Montag, 19. Oktober 2015

6-Stundenlauf Steyr

Und dann war da Anfang Oktober noch was ...

Steyr, endlich die letzte Station des Ultralaufcups 2015. Im Winter 2014/2015 erschien es mir noch überaus reizvoll, doch 2015 als ein Ziel (neben dem 24-Stundenlauf in Sárvár) eine Teilnahme an allen 5 Bewerben zu schaffen. Gewarnt von so manchem Ultralauffreund, dass dieses Vorhaben ziemlich an die Substanz gehen könnte, war klar, dass nicht jeder Lauf voll gelaufen werden wird. Retrospektiv war diese Idee des „Nicht-Voll-Laufens“ keine so glorreiche, denn mein größenwahnsinniges Hirn kam sodann auf die Idee, die Reserven doch noch für ein paar Ultras außerhalb des Cups zu nutzen. Womit letztlich mehr oder weniger dasselbe raus kam, wie alle Stationen im Cup voll zu laufen.

Jedenfalls: von Station #1, den 6h in Lassee (68,82km), habe ich bereits berichtet.

Nach Sárvár lief ich dann außerhalb vom Cup Mitte Mai die 6h in Gols (68,53km) und am 7.6. noch die 6h von Sri-Chinmoy in Wien (66,22km). Ebenfalls verewigt in hier im Blog und im Prolog des 24-Stundenberichts von Irdning (hier zu finden).

Dann kam gleich der herausfordernde Cup-Dreier-Pack:

13.6. Station #2: der 100er in Wien (in 10h28). Kurzbericht im bereits angeführten Prolog. Drei Wochen später ...

3.7. Station #3: die heißen 24-Stunden in Irdning (141,26km – Bericht oben verlinkt). Zwei Wochen später ...

18.7. Station #4: die Hitzeschlacht bei der Premiere der 12h von Prambachkirchen (Bericht im vorvorhergehenden Blog-Eintrag) mit schweißtreibenden 103,159km.

Danach war ich dann ziemlich platt und eventuelle ambitionierte Ultrapläne für den Herbst wurden gestrichen, da mir die Motivation für lange Trainingsläufe abhanden gekommen war. Die neue Parole lautete ab nun „nur“ ein Marathon im Herbst, Frankfurt wird es werden.

Der Rest des Juli und der Anfang vom August dienten als Übergangsphase, um wieder in die nötigen Geschwindigkeitsbereiche für den Marathon vorzustoßen und mit Ende August, genauer dem Kärnten Halbmarathon als ersten Tempodauerlauf im angestrebten Marathontempo, startete dann der von 8 auf 9 Wochen gestreckte Greif-Countdown, da eine Woche mit der Betreuung von Carola bei der 100km-WM in Winschoten wohl weniger Training zulassen würde.

Und die langen Läufe werden statt 35km so in Richtung 40 bis 45km gehen, um hoffentlich hinten raus das nötige Stehvermögen am Marathon zu haben. Und außerdem, und damit zurück zum eigentlichen Thema dieses Blog-Eintrags, wird’s bei der letzten Station des Ultralaufcups bei den 6h von Steyr am 3.10. sowieso hoffentlich noch ein Stückchen weiter gehen.

Vom Münster-Marathon Anfang September - ein echt schöner Lauf mit toller Atmosphäre - ist mittlerweile auch berichtet. Genutzt habe ich ihn für 36km „Einlaufen“ und dann 6,2km Endbeschleunigung, um nach 3h12 im Ziel zu sein. So schnell war ein Trainingsmarathon bei mir auch schon lange nicht mehr.

Aber ich schweife schon wieder ab. Also: Steyr. Nach den ersten vier Stationen war ich mittlerweile der letzte Verbliebene, der noch alle 5 Läufe mit zumindest 50 Punkten finishen konnte. Nötige Leistungen dafür: in 6h mindestens 43,50km; beim 100km-Lauf zumindest 75km innerhalb des Zeitlimits von 12h; beim 24h-Lauf mindestens 132,50km und im 12h-Lauf zumindest 75km.

Klingt alles nicht so heftig, aber bei den Wetterbedingungen heuer (Hitzewelle von Wien bis Prambachkirchen) sowie dem terminlichen Dreierpack war’s dann offensichtlich eine ziemliche Herausforderung. So gab es zwar einige weitere Läufer, die alle 5 Bewerbe starteten, aber dann in Irdning oder Prambachkirchen die Mindestdistanz nicht schafften. Wobei ich in Irdning auch Glück hatte, denn in Irdning dachte ich gar nicht ans 50-Punkte-Limit und die 132,50km.

Für Steyr reichten also 43,50km oder 32 Runden um den Ultralauf-Cup zu finishen. Mitten im Marathontraining sollte aber hoffentlich, wenn auch nicht wirklich sinnvoll im Lichte der klassischen Trainingslehre, mehr möglich sein und vielleicht könnte ich ja endlich eine der Trainingsleistungen auch in einem offiziellen 6h-Bewerb umsetzen. Denn 60km lief ich beispielsweise 2014 schon in einer kombinierten Trainingseinheit aus 18km Einlaufen plus anschließendem Mailand-Marathon in unter 5 Stunden. Da sollten doch endlich mit noch einer Stunde länger laufen die 70km knackbar sein.

Die Woche vor Steyr waren noch zwei Greifsche Quality-Einheiten am Programm. Montags 15km Tempodauerlauf im Marathontempo: damit es nicht so fad ist von mir zusätzlich gewürzt mit immer abwechselnd 2km Marathon-Tempo und 0,5km 18 Sekunden pro Kilometer flotter. Dienstag nur lockere 10km zum Beine auslockern. Tja, das war der Plan. Allerdings fand an diesem Tag auch der Vienna Night Run statt und ich dachte mir, da lauf ich am Gehsteig so ein bisschen nebenher und schaue mir das Spektakel an. Offenbar motiviert mich allerdings nicht nur das Tragen einer Startnummer, sondern allein schon der Anblick von Leuten mit Startnummer. Jedenfalls wurde es dann mehr oder weniger ein 5km-Tempolauf. Mittwoch dann – Überraschung! - schwere Beine, also die 3x3km von Papa Greif etwas schaumgebremster vom Tempo her, aber pulsmäßig im richtigen (=anstrengenden) Bereich.

Aber die Vorfreude auf Steyr stieg und stieg. Die Temperaturen zwar wieder etwas wärmer prognostiziert, aber kein Vergleich zu den letzten drei Hitzeschlachten des Cups und auch der Wind sollte sich in Grenzen halten. Dazu hoffentlich gute Stimmung im kleinen aber feinen Läuferfeld der 85 Starter. Eigentlich war für den Samstag laut Greif 12km Endbeschleunigung im Marathontempo am Programm, aber nach 5h Laufzeit würde das wohl zu ambitioniert sein – vor allem, weil der eigentliche Herbsthöhepunkt ja noch kommen soll und ich nicht nach Steyr massiv regenerationsbedürftig sein wollte. Daher wandelte ich die Endbeschleunigung gedanklich in ein „die letzte Stunde noch etwas schneller rennen wenn möglich, aber nicht komplett ans Limit gehen“ um.

