Sonntag, 12. Juli 2015

Spaß in der Hitze - der Bericht vom 24-Stundenlauf in Irdning

PROLOG

10 Wochen nach dem 24-Stundenlauf in Sárvár steht also mit Irdning der nächste 24er am Programm. Ähnlich wie letztes Jahr, aber diesmal ohne erholsamem Urlaub dazwischen. Training hatte ich auch kein Richtiges geplant, aber da ich, wie gesagt, die 10 Wochen in Wien weilte, war genug Potenzial für Schnapsideen und Teilnahmen an Läufen möglich. Wobei: auch wieder ähnlich zu 2014, aber ohne Urlaubserholung.

Von Gols habe ich schon berichtet, dort lief es ja bis auf die Didi-Intervalle, die zerstörerisch wirkten, nicht so schlecht. Am Mittwoch darauf stand dann die Laufmeisterschaft der Wiener Geld- und Kreditinstitute ("Bankenlauf") am Programm. 9,25km im Wiener Donaupark. Mit einem Schnitt von 3:56min/km zog ich mich, denke ich, würdevoll aus der Affäre. Tags darauf mit meinem neuen Hauptbetreuer in Irdning - Christian M. - 2x4000m auf der Prater Hauptallee. Bei den ersten 4000m fanden wir uns nicht, also wuselte ich so für mich in 4:20-4:30min/km in der Hauptallee herum, bei den zweiten 4000m dann in ca. 4:15-4:20min/km mit Christian. Lustig war's, Gesamteinheit 23,5km in 4:36min/km. Juhu, der Körper ist wieder voll da, also meldete ich mich auch noch gleich für den Sri-Chinmoy-6-Stundenlauf Anfang Juni im Prater an, weil die Veranstaltung ist - bis auf die Musik - sehr, sehr fein. Da will ich wieder dabei sein.

Am Samstag dann noch eine Crescendo-Einheit (4x4000m) mit Christian - die ging mir schon etwas an die Substanz.

In der Woche darauf war dann - Überraschung, Überraschung - der Ofen aus. Ich wurschtelte dahin, einen Tag ging das Training besser, anderntags saß ich dann auch mal ein paar Minuten auf einem Bankerl in der Prater Hauptallee und dachte mir "die anderen laufen lassen ist doch auch was Feines, man muss ja nicht immer selbst rennen".

Foto: Sri Chinmoy
Der Sri-Chinmoy-6-Stundenlauf lief aber anfangs ganz gut, doch nach 3 Stunden wurde es mir etwas zu warm und damit zu anstrengend. Außerdem standen nur 6 Tage später die Österreichischen Meisterschaften über 100-Kilometer am Programm, wo ich im Sinne der Mannschaft jedenfalls finishen sollte. Also Tempo rausnehmen und den 6-Stundenlauf irgendwie fertig bringen - nicht so schwer, der Lauf ist ohnehin nach 6 Stunden vorüber. Trotz Worst-Ever-Leistung über 6h mit 66,22km (wenigstens eine hübsche Zahlenkombination) gab's einen netten Geschenkkorb für Platz 2 mit allerlei Bioleckereien - wie z.B. auch Hanfschokolade. Ich habe bis heute noch nicht herausgefunden, ob man die isst oder raucht :-D.

100km, not my day today ...
Foto: Christian Mayerhofer
Der 100km-Lauf in Wien war dann überhaupt ein ziemliches Desaster. Die Beine waren anfangs zwar nicht locker, aber immerhin etwas brauchbarer als die Tage zuvor - das dürfte die Magie der Startnummer und Pentek-Matten gewesen sein -, dafür fing der Magen nach 2h30, wohl auch aufgrund der hohen Temperaturen, zu spinnen an und beschloss, sich mit Durchfall und Magenkrämpfen ins Rampenlicht zu drängen. Aber Aufgeben war nicht drinnen, schließlich hatte ich zwei Vereinskollegen zur Teilnahme animiert, damit wir erstmals als Mannschaft der "LG (Laufgemeinschaft) Wien" an einer Ultra-Meisterschaft teilnehmen. Meine Leistung war unterirdisch und ich schämte mich richtig, ob meiner Darbietung und Schwäche. Ich wollte bei Start/Ziel am liebsten irgendwo ganz weit weg von den Zuschauern laufen, was aber nicht möglich war. Bei Tobias lief es richtig gut und Karsten kämpfte und kämpfte. Innerlich hoffte ich ja, dass einer von beiden vor mir aufhören würde, sodass auch ich mir die Qualen ersparen könnte. Nach außen feuerte ich aber beide bei den Überrundungen an. Karsten gar mit den Worten "mach halt langsamer, aber zieh' für die Mannschaft durch!". Ahhh, ich Masochist :-D (er empfand es wohl sadistisch). Naja, so pendelte ich zwischen Laufstrecke und Mobi-Klo und war nach 10h28 auch endlich im Ziel. Dank der Leistung von Karsten (Platz 3, 8h41) und Tobias (Platz 4, 8h52) und deren hervorragenden Zeiten, konnte sogar ich mit meiner Zeit das Ergebnis nicht mehr ruinieren und so landete "LG Wien" in der Mannschaftswertung auf Platz 1. Juhu, zum zweiten Mal in meinem Leben eine Meisterschaftsmedaille abgestaubt! Klimperding, hurra!

Aber dennoch beunruhigte mich mein Zustand - weil so etwas von fertig, das ist ja nicht normal. Also sicherheitshalber ein Blutbild machen lassen. Soweit alles in Ordnung, nur Eisen, Transferrinsättigung und Vitamin-D-Spiegel im unteren Grenzbereich. Also nicht optimal, aber so schlimm sollte mein Zustand ob dieser Werte auch nicht sein. Dann liegt's wohl doch einfach an zu wenig Regeneration und einem zu dichten Programm seit Sárvár - kann das sein? Ja, ist wohl so ;-)

Somit war ich die drei Wochen zwischen dem 100er und Irdning wirklich brav, gab Ruhe, verzichtete gänzlich auf Kaffee, versuchte auch das Naschen stark zu reduzieren und langsam ging es auch bergauf, wenn auch nicht gerade brüllend. Die Spritzigkeit war jedenfalls definitiv weg, aber die Ausdauerfähigkeit sollte nach über 3.600 Laufkilometern seit Jahresbeginn dennoch vorhanden sein. Also fahren wir nach Irdning und schauen einfach mal was passiert. Locker, frei, aber mit wenig Vertrauen :-). Plan A: vielleicht geht ja doch etwas ohne Erwartung. Plan B: wenn Plan A sich nicht erfüllt, dann werden wir Spaß haben.

HAUPTTEIL

In der Woche vor Irdning konnte ich noch TEASPO Teamsportmarketing sowie Kieninger & Lagler als Sponsoren für den guten Zweck gewinnen - somit war jedenfalls der tiefere Sinn des 24-Stundenlaufs in Irdning erfüllt!



So reiste ich Donnerstag nachmittag nach Irdning und empfand die Ankunft leider als etwas mühsam. Einerseits war's doch schon gut warm in Irdning, andererseits war mein Campplatz noch verparkt, obwohl angekündigt war, dass der Campaufbau ab Donnerstag möglich sei. So streunte ich etwas herum und wartete, dass mein Platz entparkt und frei wird. Das war dann auch um 19h30 der Fall und ich konnte mit dem Campaufbau (=Zelt) beginnen, damit ich am Freitag dann keinen Stress mehr habe, sondern entspannt den ganzen Tag bis zum Start um 19h herumlümmeln konnte.

Noch bei Tageslicht war ich dann mit dem Aufbau fertig - geht dank Faltpavillon ja recht flott - und um 23h im Bett. Die Nachtruhe war angenehm, ich schlief tief und fest, kein Anzeichen von Nervosität und angenehm kühl wurde es auch im Wohnmobil, aber nicht kalt. Zum Laufen würden das in der Nacht dann wohl ideale Verhältnisse werden.

Basislager steht

Mittagessen im spärlichen Schatten
Freitag folgte ich den ganzen Tag dem Schatten des Zelts und lungerte auf der Campingliege herum. Bloß nicht unnötig Energie vergeuden. Trotzdem war es warm genug, dass ich auch beim Nichtstun ins Transpirieren kam. Also fleißig trinken. An schlafen war leider wegen der Hitze nicht wirklich zu denken, Dösen war das höchste der Gefühle.

Nachmittags kamen dann auch Carola & Winfried, hauptsächlich als Staffelläufer, nebensächlich als zusätzliche Helfer des wackeren Einzelläufers und Christian M. als Hauptbetreuer an. Für Christian war's der erste Einsatz als mein Betreuer, allerdings konnte er schon Erfahrung bei der Betreuung von Rainer Predl beim 7-Tage-Laufbandweltrekord sammeln. Die Latte lag also hoch, schließlich gab's bei seinem letzten Betreuer-Einsatz einen Weltrekord :-D. Damit würde ich wohl nicht dienen können, aber bemühen werde ich mich, damit es trotzdem ein Erlebnis für ihn wird. Wurde es denke ich auch, wenn auch nicht ganz wie geplant (Spannungsbogen aufbauen :-) ).

Meine Steuerungsmappe mit diversen Tabellen hatte Christian schon vorab erhalten, so blieb nur mehr die Wohnmobilführung, was wo versteckt ist an Futter. Und wo die Punschkrapfen für die Betreuer sind :-D.

Auch Georg M. - für mich einer der Favoriten für die vorderen Plätze - traf dann ein. Wie im Vorjahr teilten wir uns den Campplatz. Sollte mir das wieder Glück und eine neue Bestleistung bringen?

letzte Vorbereitungen
Jedenfalls hatte sich für mich tagsüber bestätigt, dass eine sehr gute Leistung nur durch viele Kilometer in der kühleren Nacht möglich sein wird. Also wie geplant im Schnitt von 6:00min/km anlaufen und dieses Tempo dann wenn möglich bis 7h früh halten, also in 12 Stunden auf etwa 115 bis 120 Kilometer zu kommen. Keine leichte Aufgabe, aber ich fühlte mich beim Start eigentlich gut und munter. Also auf geht's, wagen wir es.

Los läuft's
Foto: Christian Mayerhofer
Das Einlaufen ersparte ich mir und auch sonst war ich freitags vorm Start noch nicht entlang der Strecke unterwegs gewesen. Daher nutzte ich die ersten Runden, um alle Freunde und Bekannte zu entdecken und Blickkontakt auch zu Unbekannten aufzubauen, die aber so wirkten, als wären sie fit und motiviert, 24 Stunden lang anfeuern zu können. Das funktionierte gut und so hatte ich bald meine persönlichen Fans beim Kreisverkehr, die noch einen Gang mit ihren Kuhglocken zulegten, wenn ich auftauchte.

Und ja, es taugte mir. So mühsam die Ankunft und das Warten tagsüber war, so genial empfand ich nun die Stimmung, aber ordentlich warm war es auch knapp vor 20h abends immer noch. Auch leichtes Kopfweh stellte sich ein. War der Schatten tagsüber doch nicht ausreichend gewesen? Aber mit dann sinkender Sonne, wurde es etwas kühler, damit verschwand auch das Kopfweh und kam auch nicht mehr zurück.

Praktisch überall an der Strecke wurde man von der Stimmung getragen, es gab nur ganz kurze stillere Passagen, die aber auch wohltuend waren, weil 24-Stunden-Dauerdröhnung sind dann auch des Guten zuviel. Die Musikanlagen der Staffelcamps waren aber in diesen Passagen noch leise zu hören, man verlor also nie den akustischen Kontakt.

