Moderation ein bisschen Spannung hat, wer denn gerade auf Platz 3 ist ;-). So ging's durch die heiße Nacht. Ein leichter Regen sorgte leider auch nicht für Abkühlung, weil die Tropfen sofort am Boden verdampften und für noch mehr Schwüle sorgten. Nach 12,5 Stunden schlug das Wetter dann aber binnen dreier Minuten komplett um und mit einem starken Gewitter fegten heftige Orkanböen über die Laufstrecke - viele Zelte der Läufer hielten dem Wind leider nicht stand und auch im Ort ging der aufgeblasene Werbebogen zu Boden. Nur wenige Unentwegte blieben auf der Strecke - ich gehörte nicht dazu, sondern verzog mich ins Wohnmobil um das Unwetter abzuwarten. Das war dann nach einer Stunde in etwa vorbei, also ging's wieder zurück auf die Strecke. Offenbar hatte ich aber doch etwas zu viel Sonne abbekommen, denn erstmals drehte es mir bei einem Lauf den Magen um und ich entledigte mich - gefühlt - der in den letzten drei Stunden zugeführten Nahrung. Das war jetzt etwas vom Ziel "Spaß haben" entfernt, also gab ich dem Körper - auch in Hinblick auf Prambachkirchen - nach, ging um 1 Uhr mal Duschen und dann ins Bett. Schlafen konnte ich nicht wirklich, aber dösen war jedenfalls irgendwie einladender als der gestellte Wecker um 4 Uhr und 5 Uhr, aber um 6 Uhr kletterte ich dann doch wieder raus und stapfte die Strecke entlang. Der Magen gab Ruhe und genoss das Frühstück: Suppe mit Salzkartoffeln - herrlich! So ging's mal laufend mal gehend in Richtung Finale um 10 Uhr. Eine Stunde vor Schluss setzte ich mir dann doch ein Kilometerziel von 130, also begann das Rechnen, wie ich denn die Zeit nun bestmöglich nutze, um a) die 130km zu schaffen, b) nicht allzuweit vom Wohnmobil bei Start/Ziel zu enden und c) vielleicht auch gleich Sitzgelegenheit und Essen zu haben. Die Lösung: Ende bei der Labestation! Und so war es dann auch: nach 111 Runden - :-D fällt mir jetzt gerade erst auf - und 131,1km ging es auf Platz 7 liegend um 9h58 das letzte Mal über die Zeitmessmatte und dann ganz gemütlich noch die restlichen 120 Meter bis zur Labe. Mit Bier und Salzkartoffeln wartete ich zufrieden auf die Restmetervermessung.

Mit 131,22km eine meiner geringsten Kilometerleistungen bei einem 24-Stundenlauf, aber dafür einer der schönsten und für den Kopf erholsamsten Läufe. So muss Ultralaufen und eine Ultralaufveranstaltung sein!


Anmerkung der Redaktion: der Autor hat sich das Nenngeld selbst gezahlt, keine persönliche Verbindung zum Veranstalter und erhält auch keine Gegenleistung für diesen Bericht - er ist einfach nur sehr begeistert von dieser Veranstaltung!

Montag, 10. Juni 2019

48 Stunden - es ist geschafft!

Vorläufiges Endergebnis (Rundenprotokolle werden nochmals kontrolliert): RaceRunning Austria und Martin erlaufen gemeinsam 687 Runden auf der Laufbahn des LAZ Wien - das sind 300,72 Kilometer und mehr als EUR 15,000 an Spenden nach Verdoppelung.

Wir freuen uns riesig, sind aber auch entsprechend müde von den 48 Stunden ... mehr Details daher erst in den nächsten Tagen.

Danke an alle, die dabei waren und uns unterstützt haben!

Samstag, 8. Juni 2019

Sonntag, 19. Mai 2019

Gemeinsam mehr bewegen!

In 3 Wochen starten wir am Pfingst-Samstag um 12 Uhr los beim 48-Stundenlauf für sowieso! und RaceRunning Austria. 21 Spendenzusagen gibt es schon, aber wir benötigen noch mehr Unterstützung um die sowieso! Workshops weiterhin finanzieren zu können und auch mehr RaceRunning Austria-Athlet*innen das Training auf RaceRunnern zu ermöglichen.

Daher gebt Euch doch bitte einen Ruck, schaut auf

>>>> https://martin24h.jimdo.com <<<<

vorbei und bringt mit Eurer Spende (die von meinem Arbeitgeber Macquarie verdoppelt wird) ganz viel Lächeln und Freude in diese Welt!

Ich danke Euch von ganzem Herzen für Eure Hilfe und informiert doch auch Eure Freund*innen, Familien, Arbeitskolleg*innen über unsere Benefizaktion!


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