Bisher war Steyr übrigens immer ein 100er Mitte September, der aber heuer aufgrund der Terminkollision mit der 100km-WM in Winschoten eben auf Anfang Oktober verlegt und wegen der Lichtverhältnisse (nicht lange genug hell fürs 12h-Zeitlimit) auf 6h „gekürzt“ wurde. Wie auch immer, es war mein erstes Antreten in Steyr, entsprechend kannte ich auch die Verhältnisse vor Ort nicht und so reisten Carola, die mich betreuen würde, und ich bereits Freitag abend mit dem Wohnmobil an, um keinen Stress zu haben. Der Lauf selbst findet eigentlich nicht in Steyr statt sondern in der Industriezone „Stadtgut Steyr“. Entsprechend viel los war bei unserer Ankunft Freitag abend – nämlich genau nix. Aber eh gut: praktischen Stellplatz direkt an der Strecke beziehen und dann ab ins Bett. Müde genug waren wir von der Arbeitswoche ohnehin.

In der Früh dann unkompliziert die Startnummer und das prall gefüllte Startersackerl holen. Alles sehr gemütlich und familiär. Da ein Gespräch, dort ein Gespräch. Alle gemeinsam für viele Kilometer. Nur die Strecke jetzt so bei Tageslicht bereitete mir leichte Sorgen. Weil so richtig richtig flach war die Geschichte nicht. Um den Kreisverkehr bei Start/Ziel ging es doch einigermaßen rauf und dann auch wieder runter und auch die Gerade auf der Wendestrecke hinaus war leicht wellig. Nicht viel, aber im Laufe der Zeit könnte es sich bemerkbar machen.

Mürrisch vorm Start
(c) www.6h-steyr.at
Knapp vorm Start packte mich dann plötzlich die Nervosität und ich wollte im letzten Moment noch meinen schon ziemlich ausgeleierten Startnummerngurt gegen einen neueren tauschen. Der neuere fühlte sich aber auch nicht gut an, also die Aktion wieder retour. Bei dem ganzen war ich – als Carola mir ihre Hilfe anbot – auch noch ziemlich gereizt. Kein guter Einstieg in den Lauftag. Und so sehr ich mich auf den Lauf gefreut hatte, so richtig kam ich nicht in den Lauf rein. Die Stimmung war anfangs auch ziemlich verhalten. Bis auf die wenigen Betreuer (bei 6h ziehen das die meisten – bis auf Weicheier wie mich ;-) – ohne Betreuung durch) war nix los an der Strecke und auch im Läuferfeld hatte ich etwas Pech.

Da rennt der Schmäh ...
(c) www.6h-steyr.at
Vorne ging wie immer auf den ersten Runden die Post ab, auch wenn dieses Mal etwas langsamer als sonst, da die meisten die lange Saison (oder die 100er-WM vor drei Wochen) spürten. Ich selbst wollte solange als möglich die ersten 5 Stunden zwischen 5:00-5:09min/km laufen und dann eben „so schnell wie noch geht“. Mit diesem Tempo lag ich dann in der Anfangsphase konstant so 200-400m hinter den Führungsgrüppchen, wo die Unterhaltungen stattfanden, und wiederum auch einige Meter vor den Gruppen hinter mir. So zog ich recht einsam nur mit meiner Musik im Ohr meine Runden, was meiner Stimmung jetzt auch nicht Auftrieb gab, dass die anderen gemeinsam in netter Gesellschaft liefen und ich krebste da für mich allein herum. Aber eine Tempospritze Richtung nach vorne wäre trainingstechnisch jetzt auch nicht sinnvoll gewesen.

... und da renn' ich und versuche
gute Miene zu machen.
(c) Pascal Poindl & Renate Barta
Außerdem waren die Beine auch alles andere als locker. Es fühlte sich einfach nicht so nach einem gemütlichen Trainingslauf an. So kamen auch wieder Gedanken an die 6h von Schwechat letztes Jahr auf, wo ich mich letztlich übernommen hatte und mein Immunsystem wenige Tage nach dem Lauf mit einer Gürtelrose im Gesicht rebellierte. Überanstrengte ich mich gerade wieder? Ist der Lauf jetzt wirklich sinnvoll in Hinblick auf den Frankfurt-Marathon? Naja, zumindest 32 Runden und 43,50km muss ich irgendwie laufen, damit ich meine 50 Cup-Punkte bekomme. Also weiter. Und vielleicht ist ja heute doch irgendwie der Tag der 70 Kilometer.

Zum Drüberstreuen öffnete sich dann auch noch der Verschluss meines Pulsgurts. Noch nie passiert, aber einmal muss das erste Mal sein - aber warum gerade heute?!?! Bisserl herumwurschteln, für Stehenbleiben bin ich zu hektisch, keine wertvollen Sekunden für den Schmarrn verbrauchen. So versuche ich irgendwie den Pulsgurt mit dem Oberarm festzuklemmen, damit er nicht ganz runterrutscht, bei Start/Ziel auch noch die Zwischenzeit zu nehmen und dabei das Tempo zu halten. Muss recht lustig ausgesehen haben, wie mich da "leicht" verkrampft fortbewegte. Letztendlich hat sich der Pulsgurt aber als zäher Gegner erwiesen und ich konnte ihn doch nur mittels einiger Gehschritte richten. Hätten wir das auch erledigt und eines ist klar: beim Marathon wird ohne Pulsgurt gelaufen, dort brauch' ich dann so ein Intermezzo keinesfalls.

Auch wenn es sich nicht so gut anfühlte, so zeigte meine Uhr doch, dass ich Rundenzeiten im Schnitt von etwa 5:00min/km absolvierte, also recht klar in Richtung der 70km unterwegs war. Aber gut, so war ich schon öfters angelaufen und irgendwann kam dann der Einbruch und die Zeit respektive Kilometer waren ganz rasch weg. So auch dieses Mal: knapp nach dem Marathon in 3h30, genauer, am Weg zur Absolvierung des Mindestziels von 32 Runden und dem Erreichen der 43,50km wollte mein Körper recht schlagartig nicht mehr und die Rundenzeiten fielen auf über 6:00min/km zurück. Rückblickend hat da wohl vor allem der Kopf eine entscheidende Rolle gespielt - kann ich den vielleicht während eines Laufs mal irgendwo abgeben? Würde sowohl Gewicht als auch blödsinnige Gedanken sparen :-)

Auch Schmerzen setzten ein: die ganze rechte Seite von der Hüfte abwärts zog herum und fühlte sich entzündet an. War ich Distanzen jenseits der 50km nicht mehr gewöhnt, nachdem ich seit Prambachkirchen nicht mehr länger als 45km unterwegs war? Und riskierte ich gerade nachhaltig eine Verletzung, die mir das weitere Training und den Start in Frankfurt unmöglich machen würde? Naja, abwarten und weiter laufen. So schlimm ist es auch nicht, außerdem wurde ich jetzt laufend von den anderen Ultraläufer_innen aufgefangen und zum Laufen animiert – vielen Dank Euch allen für die Unterstützung! So fing ich mich langsam wieder, die Rennuhr näherte sich kontinuierlich der 5-Stundenmarke, also eh nimma lang und bald Zeit für die Art Endbeschleunigung – haha, wollen tät ich ja, aber kann ich auch?