Betreuer bei der Arbeit
Christian bremste mich und hielt mich an, mit "Hirn" zu laufen. Ja, gut, gut, mach' ich. Ich laufe eh schon langsamer und ich war doch ohnehin nicht so viel zu schnell. Das Tempo pendelte sich dann jedenfalls gut zwischen 7:00 und 7:20 je Runde (=5:45-6:00min/km) ein.

Petra, Betreuerin von Georg
Christian beim Protokollschreiben
Ziemlich durstig war ich von Beginn an und auch hungrig. So begann ich recht früh mit meinem bewährten UltraSports-Buffer als Iso-Getränk, dazu Bananen und Vollkornkekse und nach 1h30 das erste UltraSports-Gel. Das tat gut und von da an hatte ich eigentlich kein Hungergefühl mehr. Ich wurde super versorgt mit etwa 60g Kohlenhydrate die Stunde. Nach der Analyse von Sárvár wollte ich diesmal probieren, wie sich etwas mehr Kohlenhydrate bewähren. Und es funktionierte gut.

Es rollte dahin, irgendwann hörte ich auch, dass ich 9. bin. Fein, bereits in den Top-10, da möchte ich den Lauf wenn möglich auch beenden. Das sollte realistisch sein. So lief ich in die Nacht hinein, verlor jegliches Zeitgefühl. Dunkel war es, aber ich hätte nicht sagen können, ob es jetzt 23h, Mitternacht oder 2h morgens ist. Ich konzentrierte mich immer nur auf die gerade gelaufene Runde.

Die Stimmmung war weiterhin toll. Durch den späten Start waren alle Staffeln noch vollfit neben der Strecke und machten ordentlich Party. Aber ohne Alkoholleichen, sondern auf eine sympathische Art und Weise mit der Begeisterung für den Sport.

Having fun in the sun
Fotos: Bernhard Isker

es läuft ...
Foto: Christian Mayerhofer
Es rollte richtig gut (sagte ich das nicht gerade? *gg*), ich aß und trank wie von Christian verordnet. Auch einen Betreuerwechsel zu Carola und Winfried gab es, den habe ich aber gar nicht mehr richtig im Kopf, wann das war, zu sehr konzentrierte ich mich einfach nur aufs Laufen.

Diesmal versuchte ich auch vermehrt aus Flaschen zu nuckeln, um den Laufrhythmus beizubehalten. Einen Karton für die leeren Flaschen hatte ich ca. 400m nach meinem Campplatz beim Lager von Sir Heinz-Jürgen R. abgestellt, ca. 3 bis 4 Meter von der Laufstrecke entfernt. Das war dann die große Herausforderung, aus dem Laufen heraus mit den leeren Flaschen in den Karton zu treffen. Nun ja, im Verlauf der gesamten Veranstaltung schaffte ich genau einen Volltreffer :-D und beschränkte mich dann bald darauf, die Flaschen nur halbwegs in Richtung Karton zu rollen. Bin halt Läufer und nicht Basketballer.

Team SuBärAndschi
Foto: Bernhard Isker
Kurz vorher kam ich auch immer beim Lager und Team von Andreas R. alias "Subärandschi-The-Finger-Porno-Rosi" vorbei, die mächtig Stimmung machten und mich fleißig anfeuerten. Bernhard I. meistens mit "ma, der Hund schaut locker aus wie am Anfang". Und das Schönste daran: Eigenwahrnehmung und Fremdbild deckten sich zu 100%. Ich fühlte mich so, als würde mich heute nichts mehr stoppen können - immer nur gemütlich und locker weiter.

Moderator Peter
So lief ich dahin, war mittlerweile glaube ich auch 6. als ich dem tollen Moderator der Veranstaltung Peter Wundsam (der übrigens auch sehr nette Lauftechnikseminare anbietet) ersuchte, mir zwecks Motivation auch keine Kilometerstände zu sagen bevor ich bei 190km wäre. Weil ich wollte nie rechnen sondern immer nur von Runde zu Runde denken. Er kannte sich aus und von da an bekam ich auch meine persönliche Moderation: "hier kommt Martin, dem ich keine Kilometer sagen soll." :-D

Während ich mich verpflege überrundet mich Georg M. und wir laufen gemeinsam von unserem Campplatz wieder los. Er ist interessanterweise trotz Überrundung in meinem Lauftempo unterwegs - ich scheine wohl meine Sekunden beim Verpflegen liegen zu lassen oder er muss weniger oft in den Busch, um die Getränke wieder los zu werden. Wie auch immer, wir laufen jetzt nebeneinander dahin, jedes Mal, wenn ich vorlaufen möchte, erhöht aber auch Georg etwas das Tempo. Bevor wir uns beide ins Verderben laufen, bleibe ich dann lieber hinter ihm, auch wenn's mir unangenehm ist, immer nur hinten drin zu hängen.

So geht das einige Runden dahin und das Laufen so in Gesellschaft, auch wenn wir wenig reden und uns aufs Laufen konzentrieren, ist wunderbar. Dann ist wieder mal Verpflegung angesagt, dieses Mal gibt's dunkle Schokolade. Und dann passiert etwas Komisches: ich laufe wie jede Runde die leichte Rampe und Rechtskurve am Ende vom "Dörfl"-Gelände runter und habe plötzlich in der nachfolgenden Ebene das Gefühl ins Keuchen zu kommen. Ich muss kurz mein Tempo reduzieren und in der nächsten Sekunde macht der rechte Oberschenkel vorne komplett zu und ich kann nur mehr gehend weiter. Georg ist natürlich dahin und ich frage mich, was denn jetzt los ist. 8h34 lief es bisher genial, 84km habe ich hinter mir und jetzt das???

Naja, nicht die Nerven weg werfen, so etwas hatte ich in Sárvár 2014 ja auch in etwa, also zunächst gehen, immer wieder anlaufen versuchen und schauen, wann der Oberschenkel wieder will. Für den Moment geht aber mal gar nix. Jegliche Elastizität im Oberschenkelmuskel vorne ist weg, der Bodenkontakt prellt gefühlt ohne Dämpfung in die Hüfte durch. Das schmerzt ziemlich!

Die nächsten zwei Stunden ist damit Wandertag angesagt in der Hoffnung, dass ich mich muskulär erhole. Nach 10h30 sind tatsächlich wieder Laufeinlagen auf den ebenen sowie leicht ansteigenden Passagen möglich, bergab muss ich aber gehen, dort sind die Oberschenkelschmerzen zu stark. Auch das Laufen selbst ist alles andere als locker.

Tagesanbruch
Mittlerweile hat es längst gedämmert, die Sonne kommt raus, aber es ist noch kühl. Die Temperaturdifferenz ist sogar so groß, dass der Atem der Läufer sichtbar ist und auch leichte Nebelbänke über das Gelände wabbern. Eine tolle Stimmung für wenige Minuten. Denn dann erwärmt die Sonne Irdning gnadenlos.

Ich habe keine Ahnung wie weit ich bisher gekommen bin (die oben genannte Kilometerangabe habe ich nur retrospektiv der Zeitnehmung entnommen), aber gefühlt lief es mittlerweile nicht mehr gut.

ein paar Laufschritte fürs Foto
Foto: Christian Mayerhofer
Nach 12 Stunden, also um 7 Uhr in der Früh, finde ich es schon sehr "angenehm" warm und bald würde es richtig heiß werden. Daher checke ich nun mit Christian, wo ich liege. 86 Runden, 104,6 Kilometer hatte ich nach 11h53 absolviert und eine Klopause war nötig. Während dieser konnte ich rechnen, dass mit der Regel für den Optimalfall, dass ich in der zweiten Hälfte 20 Kilometer weniger als in der ersten schaffen würde, in etwa 105km + 85km = 190km möglich wären. Ein schönes Ergebnis, aber keine Bestleistung und angesichts der zu erwartenden Hitze würde es ein wahrer Kampf werden mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Will ich mir das zumuten? Der Körper war (siehe Prolog) ohnehin die letzten Wochen nicht wirklich fit und ein voller Kampf würde wohl eine seeeehr lange Regenerationsphase zur Folge haben, wenn ich mich nicht sogar mit ein wenig Pech längerfristiger schädigen würde und damit eine Herbstsaison abschreiben könnte. Daher stand mein Entschluss fest: ich mache natürlich weiter, aber ich "laufe" nicht am letzten Zacken, sondern etwas gebremster. Wobei von Laufen zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr die Rede war.

Badetag ohne Strand
Foto: Christian Mayerhofer
Nach der etwas längeren Pause um die 12 Stunden herum, wanderte ich wieder los und versuchte in die Gänge zu kommen. Viele Mitstreiter waren ebenso schon platt und daher hatte ich viele Gesprächspartner auf der Strecke, was sehr nett war. Endlich hatten wir Zeit, uns ausführlich zu unterhalten, weil vorm Lauf ist jeder noch mit den Vorbereitungen beschäftigt, nach dem Lauf sind wir alle meist zu müde und fertig und während des Laufs trifft man sich zwar schon immer wieder, aber hat doch nur wenige Minuten bevor sich aufgrund der Tempowahl der eine oder andere wieder nach vorne/hinten verabschiedet.


Wandern mit Sir Heinz
Foto: Christian Mayerhofer
Irgendwann motivierte ich auch Sir HJR, eine Runde mit mir zu wandern. Bald gesellte sich dann auch Hubert M. zu uns und so wurden wir mehr und mehr in unserer Wandergruppe und marschierten dann teilweise zu siebt oder acht um die Strecke. Immer schön in Zweierreihe, damit wir die schnellen Staffelläufer nicht behinderten. Ja, wir Einzelläufer nahmen Rücksicht auf Euch: einigen von Euch war leider eine 5 Zentimeter engere Linie überlebenswichtig um beim Kampf um die goldene Mega-Staffel-Ananas auch wirklich die letzten 2 Zehntel pro Laufrunde herauszuholen. Nicht, dass es bei uns Einzelläufern nicht auch letztlich um die goldene Ananas geht - wir alle leben schließlich nur einen Teil unseres Lebens für, aber nicht von unserem Sport -, aber die Verletzungsgefahr, wenn ihr dann doch einen erschöpften und angeschlagenen Einzelläufer zu Sturz bringen solltet, ist um vieles höher als im Normalfall, weil die Reflexe und Muskelkraft bei uns einfach nach 16 und mehr Stunden nicht mehr so vorhanden ist. Dafür müsste es aber wahrscheinlich wesentlich mehr Streckenposten geben, die dann bei rücksichtslosen Überholmanövern auch wirklich radikal eine Laufrunde der jeweiligen Staffel streichen. Ich denke, mit so einer Drohung würden die Staffeln deutlich mehr Rücksicht nehmen - wenn schon das sportliche Verständnis a priori nicht gegeben ist.

Gruppenwandern
Fotos: Christian Mayerhofer
Massage "Mach's Dir selbst!"
Foto: Christian Mayerhofer
Naja, wie auch immer. Jedenfalls hatten wir unheimlich viel Spaß. Vieles davon zu schildern ist schwer, da es eine Mischung aus Situationskomik gepaart mit dem Geist von übermüdeten Ultraläufern war. Besonders faszinierend war für uns natürlich die Teststation von Vibrationsmassagegeräten mit dem Slogan "Mach's Dir selbst!". Diese waren ein Zwittergerät aus Nudelwalker und Schleifgerät, wobei man sich damit eben selbst traktieren konnte/musste. Auch stellten wir diverse Überlegungen an, ob denn das Rennen wohl beendet werden würde, wenn wir es schafften, alle Einzelläufer in unserer Wandergruppe zu versammeln. Auch Details über das handwerkliche Geschick so manchen Ultraläufers erfuhr ich - aber dies unterliegt der ultralichen Schweigepflicht :-).