Wenigstens die Rundendurchschnittszeit seit Beginn war immer noch bei 7:02 Minuten (=5:08min/km) also genau auf dem benötigten Schnitt um die 70km-Marke zu erreichen. Nur: 7:02er-Runden lief ich jetzt schon seit längerer Zeit keine mehr. Egal, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also: letztes Gel (von vieren insgesamt) schnabuliert, das unzähligste Iso getrunken und Ingwer zum Beruhigen des Magens und Durchputzens des Hirns. Und auf geht’s in die letzten 60 Minuten. Netterweise kam da – in einem verrückten Rennen, bei dem die Führung mehrmals wechselte und einige ihrem hohen Anfangstempo oder der Vorbelastung (100km-WM-Winschoten) leider Tribut zollen mussten – der mittlerweile führende Klemens H. von hinten herangelaufen. Die Motivation nehme ich gerne an und schaue, wie lange ich mich da anhängen kann. Klemens freute sich auch über Begleitung und Unterhaltung – naja, er sprach, ich keuchte. Aber das Tempo ging und auch die Schmerzen waren plötzlich wieder weg oder ich einfach zu sehr mit koordinativen Aufgaben (linker Fuß nach vor, rechter Fuß nach vor, Achtung Kurve, Achtung Läufer vor mir) beschäftigt. Bei der Labestation ließ es Klemens leider etwas langsamer angehen und so war ich wieder alleine. Egal, dann machen wir jetzt virtuelles Pacing und ich versuchte, meinen „Vorsprung“ (mit einigen Runden Rückstand) Klemens gegenüber zu halten. Das lief ganz gut und ich merkte auch, dass ich nun kontinuierlich Plätze im Feld gut machte, was natürlich auch motivierte.

Kämpfen!
(c) Renate Barta & Pascal Poindl
Nach einigen „flotten“ Runden, eh nur knapp unter 4:40min/km aber relativ zum Feld fühlte es sich nach Fliegen an, ging dann der Puls doch einigermaßen hoch und auch Carola warnte mich, nicht zu überziehen.

Das muss sich heute ausgehen!
(c) Renate Barta & Pascal Poindl

Schließlich waren noch fast 40 Minuten auf der Uhr. 51 Runden und 200 Meter musste ich schaffen für die 70km. 46 Runden hatte ich schon. Also 5 Runden und 200 Meter in 39 Minuten. Für 200 Meter brauche ich in etwa eine Minute, also 5 Runden in 38 Minuten, ergibt Rundenzeiten von fast 8 Minuten um die 70er-Marke endlich zu knacken. Das muss doch schaffbar sein, allerdings: ein Krampf, ein Tief und es kann ganz schnell vorbei sein.

Endlich gut drauf!
(c) www.6h-steyr.at
Also mäßigte ich mich wieder auf Rundenzeiten um die 7 Minuten. Trotzdem überholte ich weiterhin. Noch 3 Runden, noch zwei Runden, nur noch eine Runde. Carola rief mir nun zu, wenn ich könnte, sollte ich noch Gas geben was geht, weil vor mir wäre es recht knapp mit den Plätzen. Ich glaubte ihr das zwar nicht, hatte aber den Überblick mittlerweile verloren, also tat ich was ich konnte.

5 Minuten vor Schluss war es dann so weit. 51 Runden waren geschafft, 200 Meter noch und der 70er ist Realität. Jetzt noch schauen, was ich in den 5 Minuten noch draufpacken kann auf die 70km. Naja, richtiger Sprint wurde es keiner mehr (nicht kaputt machen für Frankfurt!), aber immerhin kam ich noch bis km 70,957.

Knapp vor mir kam Norbert L. zu stehen, der als Dritter anmoderiert wurde und im ersten Moment dachte ich mir: verdammt, hat Carola ihn gemeint mit „knapp vor mir“ und hatte ich es um 50 Meter nicht geschafft? Allerdings vergaß ich da, dass ich eine Runde hinter Norbert lag und sich dazwischen auch noch Andreas M. befand. Aber immerhin auf den 5. Gesamtrang konnte ich in einem verrückten Rennen dank der Tempoforcierung in der letzten Stunde noch vorstoßen. Die nachstehende Grafik versucht im Halbstundentakt den Rennverlauf darzustellen. Der Übersichtlichkeit halber sind nur jene Leistungen dargestellt, die jeweils 80% oder mehr der Kilometerleistung des zum entsprechenden Zeitpunkt Führenden entsprechen. In Klammer die Platzierungen. Meinen Rennverlauf habe ich mit der etwas dickeren Linie hervorgehoben ;-)


Nach vielen vergeblichen Versuchen, in denen ich es wie beispielsweise in Schwechat letztes Jahr gezielt auf den 70er angelegt hatte (und scheiterte), klappte es nun endlich "so aus dem Training heraus".

Den Ultralaufcup konnte ich sowohl in der Altersklasse als auch gesamt hinter den heuer "großen Drei im Cup" Reinhard B., Didi K. und Hubert M. auf dem vierten Gesamtrang beenden.

Siegerehrung Alterklasse
(c) www.6h-steyr.at
Alterklassenplatz 2 gab's dann im 6-Stundenlauf auch noch.

Und jetzt bin ich gespannt, was Frankfurt Ende Oktober im Marathon noch als Draufgabe des heurigen Laufjahres bringt. Zwei neue Bestleistungen (6h, 24h) habe ich schon, sind aller guten Dinge vielleicht gar drei?

Steyr selbst ist als Veranstaltung super und lässt keine Läuferwünsche offen (die „wellige“ Strecke war dann eh nicht so schlimm)  – naja, gut, ein bisschen mehr Publikum wäre fein! Aber die Organisatoren versuchen dafür über Moderation und auch Musik im hinteren Streckenteil für Motivation und Stimmung zu sorgen, so gut es eben möglich ist.

Die tollsten Aspekte zum Schluss: in Steyr wurde bei diesem 6h-Lauf vom 82-jährigen (sic!) Luxemburger Josy Simon mit 53,95km eine neue Weltbestleistung in der Masters 80-Klasse aufgestellt - Chapeau und da hätte ich dann ein Langfristziel!

Ebenfalls Weltklasse waren die Nudeln im Ziel und dass auch nach dem Duschen immer noch etwas davon da war. Bei den Gedanken an die Zielnudeln bekomm' ich übrigens Hunger, beende daher mein Geschreibsel und geh' was essen :-)

Sonntag, 18. Oktober 2015

Aufarbeitung der letzten Trainingsmonate, Teil 2 - der Münster Marathon ...

Nach Teil 1 mit Prambachkirchen Mitte Juli befinden wir uns nun schon im ersten September-Wochenende, an dem am 6.9. der Münster-Marathon stattfand.

Nachdem Carola schon länger in Österreich als Botschafterin des Münster-Marathons ("MüMa") wirkt und immer wieder die Werbetrommel für eine zahlreiche Teilnahme von "Ösis" in Münster rührt, wollten wir uns heuer den Marathon auch richtig vor Ort ansehen. Aufgrund der Funktion von Carola als Botschafterin des MüMa sowie starke österreichische Marathon-Läuferin entfielen für mich die Hotelkosten.

Und eine Veranstaltung, die unter dem Motto "Wir leben laufen" stattfindet, klingt schon sehr sehr vielversprechend und für mich gut geeignet, den ersten langen Lauf mit Endbeschleunigung des Greif-Countdowns zu absolvieren.

Da es leider keine Direktverbindungen (und auch keine sinnvollen Anschlussflüge) mehr zum Flughafen Münster/Osnabrück gibt, reisten wir freitags über den Flughafen Düsseldorf an und dann per Taxi weiter nach Münster. Die Anreise war ziemlich zäh, da ab Freitag mittag die ganze Region um Düsseldorf und Dortmund (Münster liegt etwas nördlich von Dortmund) im Stau steht. Aber irgendwann kamen wir dann doch im Hotel H4 in Münster an.
Münster selbst ist eine nette, überschaubare Stadt, das Hotel liegt direkt im Altstadtzentrum und in einer Fußgeherzone. Also alle Sehenswürdigkeiten in Gehreichweite und auch zum Start des Marathons am Sonntag nur ca. 1km, vom Ziel dann überhaupt nur wenige hundert Meter zurück ins Hotel. Das Hotel selbst auch sehr angenehm mit großzügigen Zimmern.

Am Samstag machten wir Tourismusprogramm und klapperten die Sehenswürdigkeiten von Münster ab. Dabei stießen wir auch immer wieder auf die "blaue Linie", die die Streckenführung des morgigen Marathons markierte. Dabei fragte ich mich, wie sich in der Altstadt wohl das Läuferfeld verteilen würde, da die Straßen doch recht schmal sind und auch nicht überall Halteverbote für Fahrzeuge aufgestellt waren. Teilweise umkurvte die "blaue Linie" auch parkende Fahrzeuge :-). Erschwerend erschien mir auch noch der Kopfsteinpflasterbelag. Aber nicht zu viel Nachdenken, das wird schon alles klappen - ich verlasse mich auf die deutsche Gründlichkeit.

Sonntag früh zeitig um 6h30 früh aufstehen, um genügend Zeit fürs Frühstück und Munterwerden bis zum Start um 9h zu haben. Danach rüberlaufen vom Hotel zum Start - wie gesagt, gerade ein Kilometer, und am Weg dorthin Wetter und Temperatur testen und beim Start die Lage checken. Alles sehr überschaubar und gut organisiert, die Zugänge zu den Startblöcken deutlich sichtbar. Temperaturmäßig war's gefühlt ziemlich frisch (vor allem nach der sommerlichen Hitze der letzten Wochen) und es wehte ein etwas kühler Wind. Die Wolkendecke war auch nicht leicht zu deuten. Würde es aufreißen, sonnig und wärmer werden oder käme doch Regen während des Marathons? Hm, schwierig, schwierig die Kleidungswahl. Aber gerade in so einem Fall ist die Logistik mit einem Hotel einen Kilometer vom Start entfernt wirklich perfekt! Daher kann ich aber auch nichts über die Kleiderabgabe berichten, denn die benötigte ich nicht.

Schließlich entschied ich mich für kurze Hose, kurzärmliges Shirt (aber nicht das dünnst mögliche), Kappe (gegen Regen oder Sonneneinstrahlung), Sonnenbrille (hilft auch gegen den Wind) und dünne Handschuhe (halten warm, aber stören nicht, wenn's etwas wärmer wird). Sicherheitshalber auch noch ein Gel eingesteckt, falls mir die Verpflegung an der Strecke nicht zusagen würde und so ging es dann wieder entspannt laufend vom Hotel zum Start. Dort noch ein paar Steigerer um die Beine munter zu machen - wobei: soll doch nur ein Trainingslauf werden mit 36km in ca. 5:00min/km und dann die letzten 6,2km im Ende Oktober angestrebten Marathontempo. Eine Trainingseinheit, die mir in der Vergangenheit nie leicht gefallen ist. Aber mit Startnummer geht's sicherlich besser.

Jedenfalls, ab nun mit mir in den Startblock, wo übrigens auch kontrolliert wird, ob man sich richtig gemäß der Startnummer einordnet. Alles sehr angenehm, kein Gedränge und aus den Gesprächen bekomme ich auch mit, dass die Leute tatsächlich alle im richtigen Bereich stehen (also nicht 4-Stundenläufer umbedingt in der ersten Reihe stehen wie bei manch anderer Veranstaltung). Hilfreich dabei auch die offiziellen Pacer ("deutschdeutsch" so schön als Zug- bzw. Bremsläufer bezeichnet) mit ihren Luftballons, die das Feld auch gut sortierten. Besonderheit in Münster übrigens: es gibt nicht nur Pacer für 3:00, 3:15, 3:30, usw. sondern auch einen Pacer für 2:30!

Vor Start noch ein paar Ansprachen und vor allem motivierende Songs zum Start um 9h hin. Auch meine Beine beginnen jetzt doch das Marathon-Kribbeln zu spüren. Liegt auch an den vielen erwartungsvollen Marathonis um mich herum für die das heute ihr Laufhighlight des Jahres wird. Nun wird es kurz ruhiger, der Countdown der letzten Sekunden beginnt und auf geht die Reise durch und um Münster herum.

Der Start auch ganz ruhig, kein Slalomlaufen, das Feld bewegt sich gleichmäßig los. Ja, das hat schon was, wenn jeder in seinem richtigen Tempobereich steht. Nach dem Start geht's noch dazu auch gleich eine mehrspurige, sehr breite Straße entlang, wo das Feld auch gut Gelegenheit hat sich aufzufächern. Weiters stören keine Staffelläufer, da diese erst 15 Minuten später losstarten werden.

Neben mir unterhält sich ein Laufpäarchen wobei sie meint: "ganz schön frisch heute". Ich kann es mir nicht verkneifen und rufe rüber, "wird uns schon noch warm werden heute!". Ja, das halten sie auch für wahrscheinlich.

Der erste Kilometer führt zunächst leicht bergab ans Ufer des Aasee, einem künstlichen Gewässer mit Flaniermeile drumherum, aber immerhin so groß, dass auch mehrere Segelboote locker nebeneinander Platz haben und somit auch fleißig gesegelt wird. Beim heutigen Wind sind's dafür auch optimale Verhältnisse. Naja, für uns Läufer könnte das noch hart werden.

Vorm Aasee biegen wir aber wieder nach links ab Richtung Innenstadt und dann recht verwinkelt durch die Innenstadt, wo wir nun auf die gestern schon gesehenen Pflastersteinpassagen treffen. Mittlerweile ist das Feld aber schon langgezogen genug, sodass man gut am Randstein laufen kann, der deutlich ebener ist als die Fahrbahnmitte.

Plötzlich taucht auch Carola, die weiter vorne gestartet war, vor mir auf. Es scheint heute gar nicht ihr Tag zu sein, eine Verletzung ist wieder akut geworden. Kurze Unterhaltung, sie wird wohl beim Hotel, das knapp nach km9 direkt an der Strecke liegt, aufhören und möchte noch von mir wissen, wann ich denn etwa im Ziel sein werde. Hm, gute Frage nach nicht einmal drei Kilometern. Naja, ich schätze mal 3h20 bis 3h25, sicherlich unter 3h30, allerdings bin ich in der Euphorie der ersten Kilometer derzeit eher Richtung 3h10 unterwegs. Aber gut, da kommen ja noch ein paar Höhenmeter und ich sollte eh schauen langsamer zu werden. Genau das gleiche hinsichtlich der 3h10 denkt sich ein Mitläufer und ruft mir zu: "na, für nur 3h20 bist aber ziemlich flott unterwegs". Jo, eh, die blöde zusätzliche Motivation der Startnummer selbst beim Trainingslauf. Kann er verstehen und findet es unfair, dass er sich so anstrengt und andere nur einen Trainingslauf in dem Tempo machen.

So gelangen wir dann auch schon bei der Promenade an, einem Fuß- und Radweg rund um die Münsteraner Altstadt. Mehr übrigens ein Radweg, denn Münster ist die Hauptstadt der Radfahrer. Die meisten legen ihre Wege wirklich nur per Rad zurück, wobei man außerhalb des Marathons aber etwas aufpassen muss, denn Radfahrer haben hier prinzipiell gegenüber alles und jedem Vorrang :-). Nachdem aber auch die Radbeherrschung passt, gibt's keine kniffligen Situationen. Nördlich der Altstadt geht's im Wesentlichen in einem großen Rechtsbogen rum bis man wieder bei der Promenade ankommt und nach 6,5km nun das hintere Läuferfeld sowie die Staffeln beobachten kann.