Die Runden vergingen wie im Flug und noch nie war gehen so lustig und machte so viel Spaß. Zeitweise überlegten wir allerdings, warum wir nicht auf eine Alm raufwandern anstatt in Irdning unsere Runden zu drehen. Aber wir blieben dann doch auf der uns lieb gewordenen 1.217,75 Meter-Strecke. So entstand aus einem bei den meisten eher verkorksten Lauf eine tolle Gruppendynamik. Und jene, die den Lauf noch ernst nahmen, unterstützten wir zeitweise, indem wir sie gehend wieder auf die Strecke brachten bis sie wieder ins Laufen kamen. Wohl teilweise motiviert, durch Laufen unserem Gebrabbel zu entkommen :-D

Hoch über Irdning
Fotos: Christian Mayerhofer

Nein, kein Foto beim Gehen
Foto: Hans Newetschny
Während der Wanderung spricht mich auch ein Vertreter des Lions Club an, denn ich konnte im Vorjahr dank meiner Unterstützer wieder die meisten Spenden eines Einzelläufers im Rahmen des 24-Stundenlaufs aufstellen. Damit konnte in der Region wieder viel Leid durch den Lions Club gelindert werden. So wurden spezialgefertigte Mobilitätshilfen finanziert oder Therapiemaßnahmen unterstützt. Für mein Engagement würden sie mich gerne nach dem Lauf kurz ehren. Ja, das würde mich freuen und ich vereinbare, dass wir uns um ca. 18h Näheres ausmachen, wie es mir geht, ob ich vielleicht doch wieder ins Laufen gekommen bin und etwas Ruhe brauche oder es gleich nach dem Einlauf möglich ist.

Dann muss ich aber wieder etwas pausieren um den Kopf zu kühlen, weil es wurde heißer und heißer. Im Schatten hat es sicherlich schon an die 35 Grad, am Asphalt gefühlt über 40. Und auch kein kühlendes Lüftchen. Aber dann geht's wieder weiter mit dem Wandertag unter Freunden. Immer eine Flasche mit kühlem Wasser in Hand für innerliche und äußerliche Erfrischung.

Motivation Samstag nachmittag
Fotos: Christian Mayerhofer
Nach etwas über 20 Stunden dann die nächste Pause zum Kühlen. Der Schatten beim Zelt reicht nicht mehr, es ist zu warm, die Luft steht. Daher verlagere ich mich in den Schatten der meinem Campplatz nahen Gebäude und hoffe dort auf etwas Luftbewegung. Christian holt mir inzwischen einen Eisbeutel.

Aber leider wird es auch mit dem Eis nicht besser. Ich bekomme eine Art Fieberanfallgefühl und glühe. Mit Christian gehe ich zu den Dusch-/Umkleidekabinen. Dort ist es zwar etwas kühler und ich lege mich auf eine Liege, aber jetzt beginnen die Fingerspitzen zu kribbeln und gut aussehen dürfte ich dem besorgten Gesicht von Christian nach zu urteilen auch nicht.

Also hilft nix, gehen wir zu den Sanis. Im Gegensatz zu 2013 immerhin auf eigenen Beinen. Also alles nicht so schlimm. Carola und Winfried sind derweil bei ihrem vierstündigen Staffeleinsatz, bekommen also gar nix mit und ich will sie auch nicht beunruhigen. Sie sollen sich auf ihren Lauf konzentrieren. 

Im Sanizelt die übliche Prozedur: Blutdruckmessung, Sauerstoffsättigung, Puls, Blutzuckermessung. Angenehmer als in der Umkleidekabine ist es aber im Sanizelt auch nicht, denn dieses ist einfach nur ein Zelt im Freien ohne Ventilator, wo sich durch die Sonneneinstrahlung auch die Luft staut und es um nichts kühler ist als draußen. Es ist sogar noch stickiger.

Ich erzähle meine Vorgeschichte (siehe Prolog), damit die Anamnese komplett ist, also vor allem zu meiner Sicherheit die Erwähnung, dass mein Eisenspiegel vorm Lauf eher niedrig war und ich Eisentabletten dagegen nehme. Frage der Ärztin: aha, warum das? Haben Sie Blutungen? Nein, ich habe einfach nur etwas zu viel gemacht seit Ende April und zu wenig regeneriert.

Die Ärztin macht jedenfalls ein skeptisches Gesicht und entscheidet sich für eine Glucoseinfusion. Ja, das wird wohl gut tun. Eis auf die Stirn bekomme ich auch vom Sani, worauf dieser von der Ärztin angeherrscht wird, dass das Eis in den Nacken gehört.

Die Infusion wird von der Ärztin gesetzt, auch dabei gibt der Sani ihr aber nichts wie von ihr gewünscht. Orangensaft soll ich übrigens trinken, haben sie aber nicht im Sanizelt. Keiner hat jetzt eine Idee, wie man dieses Problem lösen könnte. Also macht sich Christian auf den Weg zur Labe, um Orangensaft aufzutreiben.

Währenddessen erzählt mir die Ärztin, dass mein Freund ja auch gerade erst wegen eines Sonnenbrands verarztet wurde. Für mich klingt es, als ob da jemand große Brandblasen hatte. Ich kenne mich nicht aus. Welcher Freund? Christian kann sie nicht meinen, der schaut ganz normal aus. Doch, doch, der Freund mit der Glatze, der gerade weggegangen ist. Aha, naja, ich weiß von nix, muss ich später mit ihm reden.

Irgendwann wird den Sanis von der Ärztin auch erklärt, dass sie ordentlicher arbeiten sollen, denn "sie sind hier ja Fachkräfte und keine Tschuschen". Da musste ich einmal schlucken. Ein ganz schön rauer Umgangston hier in der Steiermark :-((( ... Mir fehlte leider die Courage und Energie, um klare Worte zu finden, dass sie solche Aussagen bitte unterlassen solle. Ich fühlte mich aber zunehmend unwohler im Sani-Revier. Hoffentlich wird's da nicht schlimmer als vorher.

Christian war mittlerweile mit Fanta und einem Energy Drink zurück. Energy Drink ist laut Ärztin ein großes No-go wegen des Koffeins, Fanta ist in Ordnung. Allerdings hängt meine linke Hand am Pulsoxymeter, mein rechter Arm wird infusioniert und wie jetzt im Liegen trinken? Ich werde um etwa 38 Entwicklungsjahre zurückgeworfen und darf aus dem Flascherl das Fanta nuckeln. Das tut gut.

Meine erste Infusion habe ich auch schon ausgezuzelt. Währenddessen unterhalte ich mich mit der Ärztin, was soll ich auch sonst viel machen. Ich erkläre, dass ich heute ohnehin nur auf Sparflamme unterwegs bin, weit weg von meiner Bestleistung und es einfach heiß ist.

Zu meinem Programm seit Sárvár kommt dann plötzlich die Frage, warum man das eigentlich macht und ob ich Depressionen davon laufe. Da war ich baff und sprachlos. Was sagt man da, etwas übermüdet, im sticken Zelt und mit leichten Fiebergefühl Vernünftiges darauf? Ich versuche es sachlich: Irdning ist eine der fünf Stationen des Ultralauf-Cups. Mein Ziel ist, heuer bei allen fünf zu starten, wobei ich nicht alle voll laufe.

Ahja, und ihre Gesundheit? Um die kümmere ich mich ohnehin, deshalb habe ich heute auch nicht voll hingehalten bis zum Äußersten und war auch beim Arzt fürs Blutbild. Aber das zählt nicht. Was sind Sie denn von Beruf? Hm, soll ich jetzt etwas erfinden oder die Wahrheit sagen? Ich bin zu müde zum Erfinden, also Augen zu und durch: "Risikomanager bei einer Bank". Das war der Brüller des Tages ... der Herr Risikomanager, aber das eigene Risiko nicht managen können, brüll-lach-hahahaha. Jaja, danke, reicht schon, sehr lustig.

Und dann legt sie so richtig los: ich solle mal zu einem Sportmediziner gehen, mir Trainingspläne schreiben lassen, weil die gibt's für so etwas, sie kennt sich da aus, sie ist selber Sportärztin, Militärärztin (und noch einiges mehr) ... Wenn sie so viel Verständnis für Sportler hat, dann frage ich mich allerdings, warum sie mir zuerst Depressionen unterstellte.

Wobei Depressionen sicherlich ein ernstes Thema sind und ich für mich auch schon oft meine Motivation zum Laufen hinterfragte und was mich dabei antreibt. Dabei kam ich für mich zum Schluss, dass für mich wohl eher ohne Laufen die Gefahr bestünde depressiv zu werden, weil das eben mein großes, leidenschaftliches Hobby ist, für das ich mich begeistere und wo ich viele liebe Freunde gefunden habe. Nebenbei kann ich durch meine Leidenschaft und die Unterstützung meiner Sponsoren auch immer wieder anderen helfen.

Glücklicherweise macht mich auch mehrheitlich mein Beruf zufrieden, allerdings ist der Sport jener (Leistungs-)Bereich, wo wirklich nur ich selbst über meine Leistung und den Erfolg bestimme - ohne jegliche externe Einflussfaktoren (gegeben die Situation einer im Schnitt 45-Stunden-Arbeitswoche und der daraus möglichen oder nicht möglichen Regenerationsphasen). Außerdem hat mich das Laufen sicherlich zu einem gesünderen Menschen gemacht. Es ist nur schade, dass eine Ärztin einen dann bei einem Ultralauf-Event in eine Schublade steckt, nur weil man einen Sport betreibt, der vielleicht etwas aus der Norm ist, dafür aber auch mit der entsprechenden Vorbereitung verbunden ist und sicherlich nicht als spontane Idee eines Mid-Life-Crislers. Und hätten unsere Vorfahren nie etwas außerhalb der Norm gewagt, würden wir wohl immer noch in Höhlen wohnen ...

Aber soll ich das jetzt mit ihr debattieren? Nein, ich zuzle meine zweite Infusion leer und dann weg von hier. Jetzt wird auch der Blutzucker zum zweiten Mal gemessen, den Ergebniswert kann ich nicht einordnen, aber er dürfte sich nicht so rasch erholen wie erwartet. Ich soll mich aufsetzen. Das mache ich ganz langsam, damit sich der Kreislauf von der langen horizontalen Position in die vertikale anpassen kann. Aufgrund der Wärme im Zelt sehe ich in der Ferne nicht gleich ganz scharf. Dummerweise sage ich das, dass ich mich beim Fokussieren etwas anstrengen muss.

Tja, mehr hatte ich nicht mehr gebraucht. Sofort kommt (teilweise wörtlich, teilweise sinngemäß): Aus jetzt, wir fahren ins Spital. Woher sind Sie? - Wien. - Gut, dann fahren wir nach Rottenmann, da kann Sie ihr Freund morgen bei der Heimreise abholen. - Was??? Nein, also erstens brauch ich sicherlich kein Spital, mir geht's schon besser und über Nacht ist sicherlich auch nicht nötig. - Nein, das Risiko übernehme ich nicht, wir müssen ihren Kaliumspiegel messen, da kann vieles nicht passen, das kann zum Kreislaufversagen führen. - Jetzt dramatisieren Sie aber. Vor zwei Jahren war ich auch bei der Infusion, da ging's mir wesentlich schlechter und da war auch kein Spital notwendig. - War ich da die Ärztin? - Nein (und denke mir, ich hätte jetzt gerne den Arzt von vor zwei Jahren). - Na, sehen Sie, ich übernehme das Risiko nicht.

Also gut, dann fahren wir von mir aus ins Spital, sie lässt sich ohnehin nicht davon abbringen. Aber könnte ich bitte wenigstens noch Geldbörse und Handy haben. – Ja, wenn Ihr Freund schnell macht.