Nun erkunden wir einen weiteren Teil der Promenade, gespickt mit einer kleinen Unterführung, wo von der Brücke darüber schon mächtig Stimmung gemacht wird. Apropos Stimmung: bis jetzt gab's keine 200 Meter, wo nicht vom Straßenrand aus das Läuferfeld angefeuert worden wäre. Also von wegen kühle Norddeutsche. Das ist hier heute ein Volksfest. Nach der anfänglichen Übermotivation bin ich mittlerweile etwas vom Gas gegangen, sodass mich das Läuferpäarchen vom Start - übrigens unaufhörlich plaudernd - einholt, mich erkennt und mir mitteilt, dass "ihr" nun warm ist. So locker wie die beiden drauf sind, denke ich, dass das für sie auch nur ein Vorbereitungslauf für etwas Längeres ist - die beiden schauen auch irgendwie Marke Ultraläufer aus ;-). Aber nein, sie nehmen den Marathon schon ernst und hinten raus wird es sicherlich hart werden, 3h30 ist ihr Ziel. aber so lange es gut läuft, machen sie halt. Bis km15 hat das gute Gefühl angehalten und sie waren knapp hinter mir, dann dürfte es zäh geworden sein und ich habe sie leider im weiteren Verlauf nicht mehr gesehen. Aber noch sind wir nicht so weit.

Nun geht's nämlich nochmals rein in die Altstadt, durch die Fußgängerzone und am Hotel vorbei in Richtung Ziel, bis zu dem es aber noch etwas dauert, nämlich 32 Kilometer. Von dort auf schon bekanntem Weg, aber nun in die andere Richtung wieder zum Ufer des Aasees. Die Strecke dreht sich also ganz schön und gibt dem Orientierungssinn ein paar Aufgaben mit auf den Weg. Aber zeittechnisch alles perfekt gelöst, niemand läuft uns entgegen und die Organisation ist so sicherlich auch leichter, da nur einige zentrale Straßen gesperrt werden müssen.

Die Umrundungg des halben Aasees steht nun am Programm und wenn man einen See in der Mitte queren muss, dann ... ja, dann muss man über eine Brücke! Schöner Blick auf die in ziemlicher Schräglage gegen den Wind aufkreuzenden Segelboote, weniger schön, dass auch wir Läufer uns gegen den Wind stemmen mussten. Das kann ja weiter draußen, wo es laut Streckenplan durch eher ländliche Gebiete zu gehen scheint, noch heiter werden.

Aber die Brücke war bald überwunden und wir wieder im windgeschützten Stadtbereich, wo es nun immer leicht ansteigend Richtung Gievenbeck und Nienberge ging. Falls doch jemand diese Orte nicht kennen sollte: also es ging einfach Richtung Nordwesten :-) durch kleine Vororte von Münster. Hier zog dann auch plötzlich ein Nieselschauer durch - gut, dass ich meine Kappe hatte. Für die Sonne hätte ich sie nämlich im Hotel lassen können. Nun wurde es wirklich sehr rasch ländlich mit Feldern links und rechts der Strecke. Und auch entsprechend windig. Einige Läufer bekamen nun so ihre Probleme und ich versuchte, ihnen so gut als möglich beim Vorbeilaufen Windschatten zu bieten. Bei einem 2-Meter-Mann war ich da aber wenig erfolgreich, lustig war das Bild aber alle Mal.

Bei km20 wartete eine Autobahnüberquerung mit einem ziemlichen Anstieg auf uns, aber dann war auch schon der Halbmarathon geschafft. Das war insofern nett, als wir jetzt Nienberge erreicht hatten und damit durch Siedlungsgebiet liefen. Die letzten zwei Kilometer mit links und rechts nur Felder war mäßig spannend und hierher hatten sich ausnahmsweise wirklich kaum Zuschauer verirrt. Aber in Nienberge war wieder ordentlich was los, denn die Einfamilienhäuser hatten alle Garageneinfahrten oder kleine Vorgärten und da war Marathongucken und -anfeuern angesagt. Kinder an der Strecke wollten abklatschen - da bin ich normalerweise ja sehr vorsichtig, weil manches Mal abklatschen mit "dagegen schlagen" verwechselt wird. Aber die Kinder hier waren Vollprofis: rücksichtsvolles Abklatschen war angesagt. Na, da mache ich gerne mit. An einigen Stellen waren auch private Labestationen eingerichtet. Nienberge lebte heute Marathonlaufen!

Aber irgendwie musste man nun von Nienberge südwärts nach Roxel, einem östlichen Vorort von Münster, und da hatte die Raumplanung wieder viele, viele Felder vorgesehen. Der Wind hatte auch nicht nachgelassen, aber wenigstens waren die übermannshohen Maisfelder noch nicht abgeerntet, das bot doch einigermaßen Schutz vor dem Wind. Die Einwohner von Nienberge und Roxel schienen auch zu wissen, dass hier von km24 bis km30 ein kritischer Streckenteil für die Läufer sein könnte und so haben sich viele in die Pampa aufgemacht und während es immer wieder links und rechts ging, tauchten plötzlich unvermutet Stimmungspunkte auf, wo getrommelt, gesungen oder "einfach nur" angefeuert wurde.

In einem Gegenwindstück lief ich auch auf einen nur minimal langsameren Läufer auf und bot an, dass wir uns doch auf dem nächsten Stück abwechselnd Windschatten bieten könnten. Ja, können wir gerne versuchen, allerdings ist er gerade ein bisschen platt und versucht sich zu erholen. Na, komm, das machen wir schon. So kamen wir auch ein wenig ins Plaudern (ich freute mich über die Abwechslung, schließlich tickten bei mir im Kopf auch langsam die Kilometer runter bis km36, wo die harte Endbeschleunigung beginnen würde, und mal an was anderes denken als die Furcht davor tat gut). Er hatte heuer im Frühjahr seinen ersten Ultra gefinished - also eigentlich Ultratrail, denn es handelte sich um die Harzquerung über 51km mit 1200Hm. Natürlich - wie er mir berichtete - ein ganz anderes Laufen als das heute hier auf der Straße. Eigentlich hatte er dann noch einen zweiten Ultra heuer am Plan, kam aber nicht so recht zum Trainieren, wollte aber doch noch etwas laufen und da er in Münster studiert hatte, ja, warum nicht mal den Münster-Marathon laufen. Unter 3h15 wäre sein Optimalziel gewesen, aber über 3h20 freut er sich auch und unter 3h30 müsste auf jeden Fall gehen. Also so wie wir beide jetzt gerade gemeinsam unterwegs sind, können sich die 3h15 noch ausgehen, die 3h20 ziemlich sicher.

Etwas später ließ er leider abreißen um sein Tempo zu laufen. So war dann bald Roxel erreicht und auch hier wieder das gleiche Bild wie in Nienberge - Roxel war Marathon! Allerdings verbrachten wir nur zwei Kilometer in Roxel, dann ging es wieder raus über eine Autobahnbrücke. Vom Brückenscheitel aus konnte ich nun etwa geschätzte 200m vor mir die Pacer-Gruppe für 3h15 erkennen. Hm, würde ich die heute noch einholen? Wir werden sehen.

Jetzt hatten wir jedenfalls wieder Gievenbeck erreicht wo es von Piraten verteilt an einer Labestation das "beste Wasser der Welt" gab. Achja, die Stimmung an der Strecke ist übrigens auch deshalb so gut, weil es unter den Fangruppen einen Wettbewerb gibt, wer den besten Stimmungspunkt an der Strecke hat. Daher werden alle Talente aufgeboten, wie Verkleidungen, Musikgruppen, artistische Künste (Stelzengehen), etc. Eine tolle Abwechslung für uns Läufer.

Auch in Gievenbeck wieder viele Häuser mit feiernden und anfeuernden Zuschauern. Und auch wieder ein Stimmungspunkt, wo einem Engel Flügel verliehen ... und zwar nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich hatte die Gruppe kleine, ca. 5-10cm große, selbsthaftende Flügel gebastelt, die nun den Vorbeilaufenden auf den Rücken geklebt wurden. Eine nette Idee und nachdem wir mittlerweile bei km34,5 waren, konnte ich das gut brauchen. Nur mehr 1,5km bis zum Beginn der gefürchteten Endbeschleunigung. Die Engel haben dann übrigens auch die Fanwertung gewonnen!

Laut Streckenprofil hatte ich im Kopf, dass es ab km36 nur mehr leicht bergab ins Ziel ginge. Nun ja, da war die Streckenprofilgrafik doch etwas geglättet. In Summe ging es schon bergab, aber dazwischen immer wieder auch leicht wellig hoch. Also nicht nur zum Rollen, sondern auch zum Kämpfen. Aber egal, Trainingsplan nun durchziehen und so schnell laufen wie möglich. Kurz nach Beginn der Endbeschleunigung hatte ich die Gruppe um den 3:15-Pacer nun erreicht und auch sogleich hinter mir gelassen. Hm, das wird dann heute ja sogar eine ganz nette Zeit. Dazu kam noch die Euphorie, trotz 36 Kilometern, die mit 4:37min/km deutlich unter meiner Vorgabe von 5:00min/km lagen, dennoch das erhoffte Endbeschleunigungstempo zu schaffen. Das viele Grundlagentraining für die Ultraläufe dürfte doch auch für den Marathon etwas bringen. So spulte ich die nächsten Kilometer ab. Das Spalier der Zuschauer wurde nun dichter und entsprechend lauter wurde es auch. Man konnte das Ziel schon förmlich riechen.

Bei km41, wieder am Ufer des Aasees, wo man nun zum dritten Mal am heutigen Tage vorbei kam, nochmals ein riesiger Stimmungspunkt mit Bühne und mittlerweile mächtig viel Publikum. Rein in die Aegidistraße, die abgesperrt war wie die letzten Kilometer einer Radetappe. Entlang frenetisches Publikum. Ich rief einem Mitläufer, der sichtlich kämpfte, zu, "komm', nur mehr 800m, nicht einmal mehr vier Minuten, beiß' durch", was er auch tat. Kurz später war ich etwas verwirrt, denn wir liefen ja nun die gleiche Straße wie knapp nach dem Start, wo wir dann nach links abgebogen waren. Und mit den vielen Kreiseln hatte ich nun auch ein wenig die Orientierung verloren. Vorne am Ende der Straße wieder nach links oder nach rechts? Vor mir kein Läufer, daher sah ich auch niemanden nach links oder rechts verschwinden. Auch die Streckenpostin, die ich vorne bei der Kreuzung erspähte, ließ mich im Dunkeln. Gefühlsmäßig hätte ich ja gesagt nach rechts, aber die blaue Linie tendierte nach links. Also hielt ich mich mal in der Mitte der Straße, da kann nix schief gehen. Nun ja, bei der Kreuzung war's dann klar - nach links kann ich schon laufen, aber da würde mich das Spalier der Zuschauer aufhalten, nach rechts ist der korrekte Weg. Und die blaue Linie? Die ist vom Beginn des Marathons, nach rechts geht's nun nämlich auf das Kopfsteinpflaster hin zum Prinzipalmarkt. Und da scheint man - ich vermute wegen der Reinigung - keine blaue Linie auftragen zu dürfen. Ein paar Meter verschenkte ich, aber eh wurscht. Das Kopfsteinpflaster war jetzt allerdings unangenehm, da es sich nicht um großflächiges Pflaster, sondern um so 10x10-15x15cm-Pflaster handelte. Auch durchs Verwittern leicht abgerundet. Man musste seine Schritte also genau setzen und die Fußmuskulatur bekam nochmals einiges zu arbeiten. Das mochte meine Fußmuskulatur so gar nicht und wehrte sich links mit leichten Anzeichen eines Fußsohlenkrampfes. Glücklicherweise wurde das Pflaster dann bald wieder etwas kleinformatiger, wodurch man den Fuß wieder besser aufsetzen konnte. Bei km42 nochmals an einer Bühne vorbei, wo ich dann auch persönlich mit Namen anmoderiert wurde - sehr nette Sache. Nun noch die letzten 200 Meter die Stimmung genießen und dann war ich auch schon nach 3:12:08 im Ziel.

So wie der ganze Lauf perfekt organisiert war - mein eingestecktes Gel blieb in der Tasche, da Bananen und Iso an den Laben mehr als ausreichend waren - so war auch das Zielgelände toll. Mehr als genug Platz, Bänke zum Hinsetzen, und Köstlichkeiten von Regenerationsmüsli über Obst hin zu alkoholfreiem Bier. Auch eine Wärmefolie gab's.

Die Temperaturen waren aber doch noch immer nicht sonderlich hoch - das kam dann erst im Laufe des Nachmittags -, sodass ich mich dann bald auf ins Hotel machte, das wie schon erwähnt auch ganz nah beim Ziel war.

Fazit: mit meinem Trainingslauf bin ich sehr zufrieden, Endbeschleunigung erfolgreich umgesetzt und den Münster-Marathon kann ich nur empfehlen. Streckenmäßig ist es sicherlich nicht die schnellste Strecke der Welt - dafür sind es zuviele Höhenmeter (laut meiner Messung 142). Auch das Pflaster teilweise in der Stadt ist anstrengend und verhindert zum Schluss einen lockeren Endspurt - und auch die Dichte im Feld mit nur 74 LäuferInnen unter 3 Stunden und 138 unter 3h12 (ich war #139 :-) ) ist eher gering. ABER ... dafür wird es dann um die 3h30 deutlich dichter. Von der Organisation und Stimmung her ist alles perfekt und auch das Flair von Münster hat einiges zu bieten. Es war jedenfalls ein tolles Erlebnis und dem Motto "Wir leben laufen" ist das Team um den MüMa mehr als gerecht geworden!

Und nachdem (bewegte) Bilder mehr sagen, als meine mehr als 3.000 Wörter in diesem Bericht ...

Offizielles Video vom 14. Münster Marathon
und
aus Läufersicht von Daniel Pugge (nicht von der Tonspur am Anfang abhalten lassen, das Video ist dann wirklich gut).

Samstag, 17. Oktober 2015

Prambachkirchen 12-Stundenlauf

Mit etwas Verspätung, aber nun ist er endlich fertig, der Bericht des 12h-Laufs aus Prambachkirchen am 18.7.2015 ...