Christian sprintet los um mir Handy und Geldbörse zu holen. Währenddessen werde ich ins Rettungsauto verfrachtet. Übrigens sehr angenehm mit ziemlich ermüdeter Muskulatur fixiert auf der Krankenliege angeschnallt in voller Streckung transportiert zu werden. Glücklicherweise bekam ich keinen Krampf davon. Dann die Frage, ob sie eh mit Blaulicht fahren können, weil dann sind sie schneller wieder zurück. Ja, können sie schon, aber bitte nur so schnell, dass wir heil in Rottenmann ankommen, weil nur wegen der Übervorsicht der Ärztin will ich nicht, dass mir bei einem Unfall noch etwas wirklich Ernsthaftes passiert. Dann wollen sie auch schon losfahren ... haaalt, ich brauche bitte noch Handy und Geldbörse. Und meine Schuhe, die sie mir mittlerweile ausgezogen haben, wären auch noch fein. Nein, die soll Christian dann mitnehmen, die finden sie jetzt nicht :-OOOO.

Christian kommt mit Handy und Geldbörse und los geht die Fahrt nach Rottenmann. Christian soll dann mit dem Auto nachkommen, muss sich aber erst den Weg über die Laufstrecke organisieren. Der Arme: als Exilsteirer mit Wiener Kennzeichen wird er dabei natürlich auch von einigen "verständnisvollen" Läufern angepöbelt. Liebe Leute, so eine Aktion macht keiner freiwillig!

Wieder zurück im Rettungsauto: nach der ersten gröberen Erschütterung bei der Überquerung des Bahnübergangs erbitte ich eine Reduzierung der Geschwindigkeit. Wird gemacht. Die Sanis sind so weit eh sehr nett nur glaube ich auch schon etwas erschöpft von ihrer Chefin.

Mittlerweile sehe ich übrigens trotz verkehrt zur Fahrtrichtung liegend und Kreisverkehren wieder komplett scharf und schwindlig wird mir auch nicht. Also von mir aus könnten wir jetzt wieder zurückfahren :-D

Im Krankenhaus angekommen, möchte ich gerne selbst aussteigen, das ist aber nicht vorgesehen und ich werde mit der Trage bis in den Behandlungsraum gebracht. Da darf ich dann von der Rettungsautoliege runter und gehe gleich mal aufs WC. Die Infusion hat gewirkt, ich bin wieder ordentlich hydriert und fühle mich auch sonst sehr gut. Nach dem WC-Ausflug behende rauf auf den Untersuchungstisch. Das Pflegepersonal und der aufnehmende Arzt schauen auch schon etwas verwundert, was ich denn im Spital mache.

Trotzdem bekomme ich meine dritte Infusion und eine Blutabnahme. Auch meine Anamnese darf ich wieder erzählen (nicht, dass ich das nicht im Sanizelt sowie im Rettungsauto schon zweimal erzählt hätte), aber gut, mittlerweile habe ich die Geschichte gut drauf :-)

Christian hat auch schon das Krankenhaus erreicht - mit meinen Schuhen!

Soweit passt alles, keine neurologischen Ausfälle, nur kühl ist mir noch immer nicht wirklich, weil die Räume alle ungekühlt und warm sind. Währenddessen kommen noch ein oder zwei weitere Fälle aus Irdning – die Ärztin scheint fleißig einliefern zu lassen.

Ich bin dann so weit fertig und warte, dass meine Infusion leer wird ... dann brauchen sie leider den Ambulanzraum und legen mich in ein Krankenzimmer. Puh, da drinnen hat’s mindestens 25 Grad, geschlossene Fenster, stickige Luft und drei ca. 80jährige im Zimmer, die leider eher dahin siechen - kein Wunder, würde mir nach einem Tag in der Luft wohl auch so gehen. Ein vierter ist mobiler und möchte mir gleich seine Krankengeschichte erzählen.

Ich bin übrigens immer noch in meinem Laufgewand, also wohl auch alles andere als wohlduftend. Ich frage daher, ob mein Bett vielleicht auf den etwas kühleren Gang geschoben werden könnte. Geht leider nicht, aber sobald meine Infusion fertig ist, soll ich läuten, dann werde ich abgestöpselt und kann raus.

Endlich ist die Infusion fertig, ich darf mich raussetzen, muss allerdings noch auf den Blutbefund warten. Warten warten warten ... anstatt dass Christian jetzt das große Finale in Irdning erlebt, wo die Stimmung noch einmal so richtig hochkocht, hockt er jetzt hier mit mir im LKH Rottenmann und wir erzählen uns Schwänke aus unserem Leben und ich erfahre auch die Geschichte zum Sonnenbrand: als Christian mir in meiner letzten Kühlpause den erwähnten Eisbeutel bei den Sanis holte, sagte ihm ein Sani beim Weggehen, dass er ziemlich rote Schultern habe, sich einschmieren sollte und er aber ohnehin etwas da hätte. Also liess sich Christian einschmieren und wollte gehen. Das war aber nicht so ohne weiteres möglich, denn das war jetzt ein Versorgungsfall und musste aufgenommen werden. Also die Einsatzstatistik von Irdning würde mich interessieren, wenn da Verarztungen so zustande kamen.

Endlich ist der Blutbefund fertig und zeigt erhöhte Leberwerte – aus meiner Sicht kein Wunder bei der Anstrengung und der Tatsache, dass ich auch seit über 30 Stunden wach bin. Vor Irdning war beim Blutbefund noch alles in Ordnung. Aber der Arzt bietet gleich eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums an. Nein, danke, das bespreche ich dann nächste Woche mit meinem Hausarzt, aber jetzt würde ich gerne gehen, weil ich fühle mich eh schon gut. Naja, aber gehen sie wirklich zum Arzt. Jajaja, mach ich. Schönen Abend noch!

Ah, endlich erlöst. Runter zum Auto von Christian und Rückfahrt nach Irdning. Im Auto dreht Christian die Klimaanlage auf und erstmals seit Stunden ist es endlich kühl. Da kommt Christian und mir gleichzeitig die Erkenntnis: ich hätte mich wohl mit einer Flasche UltraSports Buffer einfach nur 20 Minuten ins klimatisierte Auto setzen müssen und es wäre mir wieder gut gegangen. Naja, auch beim mittlerweile zehnten 24-Stundenlauf wieder etwas Neues für die Checkliste gelernt. Weil in so einer Situation sind dann Läufer und Betreuer doch auch so übermüdet und angespannt, dass man an diese Möglichkeit nicht denkt.

Um knapp vor 20h sind wir dann endlich wieder zurück in Irdning, die Siegerehrung ist in vollem Gange. Wir suchen Carola & Winfried, um uns zurückzumelden. Denn das leere Zelt hatten sie in der Zwischenzeit bemerkt und ich konnte Carola auch kurz aus dem Spital Bescheid geben, allerdings war mein Handyakku schon ziemlich leer gewesen, sodass für Details keine Zeit war.

Christian war leider um die Emotionen der letzten Stunden gebracht worden und hatte nur Hektik am Ende erlebt. Aber das holen wir noch einmal nach und bringen einen 24-Stundenlauf richtig zu Ende, wenn Du Dir das noch einmal mit mir antust, mein Freund!

Auch die Lions Ehrung fällt natürlich aus. Dafür finde ich aber an meinem Campplatz eine Flasche Sekt mit ganz lieben schriftlichen Grüßen! Danke herzlichst!

FAZIT

Nach vier erfolgreichen 24-Stundenläufen mit kontinuierlicher Steigerung war's diesmal mit nur 141,259 Kilometern wieder ein Bauchfleck. Aber einer, den ich wegen des Spaßes, den ich nach 12 Stunden bei meiner dann folgenden 8-stündigen Wanderung hatte, nicht missen möchte. Liebe bekannte und (noch) unbekannte Ultralauffreunde, -betreuer, -fans: ihr macht auch ein Desaster zu einem tollen Erlebnis, an das man gerne zurück denkt! Und tiefster Respekt für alle, die ihr Ding trotz der Bedingungen bis zum Ende durchgezogen haben und ihre Ziele erreichen konnten! Ganz starke Leistung!

Hinsichtlich der Beginnzeit von 19h weiß ich immer noch nicht, ob ich diese gut oder schlecht finde, wahrscheinlich sehe ich es am ehesten neutral an. Einerseits ist man natürlich sehr lange auf und kann vorm Start auch nicht wirklich schlafen. Andererseits habe ich von der Müdigkeit eigentlich nichts gespürt und die Stimmung in der Nacht war um Welten besser als bisher.

Nachteilig war sicherlich, dass es auch am Freitag tagsüber schon sehr warm war. Vor allem, da ich im Wohnmobil anreise und kein kühles Hotelzimmer habe, ist das eher ein Nachteil für mich.

Wenn das Wetter aber nicht so heiß ist, dann halte ich einen Abendbeginn für mich durchaus auch für machbar. Nichtsdestotrotz finde ich 10h oder spätestens 12h Start immer noch optimal.

Die Party-Idee nach dem Lauf war sicherlich gut gemeint und gedacht, entwickelte sich aber nicht so richtig, weil die meisten zu fertig zum Feiern waren. Und den Musikgeschmack sollte man eher dem Zielpublikum (und Alter) der Ultraläufer anpassen - also bitte Cover-Bands mit 70, 80 oder maximal 90er-Jahre-Musik und nicht Disco-Hip-Hop für 19jährige :-), wo jedes Lied gleich klang. Also so ähnlich wie bei den Dire Straits (oder Herbert "Mensch, ach, Mensch" Grönemeyer), nur anderer Stil :-D

Hinsichtlich der Betreuung war's wie immer perfekt und nachdem ich dieses Mal auch klar kommunizierte, dass ich um die 60g Kohlenhydrate in der Stunde brauche, war ich auch nie energetisch unterversorgt. Der Magen spielte auch brav mit.

Und da ich mir mein eigenes Cola mitgebracht hatte, war auch die Labe kein Problem für mich :-P (Insider-Schmäh: in Irdning gibt's ein speziell tolles Cola eines Sponsors, das aber nicht jedermanns Geschmack trifft) ... aber ich bin froh, dass das Cola-Problem nicht nur bei mir eines ist, sondern einige im Läuferfeld betrifft :-D.

Jetzt heißt's regenerieren so gut und rasch es geht, einen Start in Prambachkirchen beim 12-Stundenlauf gut abwägen, ob sinnvoll oder nicht und im Herbst geht es wohl in Richtung Marathon.

Der nächste 24-Stundenlauf steht dann voraussichtlich erst wieder 2016 am Programm, wobei ich übrigens vernommen habe, dass in Sárvár die Strecke neu asphaltiert werden soll, was natürlich ein Traum wäre! Vielleicht spricht das ja auch einige von Euch an und wir starten mit einer großen Gruppe Ösis (und gerne auch mit unserem aller Berliner Lieblingsultrapiefke :-) ) Ende April in Ungarn.

EPILOG

Achja: an mein ärztliches Abenteuer habe ich auch noch eine Woche nachher ein kleines Andenken. Offensichtlich wurde die Einstichstelle der Infusionsnadel nicht ausreichend sterilisiert, wodurch sich eine leichte Venenentzündung entwickelt hat. Nicht weiter schlimm tagsüber, nur nachts, wenn ich mit abgewinkeltem Arm schlafe, beginnt es in der Ellenbeuge zu schmerzen, sodass ich immer wieder aufwache. Aber das klingt hoffentlich auch bald ab.

Freitag, 3. Juli 2015

Camp steht

Hitze ist auch schon da. Läuferherz, was willst Du mehr :-) ... der Asphalt
wird glühen.

Gesendet mit AquaMail für Android
http://www.aqua-mail.com

Dienstag, 30. Juni 2015

Rückblick auf Sárvár, Ausblick auf Irdning ... motivated by Kieninger & Lagler sowie TEASPO Sportswear

Wenige Tage noch bis zu meinem zweiten 24-Stundenlauf dieses Jahr. Mit dem ersten Lauf heuer in Sárvár begann das Benefizprojekt zugunsten der Stiftung Kindertraum. Aufgrund der großen Spendenresonanz und der Verdoppelung durch die Macquarie Group Foundation war eine Teilfinanzierung eines Diabetikerwarnhundes für Raphael möglich. Dies löste ein unglaubliches Momentum aus, sodass auch mein Arbeitgeber Macquarie Austria das Honorar eines Gastredners zugunsten dieses Projekts der Stiftung Kindertraum spendete.

Durch weitere Spenden ist der Diabetikerwarnhund für Raphael im Wert von über EUR 20.000,- nun bereits zur Gänze finanziert! Für mich unfassbar, was sich da die letzten Wochen von der Auswahl des konkreten Projekts bis zur Ausfinanzierung entwickelt hat! Herzlichen Dank allen, die daran mitgewirkt haben – eine wirklich großartige Leistung, Chapeau!

Und so freut es mich auch, dass diese Dynamik weiter Früchte trägt und mich beim 24-Stundenlauf in Irdning

Kieninger & Lagler (der einzige österreichische Canon European Premium Partner) sowie 

TEASPO Sportswear (Der Partner für individuelle Teamsport-Bekleidung) 

zugunsten der Stiftung Kindertraum unterstützen!

Herzlichen Dank für diese tolle Motivation.




Donnerstag, 18. Juni 2015

Ergebnis Benefizaktion - Diabetikerwarnhund für Raphael

Einige Zeit ist nun seit dem 24-Stundenlauf in Sárvár Ende April vergangen, aber nun kann ich offiziell verkünden: meine privaten Sponsoren haben meine gelaufenen Kilometer in EUR 4.427,62 verwandelt und dieser Betrag wurde durch die Stiftung meines Arbeitgebers, die Macquarie Group Foundation, wie versprochen verdoppelt.

Somit kamen über EUR 8.800,- zugunsten der Stiftung Kindertraum zusammen!

Dieser Betrag wird nun zur Teilfinanzierung eines Diabetikerwarnhunds für Raphael, 12, aus Niederösterreich verwendet. Bei Raphael wurde vor zwei Jahren Diabetes mellitus Typ 1 diagnostiziert. Aufgrund starker Blutzuckerschwankungen hat er oft Kopf- und Bauchschmerzen, meist kann er dann nicht zur Schule gehen. Raphael größter Wunsch wäre ein Freund und Lebensretter auf vier Pfoten! Ein gut ausgebildeter Diabetikerwarnhund kann Unter- und Überzuckerung riechen und gibt rechtzeitig Signal. Diese Spezialhunde retten Leben, geben Sicherheit, mehr Unabhängigkeit und ermöglichen eine gute Lebensqualität trotz Diabetes. Diabetes ist bei Kindern oft schwer einzustellen. Unterzuckerung kann bis zur Bewusstlosigkeit führen und auch zu hoher Zucker führt auf lange Sicht zu Spätfolgen. Dadurch ist eine oftmalige Blutzuckerkontrolle notwendig, auch nachts. (Quelle: https://www.kindertraum.at/nc/herzenswuensche/aktuelle-wunschliste/ [Raphael-2015050]).

Wer sich bei den verbleibenden Restkosten (von aktuell EUR 12.430,-) beteiligen möchte, kann dies zweckgewidmet direkt auf der Spendenseite der Stiftung Kindertraum machen:

https://www.kindertraum.at/spenden-unterstuetzen/ und dann „Raphael – 2015050T“ auswählen.



Ich werde mich bemühen, auch noch Unternehmen als Spendenpartner für dieses Projekt zu begeistern, sodass Raphael sein Freund & Retter auf vier Pfoten bald übergeben werden kann. Falls jemand von Euch Lesern dieses Blogs möglicherweise Kontakte zu interessierten Unternehmen hat, würde ich mich über die Kontaktdaten freuen!

Ein großer Schritt für Raphael ist jedenfalls schon gemacht, der Rest des Weges gelingt sicherlich auch noch.

Sonntag, 17. Mai 2015

Aktive Erholung

Der 24-Stundenlauf von Sárvár ist nun schon wieder 3 Wochen her, die aktive Erholung voll im Gange und so kam ich für dieses Wochenende auf die Idee zu schauen, wie sich der Körper denn so bei einer Laufeinheit länger als 90 Minuten anfühlt.

Da traf es sich günstig, dass die legendären Ultralauftage im burgenländischen Gols just dieses Wochenende stattfanden - mit dem Highlight des 48-Stundenlaufs. Nein, das war nicht die Idee, das wäre mir doch zu lang gewesen. Aber der 6-Stundenlauf lachte mich an um die Veranstaltung einmal kennenzulernen und zu schauen, was denn das kultige Gols so kann. Und ja, es kann einiges. Eine extrem familiäre Veranstaltung, alle total nett und hilfsbereit, eine tolle Atmosphäre. Dem Läufer wird wirklich alles geboten.

Bei meiner Ankunft Freitag abend waren die 48-Stundenläufer bereits seit 10h vormittags unterwegs und drehten unermüdlich ihre Runden. Verschiedene Lager waren aufgebaut, es herrschte Ultra-Atmosphäre. Ich hielt mich noch etwas zurück, zuerst den 6-Stundenlauf rumbringen und dann erst ins "Getümmel". Aber es fing schon ordentlich an zu kribbeln. Die Wetterbedingungen waren Freitag abend auch ideal. Bewölkt, wenig Wind, angenehme Temperaturen. Für die 48-Stundenläufer fing es dann leider in der Nacht für einige Zeit heftig an zu regnen mit der Folge einer unangenehmen feuchten Kühle für den Rest der Nacht.

noch ist's angenehm
(c) Christian Mayerhofer
Aber Samstag früh lachte die Sonne schon vom Himmel ... herrlich für einen Badetag, weniger herrlich fürs Laufen, vor allem, wenn die sonstigen Trainingsläufe immer nur bei 5-10°C niedrigeren Temperaturen stattfinden.

6h-Starterfeld
(c) Lauftreff Gols


Egal, um 10h machte sich das Feld der 6-Stundenläufer auf den Weg. Vorne weg Didi K. mit einem Höllenspeed, ich gemütlich im 5:00er-Schnitt mit dem Rest des Feldes dahin, mit der Idee, Didi bei jeder Überrundung als Intervall-Timer für einen Kilometer zu nutzen, um etwas Pepp in das gemütliche Traben zu bringen. Lustige Idee mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass ich erst nach 4 Kilometern mit der ersten Überrundung rechnete, Didi aber schon nach 3 Kilometern an mir vorbei flog. Na gut, beginnt das Intervallieren eben früher. Gerechnet hatte ich so mit einem Tempo von um die 4:10-4:15, geworden sind es 3:57min/km. Und in der Tonart ging es weiter, 3-4km Traben und dann Didi-Time. Der geneigte Leser ahnt es: nach weiteren 1km-Intervallen in 3:56, 4:08, 4:09, 4:05, 4:05, 2h30 Laufzeit und 31 geschafften Kilometern war Schluss mit lustig und ich ziemlich platt. Von da an kein Didi-Intervall mehr. Zusätzlich machte sich die Sonne jetzt so richtig einen Jux aus uns Läufern und knallte unerbittlich vom Himmel. Ein herrlicher Badetag! Nur blöd, wenn man nicht im Schwimmbad liegt, sondern im Kreis rennt.

Hot!
(c) Christian Mayerhofer
Naja, egal, der Marathon war nach 3h30 absolviert, eigentlich lag ich sogar noch auf Kurs 70km plus, aber nach 4 Stunden kochte der Motor dann über vor Hitze. Nach 50 Kilometern und 4h16 auch kurz die Überlegung, mich einfach zu so manchem 48-Stundenläufer in ein schattiges Fleckchen unter einem Baum zu gesellen, denn einen Ultralauf hatte ich mit 50km ohnehin geschafft - 3 Wochen nach dem 24er schon ganz in Ordnung fand ich.

Aber irgendwie bewegte ich mich dann doch weiter, das Tempo war mir aber von nun an relativ egal, ich genoss nun so ganz die Ultra-Atmosphäre, tratsche mit dem einem oder anderen Mitläufer oder war manchen lästig, dass sie doch auch laufen sollten :-). Ab und an hilft so ein wenig externe Motivation (zumindest mir) sehr, dass der Kopf wieder will, weil der Körper kann meist eh mehr als wir selbst glauben.

die Pokale ...
(c) Lauftreff Gols
Nach einer einstündigen Schwächephasen hörte ich dann anfangs der letzten Stunde, dass ich immer noch auf Platz 3 läge, aber mit wenig Puffer nach hinten. Hm, die Leistung absolut wird zwar nicht mehr sehr viele Kilometer hergeben, aber 3. Platz wäre schon fein - weil in Gols gibt's nicht die üblichen "Blechhäferln" als Pokal sondern originelle Pokale aus einem Stück Weinstock wie ich auf Fotos vorher sah. Hm, ja, der täte mir schon taugen. Tja, und dieser kleine Kick reichte, dass der Kopf wieder Herr über den Körper wurde und es für den Rest des Laufs wieder so in 4:50-5:00min/km dahin lief.

Habe fertig!
(c) Christian Mayerhofer
Während des Laufs wechselte übrigens die Führung zwischen Didi K., der seinem Anfangstempo auch Tribut zollen musste, und dem Lokalmatador Daniel S. mehrfach hin und her. Schlussendlich beschlossen sie, dass Didi Daniel am Weg zu einer neuen Bestleistung auf den letzten Kilometern unterstützte und sie Hand in Hand über die Ziellinie liefen - eine wunderschöne Szene!

Siegerehrung
(c) Daniel Strobl
Ich selbst kam auf 68,53km. Offenbar meine Standardweite heuer über 6 Stunden, in Lassee waren es mit 68,82km nur unwesentlich mehr.Jedenfalls scheint der Körper Sárvár halbwegs verdaut zu haben, wenn auch die eine oder andere muskuläre Verspannung noch zu spüren war. Aber die wird sich hoffentlich auch bald lösen.

Als Belohnung, dem Schattenplätzchen getrotzt zu haben, gab's dann den erhofften Pokal und dazu neben dem Goodie für jeden Teilnehmer (Rucksack + Wein) noch einen Wein extra.

Yeah!
Der Ausflug nach Gols hat sich also gelohnt und nachdem's so nett war, blieb ich noch bis Sonntag 10h, um die 48-Stundenläufer ein wenig entlang der Strecke zu unterstützen. Beeindruckend, wie so ab 8h früh plötzlich alle gelöster und gelöster wurden und nochmals das Letzte aus sich herausholten und nach 250, 300 oder noch mehr Kilometern sogar einige Kilometer durchliefen. Eine vor allem mental unglaubliche Leistung! Mein tiefster Respekt und herzliche Gratulation all diesen Helden von Gols zu ihren Leistungen!












Sonntag, 3. Mai 2015

24-Stundenlauf in Sárvár - der Bericht!

Die Anfangszeilen eines 24-Stundenlauf-Berichts sind immer die am schwierigsten zu formulierenden. Wie steigt man am besten in den Bericht ein? Zuviele Gedanken gleichzeitig wollen geäußert werden. Naja, ich probiere es chronologisch, dann ist es am einfachsten nachzuvollziehen.