Also: 12h-Lauf-Prambachkirchen, Station Nummer 4 von insgesamt 5 des Österreichischen Ultralauf-Cups und nur zwei Wochen nach Irdning. Eigentlich hatte ich die Hitzeschlacht von Irdning ganz gut überstanden und mich auch halbwegs erholt. Jetzt aber schon wieder 12 Stunden bei hohen Temperaturen im Kreis rennen ist eigentlich nicht wirklich sinnvoll. Natürlich gäbe es die Möglichkeit, statt des 12-Stundenlaufs nur den 6-Stundenlauf zu machen, der ebenso als Cup-Bewerb zählen würde. Aber für mich wäre das nicht richtig: ich sag‘ ja auch nicht bei einem Halbmarathon in der Stadt XY, wo’s auch einen Marathon gibt, dass ich dann den Marathon gefinished habe.

schattiger Parkplatz
Und außerdem: für mein Ziel, alle fünf Cup-Bewerbe (in der jeweils längsten angebotenen Ausprägung) zu finishen brauche ich „nur“ 75km in 12h zu schaffen. Das sollte wohl möglich sein und danach könnte ich für den restlichen Tag ins Freibad direkt an der Strecke gehen. Also am Freitag vormittag dem aufgeheizten Wien mit dem Wohnmobil entfliehen, in der Hoffnung, dass es in Prambachkirchen etwas kühler wäre. Naja, die Hoffnung traf nicht wirklich zu. Aber wenigstens ein schöner Schattenplatz am Parkplatz des Kolmguts erwartete mich. Von dort waren es sowohl zu Start/Ziel als auch zur Labe der Einzelläufer jeweils nur ca. 100m – also ideal morgen dann für Carola, die erst im Laufe des Vormittags mit Heinz S., der im 6h-Lauf startet, nachkommen und mich dann betreuen würde, um etwaigen Nachschub vom Parkplatz zu holen und an die Strecke zu bringen.Während ich im Schatten die Zeit mit lesen verbrachte, schaute auch auf eine nette Plauderei Sir HJR in Begleitung von Stürmchen und Captain vorbei, der sein Lager beim Bahnhof oben aufgeschlagen hatte.

Gegen Abend hin holte ich mir meine Startnummer und drehte auch gehend eine Runde, um die 1.458m lange Strecke kennenzulernen. Relativ flach und durchgehend asphaltiert hatte der Ultralaufreferent des ÖLV in einer Aussendung die Veranstalterinformationen weitergegeben. Asphaltiert war korrekt, aber relativ zeigte sich wieder einmal als ein ziemlich dehnbarer Begriff und so ging’s da schon ganz schön rauf und runter, absoluter Bestzeitenkurs ist es definitiv keiner. Beim Laufen erwies es sich dann aber doch als recht rhythmisch.

Luxuslabe
(c) www.12hprambachkirchen.com
Halbwegs früh versuchte ich schlafen zu gehen, bei der Hitze war aber schlafen auch eher mühsam. Um 5h dann raus aus den Federn um beim Start um 6h30 munter zu sein. Angenehmer Nebeneffekt: um 5h war’s sogar richtig angenehm von den Temperaturen her. Tisch und Verpflegung herrichten für die ersten 4 Stunden bis Carola die Betreuung übernehmen würde. Viel brauchte ich heute eh nicht, ich wollte ja nur die 75km schaffen. Und außerdem gab’s eine Luxuslabe für die Einzelläufer betreut von der erfahrenen und erfolgreichen Ultraläuferin Regina S., die natürlich genau wusste, was Läufer brauchen.

(c) Family des Pseudoläufers
http://pseudolaeufer.jimdo.com/
Vorm Start wie immer Begrüßung der üblichen Verdächtigen, kollektives Jammern über die Hitze von Irdning zuletzt und "Vorfreude" auf die heute ebenfalls noch zu erwartenden Temperaturen. Aber um 6h30 beim Start war’s eigentlich recht fein. Entspannter Start und ich trabte gemütlich los mit dem Plan so in etwa um die 5:30-6:00min/km zu laufen. Immer schön defensiv, den Körper nur nicht neuerlich überfordern.

Dumbo läuft
(c) www.12hprambachkirchen.com

Um jedenfalls anfangs genug zu trinken und hoffentlich weniger Probleme mit der Hitze zu bekommen, hatte ich mir diesmal auch einen strikten Trinkplan abhängig von den Rundenzeiten erstellt. Für mich unbedingt nötig, wenn ich niemanden mit habe, der jede Runde meine Flüssigkeitsaufnahme protokolliert, weil sonst wird’s erfahrungsgemäß zu wenig Flüssigkeit. Das klappte auch hervorragend, jede zweite Runde trinken, immer abwechselnd mein eigenes Iso und dann von der Labe, damit’s geschmacklich mehr Abwechslung gibt. Dazu zirka jede Stunde ein Gel. So lief ich vor mich hin.

Nach knapp über vier Stunden hatte ich den Marathon geschafft und damit war klar, die 75km werden kein Problem, denn die noch nötigen 33km in 8 Stunden könnte ich jetzt auch einfach nur mehr spazieren. Somit war die Motivation zu laufen etwas weg und auch die Temperaturen stiegen nun um 10h30 rasant an. Bisher hatten uns die Hecken und Hausmauern des „Stadtkurses“ einiges an Schatten gespendet und für relativ (wie wir wissen ein dehnbarer Begriff) kühle Temperaturen gesorgt. Doch jetzt stand die Sonne doch schon ziemlich hoch und es begann zu kochen. Vor allem in einem Eck, rauf zum Bahnhof, lag die Sonne so richtig drinnen. Dazu noch ein relativ knackiger Anstieg, dort wurde es richtig hart.

Aber egal, einfach mal weiter. Immer ordentlich kühlen, trinken, und langsam weiter. Und wenn ich 75km hab‘, geh ich baden. Das erzählte ich glaub ich so ziemlich jedem im Laufe des Tages. Apropos Kühlung: dafür war unter anderem ein Wasserschaffel bei der Labe vorgesehen, welches allerdings am Boden stand. Anfangs noch kein Problem mit dem Runterbücken, aber im Laufe der Zeit eine immer größer werdende Herausforderung. Also bat ich die Veranstalter, ob sie das Wasser nicht irgendwo auf einen Sockel stellen könnten. Und so wie die gesamte Veranstaltung mit extrem viel Leidenschaft und Engagement organisiert wurde: in der nächsten Runde stand das Wasserschaffel schon auf einem Tisch und man konnte sich ganz bequem kühlen. Also ganz dickes Lob nicht nur für dieses Detail an das Team von Prambachkirchen: immerhin war’s die erste Auflage und ihr habt das ganz toll hinbekommen, besser als so manche Veranstalter, die das zum x-ten Mal machen. Es hat wirklich an nichts gefehlt beim Lauf – okay, ein Sonnensegel über ganz Prambachkirchen vielleicht :-D.

(c) www.12hprambachkirchen.com
Pitschnass ging es so immer wieder auf die Runde, nur um wenige 100 Meter eh wieder trocken zu sein durch die Hitze. Aber gegen die Hitze waren auch alle 500m Gartenduschen an der Strecke aufgestellt, die für kühlenden Sprühnebel sorgten ohne einen komplett zu durchnässen – ausgesprochen angenehm.

Wie schon gesagt, immer schön vorsichtig und defensiv dahin, mit aber immer mehr Gehanteilen. Nach etwa 7h30 hatte dann der Darm ähnlich wie in Wien beim 100er wieder genug von der Hitze und forderte Aufmerksamkeit für sich ein. Na gut, soll sein. Danach ging’s dann sogar etwas besser weiter, irgendwann war ich wieder am Fuße des Bahnhofshügels angelangt, lief in den Anstieg hinein und dachte mir, so, jetzt wieder wie in den Runden zuvor ab in den Gehmodus und langsam den Hügel hinauf. Da hörte ich plötzlich ein „Super Martin!“, drehte mich um und sah Alexandra S. an der Strecke zuschauend entlang gehen. Hm, gut, wenn ich so angefeuert werde, dann kann ich nicht zu gehen beginnen, also weiter den Hügel rauf laufen. Und siehe da, es fühlte sich gar nicht so schlecht an, geht/läuft da doch noch was? Danke für diesen mentalen Tritt in den Allerwertesten.