Freitag vormittag mache ich mich auf die Reise von Wien nach Sárvár. Im Gepäck jede Menge gute Wünsche, auch einige hohe Erwartungen und vor allem auch 44 Sponsoren, die meine Kilometer in Bares zugunsten eines Projekts der Stiftung Kindertraum umwandeln werden. So viele Rückmeldungen und so viel Anteilnahme an einem 24-Stundenlauf von meiner einer gab es bisher noch nie.

So wurde ich die letzten Tage doch angespannter und angespannter und war froh, dass ich nun endlich - zumindest mit der Anreise - Nägel mit Köpfen machen konnte und das Warten ein Ende hatte.

Frühling in Sárvár
Als ich mittags in Sárvár ankam, machte sich auch das Veranstalter-Team gerade daran, die Infrastruktur des Start/Ziel/Versorgungs-Bereichs aufzubauen. Auf einem nicht abgesperrten Plätzchen der Straße platzierte ich dann sogleich das Wohnmobil hin. Einen Stellplatz, den man hat, hat man. Aber für alles weitere wollte ich abwarten, was denn der Veranstalter so an Zelten aufbaut und überbrückte die Zeit mit Mittagessen und einer ordentlichen Portion Ricotta/Spinat-Tortelloni.

Basislager
Kaum war ich damit fertig, rückte der Veranstalter auch schon ein Zelt unmittelbar neben das Wohnmobil. Ich versuchte also, Kontakt aufzunehmen und zu fragen, ob ich im Weg bin. Es entwickelte sich das gleiche Gespräch wie letztes Jahr "Ruski?" - "Nema ruski" :-). Aber es war auch ein Mitarbeiter zugegen, der mit mir auf Englisch konversieren konnte. So klärten wir die Sachlage. Ja, sie brauchten den Platz, wo ich gerade parkte, aber ich kann mich problemlos ein paar Meter weiter vorne hinstellen. Und ja, das Zelt kann ich dann auch aufstellen. Gut, super. Also ein Stückchen weiter nach vorne parken fahren und dann auch gleich das Zelt aufbauen, weil dann ist das Basislager fertig und ich kann beruhigt dem Start entgegen fiebern. Unser geniales Faltzelt kann man netterweise auch alleine aufbauen, nur das Abspannen war teilweise etwas schwierig im Asphalt :-). Aber ein paar Löcher fand ich doch und zusätzliche Wasserkanister als Beschwerung machten das Zelt windfest. Also sehr stressfrei alles erledigt. Heuer ist am Renntag kein Zeltaufbau um 6h früh nötig (siehe Bericht des Vorjahrs).

Bahnhof Sárvár
Warum übrigens Aufbau alleine? Meine Frau Carola konnte nicht so früh mit mir nach Sárvár fahren, sondern hatte noch zu arbeiten und kam mit dem Zug nach. Der hatte leider etwas Verspätung, sodass sie den Anschluss von Szombathely nach Sárvár verpasste und eine Stunde später eintraf. Aber kein Problem, wir waren nicht im Stress und so döste ich einfach noch etwas weiter im Wohnmobil. Ziemlich warm war es übrigens in Sárvár. Nicht direkt heiß, aber doch zumindest 20°C hatte es. Angenehm, aber ungewohnt. Zumindest mein Wetterwunsch ging schon einmal in Erfüllung: besser (zu) warm als 24 Stunden Dauerregen und Kälte.

Ich machte mich zwischendurch auch auf eine Runde Streckenbesichtigung auf. Hm, ein wenig verklärt hatte sich meine Erinnerung an Sárvár doch oder der Asphalt hatte den Winter über massiv gelitten. Einige Löcher fielen mir auf, auch ein leichtes Hängen nach innen, aber letztes Jahr war es doch gut laufbar. Das tat meiner guten Stimmung jedenfalls keinen Abbruch. Es wird schon funktionieren morgen.

Mittlerweile war auch Matjaz B., unser slowenischer Wohnmobil-Nachbar vom Vorjahr, eingetroffen, also wirklich alles ident zum Vorjahr - nur würde hoffentlich meine Leistung besser sein.

Restaurant Tinódi
Jetzt war es aber wirklich Zeit für Startnummernabholung und Pasta-Party. Beides im Restaurant Tinódi, ca. 800m von Start/Ziel entfernt. Dort traf ich dann auch Carola, die es nun ebenfalls nach Sárvár geschafft hatte. Mit Miro K. sah ich ein weiteres vertrautes Gesicht, der vor zwei Wochen in Turin bei der Weltmeisterschaft am Start gewesen war, dem es dort aber nicht gut ergangen war und er das Rennen hatte abbrechen müssen.

Ungarische Pasta
Es hatte sich mittlerweile eine Schlange gebildet und so musste man ein wenig auf die Ausgabe der Startnummer warten. Etwas, was mich normalerweise vor einem Lauf massiv nervt. Aber ich war diesmal extrem gelöst und locker, sodass es mich nicht im geringsten störte. Allzulange dauerte es auch nicht, nach 10 Minuten etwa hatte ich meine Startnummer 46 (bringt die Glück?) und konnte mir den Teller Pasta abholen. Wieder die gute vegetarische Pasta wie im Vorjahr mit Nudeln, Kartoffeln und natürlich Essiggurkerl. Hmmm, gut schmeckte die. (Da bekomme ich jetzt beim Verfassen des Berichts gleich wieder Hunger!)

die ehemalige Wasserburg
Danach zurück zum Wohnmobil, die Strecke noch einmal abgehen, auch ein bisschen in die Burg hineinlugen und dann wieder Beine hochlagern am Abend und ca. um 21h45 ab ins Bett, morgen würde es ja ein langer Tag werden.

Die Nacht war auch sehr gut, ich schlief tief und fest durch bis 7h45 als der Wecker läutete. Aufstehen, Frühstücken, alles fühlte sich total locker und entspannt an. Ein bisschen Infrastruktur fürs Zelt rausräumen (Lampen, Camping-Liegen, Tisch), meine Betreuer Winfried, Diana & Michael begrüßen, die mittlerweile auch in Sárvár angekommen waren. Dann rein ins Laufgewand und wieder ein bisschen hinlegen. Carola bereitete währenddessen die ersten paar Liter Iso-Getränk (UltraSports Buffer) zu.

Dream-Team
Foto: Michael Bernard
Das Laufgewand war übrigens die dünnste Variante, die ich mit hatte, denn schon jetzt um 9h30 war es gehörig warm. Kein Vergleich zum Vorjahr, wo ich beim Start etwas fröstelte. Ich trabte noch ein paar Meter auf und ab, dann Einschwören mit den Betreuern, dass wir als Team alles geben werden für viele Kilometer und dann war's eh schon Zeit für die Startaufstellung.

Dort traschte ich dann während der Ansprachen, von denen ich leider aufgrund meiner mangelnden Ungarisch-Kenntnisse nix verstand (außer die Stellen, wo zu applaudieren war), ein wenig mit Miro und wünschte auch Matjaz alles Gute.

Start
Foto: Michael Bernard
Countdown, gleich geht's los. Ja, jetzt geht's los. 10 Uhr - Start! Ein halbes Jahr Training soll heute umgesetzt werden. Die erste Runde (Rundenlänge 1.030,73 Meter) laufe ich wie geplant etwas flotter in 4:42min/km, um dann über die nächsten Runden kontinuierlich langsamer zu werden und nach 6 Runden pendelt sich mein Tempo schön bei ca. 5:53-5:55min/km ein. Also ziemlich vergleichbar mit dem letzten 100km-Trainingslauf im Prater.

die ersten Meter
Foto: Michael Bernard
Es fühlt sich zwar nicht schlecht an, aber es läuft nicht so locker wie bei eben diesem Trainingslauf. Dabei bin ich körperlich wesentlich erholter, aber irgendwie fühle ich mich gehemmt bzw. spüre einen gewissen Druck.

Schließlich hatte ich für jede Menge Publicity im Vorfeld gesorgt, um auf meine Benefizaktion zugunsten der Stiftung Kindertraum aufmerksam zu machen. Dazu gehörten auch die wöchentlichen Blog-Einträge, die auch der Dramaturgie wegen natürlich Hochrechnungen "Wie weit kann ich es schaffen?" enthielten. Die (meine?) Erwartungen waren daher hoch gesteckt. Auch einige andere Ultraläufer waren überzeugt, dass die 200km-Marke diesmal fallen würde. Ich selbst gebe die Parole aus: Mindestziel ist eine neue Bestleistung, realistisch sind 190-195km und wenn ich den optimalen Tag habe, dann könnte ich auch über 200km erreichen. Natürlich hoffe ich sehr auf den optimalen Tag.

Diese Publicity wirkte auch, 44 private Sponsoren konnte ich akquirieren, eine neue Bestleistung und selbst bei "nur" 100 Laufkilometern, hätte ich bereits fast EUR 1.500,- für den guten Zweck hereingelaufen. Bei 170/180/190km wären es EUR 3.400 / 3.700 / 4.000. Diese Summen sollten dann auch noch von der gemeinnützigen Stiftung meines Arbeitgebers verdoppelt werden, es ging also um wirklich viel.

Diana & Twinky-Motivation
Foto: Michael Bernard
Zur Motivation hatte Carola auf meine Bitte hin auch ca. alle 200m an Laternen, Elektrokästen und ähnlichem meine persönliche Twinky-Motivation geklebt, damit mir stets bewusst ist, wofür ich meine Runden drehe!

Werde ich den Erwartungen gerecht werden können? Mittlerweile war es jedenfalls richtig warm geworden. Wenigstens wehte ein leichter Wind, der für ein wenig Kühlung sorgte, aber nichtsdestotrotz war es unumgänglich auch die Kappe regelmäßig einzuwassern, um den Kopf kühl zu halten.

Nach 3 Stunden und ca. 31km ist es Zeit fürs Mittagessen und eine ordentliche Portion Pasta - natürlich genossen im Gehen. Die schmeckt gut, aber das Gefühl der Leichtigkeit will sich trotzdem nicht einstellen. So trotte ich dahin.

Der zeitgleich gestartete 6-Stundenlauf befindet sich nun schon im letzten Drittel und die 6h-Läufer sind alle ziemlich erledigt. Sehr viele gehen, teilweise ist nun ein wenig Slalom laufen notwendig. Viele klagen auch über die Hitze wie ich den Gesten und teilweise Gesprächen mit mir entnehmen kann.

5h33 - es wird zäh
Nach 5 Stunden spüre ich deutliche Schmerzen im rechten Gesäß, die auch den Oberschenkel hinunter ausstrahlen. Da dürfte der Piriformis, die Adduktoren und der untere Rücken schon ziemlich angeschlagen sein. Ich vermute eine Auswirkung der kontinuierlichen leichten Linkskurve mit Neigung zum Straßenrand. Naja, hilft nix, da muss ich durch, hoffentlich vergeht es wieder bzw. wird wenigstens nicht schlimmer.

16 Uhr. Der 6h-Lauf ist nun fertig und die HeroInnen sitzen auf der Strecke herum und warten auf die Restmetervermessung. Ich gratuliere jedem beim Vorbeilaufen (Gratulálok! Gratulálok!), das lenkt auch mich von den Strapazen - leider sind es bereits jetzt welche, eigentlich viel zu früh, bei dem was noch die nächsten 18 Stunden auf mich wartet! - ab. Meine Hoffnung ist, dass es jetzt wenigstens kühler wird.

Wasserschaffeln heiß begehrt
Die Hoffnung wird aber bald zunichte gemacht, denn der Wind lässt nach bzw. legt sich komplett, sodass nun der Kühlungseffekt fehlt. Ergo: es wird gefühlt noch wärmer!

Miro hat mittlerweile die Segel gestrichen, für seine geplante Leistung war es einfach zu warm und sein Magen spielte bei den Temperaturen nicht mehr mit. Schade, wieder ein Mitläufer weniger, mit dem ich mich etwas unterhalten konnte oder mich einfach freute, wenn wir uns bei einer Überrundung (also er mich :-)) begegneten.

Auch Matjaz sehe ich fast unmittelbar danach geduscht im Badetuch neben unserem Stellplatz stehen. Offenbar hatte ihm die Hitze ebenfalls zu schaffen gemacht.

nach etwas über 8h
Foto: Michael Bernard
Nach 8 Stunden bin auch ich extrem fertig (sieht man später auch am Video unten - ABER HALT, erst weiterlesen, Video schauen gibt's später als Belohnung fürs Lesen! :-D). Ich habe gerade erst einmal 76km geschafft, bin also langsamer als beim 100er-Trainingslauf. Irgendwie ist es auch sehr fad, ich habe kaum Gesprächspartner, damit viel Zeit, in mich hineinzuhören und auszuloten, wo es denn überall zwickt und zwackt im Körper. Sehr viele Gehphasen habe ich nun auch schon und der Kopf fühlt sich durchgekocht an. Hoffentlich habe ich nicht zuviel Hitze abbekommen.

Gefühlt drohen mir jetzt jedenfalls 16h gehen. Ja, ich Idiot beginne zu denken und zu rechnen und vor allem in die Zukunft zu denken. Hör auf damit, das macht Dich nur fertig! Aber aus dem Strudel rauskommen ist gar nicht so einfach. Eigentlich würde ich jetzt am liebsten aufhören. Ich überlege, Diana & Michael, die extra für die Übernachtung ein Appartment gemietet haben, zu fragen, ob sie das nicht noch stornieren können und heimfahren wollen - weil mir 16 Stunden beim Wandern das Handerl halten, das bringt ja nix. Aber ich sage nichts, weil ich den Ausgang der Diskussion ohnehin erahne und außerdem habe ich ja versprochen, nicht zu jammern.

Und dann sind da noch die Spenden. Weil 76km habe ich schon und wenn ich jetzt 16 Stunden wandere zu 5 Kilometer die Stunde, dann sind das auch nochmals 80 Kilometer mehr. Also weitermachen! Vom 200er verabschiede ich mich, dem Druck habe ich nicht standgehalten und wohl trotz Hitze etwas zu sehr aufs Tempo gedrückt.

Etwas deprimiert bin ich jetzt schon, weil ich habe das Gefühl, alles unter 200 Kilometer gilt als Niederlage, selbst wenn ich zu einer neuen Bestleistung laufen würde (an die ich momentan aber auch nicht mehr glaube). Ich habe für mich selbst auch nicht das Gefühl, stolz auf eine Leistung unter 200 Kilometern sein zu können. Ich bekomme den Kopf einfach nicht frei von diesen Gedanken und dieser Emotion. Es läuft einfach nicht so recht.

Aber weiterkämpfen. Irgendwann wird es schon wieder besser werden, die ultralichen Wiederauferstehungen habe ich bei mir doch schon einige Male erlebt, glaube aber momentan nicht daran.

In dem Bericht von Thomas B. von der 24h-WM in Turin habe ich die Idee, Ingwer während des Laufs zu essen, gefunden. Das hat mir zugesagt, weil frischen Ingwer mag ich ja (esse ich abends fast täglich kleinwürfelig eingerührt in einer Topfen-Erdbeer-Mischung). Das sollte wohl den Magen beruhigen, aber ich denke auch gegen Entzündungen wirken und vor allem durch die leichte Schärfe für neue Frische auch im Kopf sorgen. Hat gar nicht so schlecht funktioniert und auch den Kohlenhydrategeschmack aus dem Mund verdrängt.

Aber die geistige Frische wich leider bald wieder der Fadesse und nachdem Ingwer und die Stimmung an der Strecke mir nicht aus dem Tief raus halfen, da nur auf ca. 400m Länge bei Start & Ziel mehr los war, man dann aber auf 600m der Strecke praktisch komplett alleine war, nehme ich mir nun bereits nach 9 Stunden den MP3-Player und setze auf die Kraft der Musik. Das lenkt nun etwas ab, von Anfang an wollte ich ihn aber nicht nehmen, um einen Joker zu haben. Eigentlich hatte ich ja auch gehofft, länger ohne Musik durchzuhalten und erst ab Mitternacht (also nach 14 Stunden) mit Musik zu laufen.

Jetzt geht dann übrigens bald die Sonne unter, es sollte also wirklich besser werden und die Nacht verspricht dafür wenigstens mild zu werden.

läuft wieder besser
Foto: Michael Bernard
Der 12-Stundenlauf befindet sich auch bereits in der Endphase und Csaby, einer der Läufer mit seinem Namen am Trikot (gute Idee, so etwas brauche ich auch ;-)), überrundet mich in dieser Gehphase wieder und wieder. Er selbst legt übrigens auch immer wieder kurze Gehpausen ein, wenn ihn aber jemand mit "Hajrá, Hajrá" anfeuert, sprintet er mit einem breiten Lachen los als wäre der Lauf gerade erst gestartet worden. Das fällt mir natürlich auch auf und so gibt's auch von mir für Csaby "Hajrá, Hajrá". Im Gegenzug klatscht er dafür ab und so habe ich etwas Ablenkung und versuche auch wieder ins Laufen zu kommen. Nach dem Lauf komme ich übrigens drauf, dass Csaby in den 12h 137,56km absolviert hat - alter Schwede (oder Ungar?! ;-)), eine richtig starke Leistung und das mit einem etwas unorthodoxen Rhtyhmus.

Langsam wird es mit den kühleren Temperaturen auch bei mir besser, meine Betreuer versuchen auch alles zu meiner Unterstützung. Mein erstes Teilziel von 100km in 10h30 schaffe ich leider nicht, es werden 10h53. Aber es ist ja noch nix verhaut, vielleicht geht der 200er ja doch noch, wenn ich jetzt wieder in Fahrt komme. Jedenfalls sollte es doch noch eine respektable Leistung werden können. Aber ich sollte aufhören, herum zu überlegen, das bringt ja jetzt noch gar nix. Wie sagte mir Georg M. vor dem Lauf: erwarte nichts vor Stunde 20. Aber es gelingt mir offensichtlich nicht :-(. In Stunde 11 bin ich auch wieder deutlich langsamer geworden, dafür esse ich ordentlich.

Outfit für die Nacht
Foto: Michael Bernard
Stunde 12 wird dann mit nur 5,3 absolvierten Kilometern die zweitlangsamste des ganzen Laufs. 106km hab ich aber dennoch nach 12 Stunden geschafft und mit der Regel "in der zweiten Hälfte 20km weniger als in der ersten" käme ich auf 192km. Langsam werde ich wieder munterer, fühle mich auch fitter, nur etwas kühl wird es. Also zunächst ein langärmliges Leiberl oben drüber anziehen. Das ist gut, aber jetzt werden die Knie kalt. Also rein in die neue 3/4-Hose, die ich extra noch 1,5 Wochen vor dem Lauf im Geschäft von "Laufpapa" Blutsch gekauft habe. Weil bis jetzt hatte ich keine richtige Alternative für Temperaturen zwischen 10° und 17°C. Aber die Hose ist perfekt.

Dafür ist mir jetzt, wo die Knie gewärmt werden, oben etwas zu warm in der Gesamtklimakonstellation. Also kurzärmliges Shirt ausziehen, nur langärmliges anbehalten. Das ist oben wieder zu kalt. Damit ich mich nicht dauernd Runde für Runde an- und ausziehen muss - kostet ja Zeit und mit dem Kabel vom MP3-Player verheddere ich mich dabei auch ein paar Mal - ziehe ich nun einfach ein Singlet oben drüber an. Schaut vielleicht komisch aus, aber wirkt. Jetzt habe ich die passende Temperaturabstimmung gefunden.

Ich glaube, in dieser Phase spricht mich auch Attila D. an. Ein Ungar, der eigentlich in Bregenz lebt, und den 24-Stundenlauf mit einem Heimatbesuch verbindet. Rein optisch erinnert er mich an den lieben Ultraläufer Franz L. - und auch vom Wesen ist er ebenso nett wie Franz. Die Unterhaltung tut sehr gut, irgendwann sagt Attila, dass er jetzt aber wieder etwas joggen muss. Naja, ich kann leider noch nicht. Oder doch? Ich versuche es und es funktioniert so halbwegs. Unsere Wege trennen sich dann doch aber wieder aufgrund des unterschiedlichen Tempos, aber ein paar Mal laufen wir auch später immer wieder zusammen.

Ich komme nach 14 Stunden dann wieder richtig ins Laufen. Lockere Runden in knapp über 6:00min/km folgen. So geht das die nächsten Stunden dahin, ich ziehe durch die Nacht, pflüge durchs Feld und bin gefühlt der Zweit- oder Drittschnellste auf der Strecke. Zumindest überholt werde ich nur von ein bis zwei Läufern. Nach 13h52 habe ich 120,6 Kilometer absolviert. Also noch 10 Stunden Zeit für 80km, noch 80km bis zum großen Traum. Das muss doch gehen. Vor allem fühle ich mich gerade bärenstark, so kann ich ja ewig dahin laufen.

Winfried, der in dieser Phase Betreuerdienst hat, mahnt zur Vorsicht und dass ich etwas zu schnell laufe. Hm, ja, da hat er schon recht. Aber es läuft gerade so gut, es fühlt sich locker an und ich muss eh die bisherigen Schwächephasen aufholen. Außerdem: besser jetzt die gute Form nutzen, weil wer weiß, wann es wieder nicht mehr läuft. Ob eine Tempoverringerung rückblickend betrachtet doch etwas gebracht hätte? Ich weiß es nicht. Gefühlt habe ich nicht überpaced, weil anstrengend hat sich das Laufen nie angefühlt, sondern endlich exakt so locker wie in den Trainingsläufen.

es/er läuft noch ...
Foto: Michael Bernard
Nach 16 Stunden habe ich 140km in den Beinen, ich laufe etwa einen Schnitt von 6:27min/km, also ca. 9,3km/h. D.h. halte ich diesen Schnitt noch zwei Stunden, dann habe ich 6 Stunden Zeit für einen Marathon und bin bei 200km. Mensch ja, das muss doch funktionieren, das könnte doch noch mein Tag werden.

Aber wie das so ist beim 24-Stundenlauf, theoretisch alles ganz einfach, praktisch fällt mir nach 17h und knapp 150 Kilometern das Laufen wieder schwerer und schwerer. Innerhalb von 20 Minuten breche ich radikal ein und kann nach 17h20 wieder nur gehen. Mit Diana & Michael, die mich jetzt betreuen, werfe ich das Notfallprogramm an: Gels, Maltodextrinmischung, Kekse, alles was ich habe verputze ich. Und ich marschiere weiter in der Hoffnung, dass es mit der Energie bald wieder besser wird. Aber ich verfalle dennoch zunehmend. Das gibt es ja nicht. Ein paar Sitzpausen von zwei bis vier Minuten lege ich jetzt auch ein, vielleicht tut es den Beinen gut. Der Kreislauf spinnt auch ein wenig, meist ein Zeichen, dass der Darm seinen Auftritt haben möchte. Somit auf den Topf. Ja, war nötig und hilft ein wenig.