Die 75 Mindestkilometer waren übrigens auch mittlerweile geschafft, ich könnte also Baden gehen. Aber nein, jetzt bin ich schon so weit gekommen, jetzt tu‘ ich auch noch weiter ;-) Außerdem hat mir Michael N. während des Laufs verraten, dass wir nur drei Starter in der Altersklasse M-30 sind, d.h. ein Podiumsplatz war mir gewiss und damit eine Teilnahme an der Siegerehrung. Und nein, mit 75km will ich nicht auf die Bühne klettern, da soll schon ein bisserl mehr in der Ergebnisliste stehen und wenn geht dann auch nicht Platz 3 von 3. Mein Ehrgeiz war geweckt – danke Michael!

Nach 9 Stunden wurde es mir jetzt aber dann doch etwas zu heiß und ich überlegte mir, wie ich den Körper richtig schön kühlen konnte. Und so erinnerte ich mich an meine - bisher dann aber nie umgesetzte - Idee von Irdning 2010: um der Hitze zu entgehen, ab in den Supermarkt an der Strecke, der ist garantiert gekühlt!

es ist zäh
(c) www.12hprambachkirchen.com
Gesagt getan – an der Kassa wunderte man sich zwar ein wenig, warum ich denn so am Packtisch lehnte und wollte schon Hilfe holen. Ich konnte aber überzeugend kundtun, dass ich mich nur kurz von der Hitze erhole und es mir ansonsten ohnehin gut ginge. Nach fünf Minuten wollte der Körper dann wieder weiter und freiwillig raus in die Hitze. Außerdem sollte nun ohnehin wieder der Schatten der Hecken und Häuser zurückkehren und damit die Temperaturen nicht mehr so drückend sein.

So war es dann auch. Die Klobesuche blieben allerdings leider weiter alle 1,5 Stunden am Programm – lästig und zeitraubend. Aber heute auch wiederum egal – ich habe ohnehin kein bestimmtes Ziel, Platz zwei der Altersklasse sollte mittlerweile abgesichert sein und ganz sowenige Kilometer waren es auch nicht mehr.

Über 10h30 waren mittlerweile vergangen, da rauschte wieder der Zweitplatzierte Didi K. an mir vorbei, auf der Jagd nach Platz 1 (was sich letztlich leider dann doch nicht ausging). Kurz hängte ich mich an, das Tempo war mir allerdings zu hoch. Aber mit ein bisschen Zurückhaltung konnte ich doch wieder etwas schneller laufen als die Runden zuvor. Hm, vielleicht doch noch versuchen, die 100km zu erreichen? Wäre doch eine schöne runde Zahl. Nachdem ich keine Ziele vor dem Lauf hatte, hatte ich mir auch nicht überlegt, wieviele Runden denn der 100er wären. So halbwegs kam ich im Kopf zwar auf 10 Runden sind 15km abzüglich 42 Meter pro Runde, also minus zirka 400 Meter. 70 Runden wären dann also 105km minus 2800 Meter. Hm, dann müssten 69 Runden der 100er sein. Wirklich sicher war ich mir aber ob meiner Rechenkünste im gekochten Hirn nicht, also rief ich dem Ultraläufer und - für diese Aufgabe aber viel wichtiger - Mathematik-Lehrer Reinhard B., der in einer Staffel eine Trainingseinheit für die 100km-WM in Winschoten absolviert hatte und nun nur mehr an der Strecke stand, zu, mir doch bitte auszurechnen, wieviele Runden der 100er sind. Er bestätigte mir dann eine Runde später die 69 nötigen Runden. Wunderbar, 62 hatte ich schon, Rundenzeiten von unter 10 Minuten momentan und noch 1h20 Zeit. Das sollte sich doch locker ausgehen.

Ein paar Runden später war nochmals der Darm angesagt. Aber das war’s jetzt bitte dann. Jedenfalls gibt’s jetzt weder Essen noch Trinken für die restlichen 40 Minuten, weil sonst wird das doch nix mehr mit dem 100er. Mit dieser Strategie ging’s dann und jetzt, wo das Ende nah war, lief es flotter und flotter – also relativ (wurde schon erwähnt, dass relativ dehnbar ist?) gesehen flog ich nun dahin. Absolut gesehen war es gerade mal progressiv von über 6:00min/km kommend auf im Laufe der letzten Runden knapp über 5:00min/km.

Eau-Rouge von Prambachkirchen
(c) www.12hprambachkirchen.com
Die Stimmung war am Höhepunkt. Genau diese Stimmung gegen Ende, wo alle zu feiern beginnen und es bald geschafft ist ... in Irdning blieb mir dies „dank“ des blöden Krankenaufenthalts verwehrt. Dafür genoss ich es nun in vollen Zügen, quasi mein Ersatzerlebnis für Irdning. Exakt fünf Minuten vor Ende nochmals über die Start/Ziel-Matte, diese 70. Runde war meine bisher schnellste des ganzen Tages in 4:44min/km, der 100er war klar geschafft. Jetzt noch fünf Minuten voll hin halten was der Körper her gibt. Einmal noch durch die Eau-Rouge von Prambachkirchen fliegen, dann 90 Grad links abbiegen runter Richtung Bahn, nochmals 90 Grad links und den Heartbreak-Hill zum Bahnhof rauf und jetzt geht’s nur mehr geradeaus dahin, an der Labe ohne Stopp vorbei und Richtung Kurve zum Freibad. Soweit ging’s dann nicht mehr, aber 1,1km konnte ich in den letzten 5 Minuten noch drauflegen (=4:33min/km) und schließlich mit 103,159km finishen. Mein dritter und bisher somit schwächster reiner 12-Stundenlauf der Ultrakarriere (Bestleistung 2012 in Vogau mit 115,5km; ebenfalls 2012 in München 107,94km; seitdem kein reiner 12er mehr). Tja, das Muster scheint sich diese Saison seit der 24h-Bestleistung in Sárvár durchzuziehen: Worst-Ever 6h-Leistung, Worst-Ever 12h-Leistung – wenig Regeneration bei gleichzeitigem Vielstartertum und gute Leistungen korrelieren bei mir wohl nicht positiv, war aber eigentlich auch nicht anders zu erwarten, auch wenn man ab und an auf Wunder hofft ;-)


(c) www.12hprambachkirchen.com
Aber irgendwie war ich trotzdem zufrieden – die 100km doch übertroffen, mein Ziel von 75km sowieso deutlich und den Körper nicht überfordert. Wieder einen Cup-Lauf gefinished mit über 50 Punkten, fehlt also nur mehr der 6h-Lauf in Steyr Anfang Oktober, wo ich 43,50km Mindestleistung brauchen werden – also ein Marathon in 6h, das muss gehen, wenn ich nicht verletzt bin. Als Belohnung gab’s für die Leistung hier in Prambachkirchen auch noch einen zweiten Platz in der Altersklasse und statt eines Pokals einen originellen und schönen Linolschnitt auf einer bemalten Alu-Dibond-Platte.

Der Ausflug nach Prambachkirchen hat also wirklich Spaß gemacht und hoffentlich etabliert sich der Prambachkirchner Ultralauftag als ähnlich traditionelle Veranstaltung wie es der Lauf im benachbarten Grieskirchen für viele Jahre war – die Basis ist jedenfalls gelegt und der österreichischen Ultralaufszene würde es gut tun, da 12-Stundenläufe in Österreich ohnehin eine Mangelerscheinung sind.