Beim Gehen wird mir jetzt richtig kalt, also mehr anziehen. Immer wieder versuche ich anzulaufen, aber es geht einfach nicht.

im Tief
Foto: Michael Bernard
Irgendwann in dieser Gehphase und frühmorgens dann auch eine Schrecksekunde. Etwa 300 Meter der Laufstrecke befinden sich auf einer der Hauptstraßen von Sárvár, wobei der Läuferbereich durch Absperrhütchen abgetrennt ist. Ein paar Halbstarke versuchen, mit ihrem Auto zwischen diesen Hütchen Slalom zu fahren, kommen dabei natürlich auch in den Läuferbereich, wo aber gerade keiner läuft. Aber mit zwar noch einigem Abstand kommen sie mir entgegen. Sicherheitshalber hüpfe ich (naja, in meinem Zustand klettere ich eher) auf den Gehsteig. Einem Absperrhütchen können sie übrigens nicht mehr ausweichen, das fliegt quer über die Fahrbahn. Danach reicht es ihnen wenigstens mit Slalom fahren und sie fahren "normal" weiter. Puh, mein Adrenalinspiegel ist jetzt jedenfalls mal oben. Aber wirklich besser geht's mir trotzdem nicht.

Aber gut, wenigstens sind die 24 Stunden bald vorbei, die letzten Stunden Durchwandern ist zwar fad, aber das geht schon. Blödmann, warum schaust Du soviel auf die Rennuhr, wieviele Stunden es noch sind. Naja, sie steht gar so plakativ bei Start & Ziel. Auch meine Kilometer an der Anzeigetafel erkenne ich jetzt in der Dunkelheit perfekt. Das war in Irdning letztens besser, da habe ich kaum etwas mitbekommen bzw. war auch durchs Publikum abgelenkter.

Auch die Bauchmuskulatur zwickt jetzt schon gewaltig, ich kann mich nicht mehr richtig aufrichten. Genau orten kann ich es nicht, ob es die Stützmuskulatur ist, der Magen selbst, der innerlich zwickt, oder das Zwerchfell vom Atmen. Jedenfalls: es ist unangenehm und ich bewege mich in etwas gekrümmter Haltung voran. Nicht optimal für eine entspannte Fortbewegung.

Jetzt geht langsam die Sonne auf, die Vögel erwachen, bald ist es geschafft. Und ja, ich könnte doch noch in die Nähe meiner Bestleistung kommen. Meine Betreuer ermahnen mich, ordentlich zu essen, aber es sind so komplizierte Wahlfragen ob ich lieber A oder B möchte. Aber immerhin hat es zur Folge, dass ich mich auf jeden Fall für A oder B entscheide. Weil bei nur "Magst Du A?" kann ich ja mit Ja oder Nein antworten, also eine 50% Chance, dass ich nix nehme. So nehme ich mit 100% Wahrscheinlichkeit jedenfalls A oder B. Gute Strategie!

Auch Trinken soll ich. Nun, das ist ein wenig ein Problem. Denn jedes Mal trinken, und seien es auch nur ganz wenige Schlucke, bringen meine Blase auf Trab und ich muss pinkeln. Eh gut, dass die Niere funktioniert, aber halt lästig, weil ich dabei wertvolle Zeit verliere. Irgendwann teile ich meinen Betreuern (ich weiß nicht mehr, wer genau sich dieses Bild im Kopf vorstellen musste) mit, dass ich mich jetzt bald einfach anpische, weil mir das dauernde Stehenbleiben schon so auf die Nerven geht - habe ich dann aber eh nicht durchgezogen!

Im Feld sind jetzt auch nur mehr die letzten KämpferInnen auf der Strecke und wir motivieren uns gegenseitig so gut es geht. Das gibt Kraft. Auch Miro steht wieder an der Strecke und feuert an. Die letzten zwei Stunden. 178 Kilometer habe ich schon. Also meine Sárvár-Bestleistung vom Vorjahr ist eingestellt. Wenn ich jetzt einen Halbmarathon in knapp unter 2 Stunden schaffen würde, wären sogar noch 200 Kilometer drinnen. Aber das geht nicht mehr, da ist leider kein Laufen derzeit mehr drinnen. Meine Beine sind einfach nur steif. Es krampft nichts, aber die Beweglichkeit ist dahin. Wenn ich anlaufe, fühlt sich das an wie ein Brett. Ich kann beim "Laufen" nur mit den Füßen über den Boden schleifen. Zumindest fühlt es sich so an. Also gehen, gehen, gehen, da kommen auch Kilometer zusammen und mit 5 Kilometer pro Stunde schaffe ich auch noch 10 Kilometer und damit eine neue Bestleistung: bisher waren das 185,795km, die es zu schlagen gilt und überschlagsmäßig komme ich in Richtung 188km.

eine knappe Stunde noch
Foto: Michael Bernard
Aber mit Gehen und Laufschlurfen bin ich doch etwas flotter und so habe ich nach 23h10 186,56 Kilometer geschafft und habe mein Mindestziel einer neuen Bestleistung erreicht! Ich juble bei Start & Ziel, bin aber der einzige. Meine Betreuer schauen mich nur groß und fragend an. Ich bin aber zu fertig, um ihnen zu erklären, warum ich juble, sondern laufe halt einfach - leicht verwundert - weiter. Nachher erfahre ich, dass in den internen Aufzeichnungen ihnen zu dem Zeitpunkt eine Runde gefehlt hatte. Das hatten sie auch vermutet, aber gleichzeitig hatten sie mit mir alle Hände voll zu tun und mein Wohlergehen hatte Vorrang vor der Richtigstellung des Zahlensalats. So erwarteten sie daher erst eine Runde später die Bestleistung. Naja, besser so als sie jubeln eine Runde zu früh oder kümmern sich nicht um mich um die Zahlen richtig zu stellen :-D. Und so haben sie dann nach 187,6km halt gejubelt, da war's aber für mich schon wieder vorbei und ich setzte mir neue Ziele.

42 Minuten noch ...
Schließlich hatte ich noch 42 Minuten Zeit, da müssen sich doch 190km auch noch ausgehen. Bei meinem momentanen Tempo müsste es sich auch ziemlich genau so ausgehen, dass ich nach 24 Stunden genau bei Start & Ziel zu stehen kommen sollte. Richtig laufen kann ich nicht mehr, in der linken Wade hat sich mittlerweile doch ein ziemlich brennender Knödel in der Muskulatur gebildet. In diesen Schmerz möchte ich nicht zu stark hineinlaufen, damit da nichts passiert. Laufschlurfen funktioniert halbwegs, dann aber wieder Gehen zur Entlastung. Ein Endspurt wie letztes Jahr in Sárvár ist leider nicht mehr drinnen.

190,7 Kilometer, vorletzte Runde. Fein, knapp über 192km sollte ich wohl schaffen.

191,7 Kilometer, Runde Nummer 187 wird jetzt die letzte vollständige Runde werden. Carola begleitet mich nun auf dieser und sagt mir, dass ich nach Start & Ziel noch 300 Meter schaffen muss, damit ich auch die 193km knacke. Ich meine nur, das geht nicht mehr, versuche aber doch so oft als möglich anzulaufschlurfen.

Bei der letzten Annäherung zu Start & Ziel, 192,75 Kilometer habe ich jetzt, sehe ich beim Countdown, dass ich noch 1:50 Zeit habe. Mensch, das muss sich ausgehen, denn 300m im 5:00min/km-Schnitt dauern 1:30, jetzt bin zwar etwas langsamer beim Laufschlurfen, aber wenn ich noch raushole was geht, komme ich vielleicht in die Nähe eines 5er-Schnitts. Mit gefühlt 45° Rückenlage, vollem Fersenschritt geht's über die Zeitmessmatte und ich laufschlurfe was das Zeug hält. Beim Zelt versuche ich zu schreien, dass mir der Camping-Sessel hinterhergetragen wird, weil wenn's vorbei ist, dann bin ich wohl streichfähig. Aber mir fehlt die Kraft und es wird eher ein Flüstern. Carola vermutet, dass Winfried mein "Sessel bitte" nicht gehört hat, wir sind am Zelt schon vorbei, so schreit sie sicherheitshalber noch rasch "Sessel!!". Ich habe einen Tunnelblick, habe nur mehr eine Auge offen (beide wäre zu anstrengend), sehe nur mehr auf zwei oder drei Metern die Strecke vor mir. Schlurfen, Schlurfen, Schlurfen.

Der ungarische Countdown von 10 Sekunden runter setzt ein. 10, 9, 8, 7, da vorne ist im Augenwinkel ein Schattenfleck, da will ich hin, 6, 5, 4, Schatten, gleich hab ich ihn, 3, 2, 1. Schatten erreicht. Ende. Ich bleibe stehen, die Blase meldet sich auch sofort wieder. Carola hat die letzten Minuten mitgefilmt, aber jetzt, wo ich in die Büsche muss, ersuche ich sie, abzudrehen :-).

FERTIG!
Erleichtert (im mehrfachen Sinn) setze ich mich in den Sessel, der auch mittlerweile eingetroffen ist. Geschafft, aber ich bin zu fertig für irgendeine Emotion. Bin einfach nur froh, dass es vorbei ist.

Restmetervermessung
Etwas desorientiert sitze ich da, weiß nicht genau, was jetzt tun. Jedenfalls warten auf die Restmetervermesser. Die kommen auch recht bald und das Wichtigste ist mir jetzt natürlich, ob es mit den 300 Metern geklappt hat. Ja, hat es! 193km sind auch geknackt und genau sind es 193,123 Kilometer geworden (auf den Meter genau leicht zu merken ;-)).

Jetzt also Zurückhumpeln zum Basislager, den Mitläufern gratulieren. Meine Betreuer bauen das Basislager ab. Das ist irgendwie immer der traurige Moment, wenn sich bei einem Ultralauf binnen zwei Stunden alles auflöst und es so aussieht, als wäre die 24 Stunden davor gar nix gewesen.

Siegerehrung
Heuer bleibe ich auch noch zur Siegerehrung, schließlich haben meine 193,123 Kilometer neben dem 8. Gesamtrang auch für den 3. Platz in der Altersklassenwertung gereicht. Juhu!

Fazit: ich bin zufrieden mit der Leistung, aber nicht euphorisch, dazu waren die Erwartungen zu hoch. Um das Positive zu sehen: immerhin habe ich meine Bestleistung von 172,4 Kilometer im September 2013 in 19 Monaten um ca. +12% auf nunmehr über 193km steigern können.

Aber so "richtig" gut läuft es halt leider immer noch nicht. Vor allem auch angesichts des Trainingsaufwands, den ich jetzt für Sárvár betrieben habe.

Ich muss mir also überlegen, wie es jetzt weiter gehen soll. Vielleicht ein Schritt zurück und im Herbst auf einer Unterdistanz, sprich Marathon, schneller werden? Wie kann ich für den nächsten 24-Stundenlauf mein Training effizienter gestalten? Weil noch mehr Umfang schaffe ich einfach zeitlich neben meinem im Schnitt 45 Stunden pro Woche-Job nicht.

Auch mein Laufstil fühlt sich zwar für mich gut und nach Mittelfuß an, aber wenn ich das nachstehende Video betrachte, dann schaut das extrem ineffizient aus.

Mit dem Druck der Publicity muss ich auch besser umgehen lernen. Einerseits war es sicherlich gut, weil es mich auf der Strecke gehalten hat, andererseits spukte dauernd der 200er im Kopf herum. Ich sollte vielleicht einfach mal einen 24-Stunden-Trainingslauf für mich machen, da bin ich wahrscheinlich deutlich besser - Trainingsweltmeister?

Andererseits hat die Publicity genau bewirkt, was mir das höchste Ziel des letzten halben Jahres war. 44 private Sponsoren wandeln meine Laufkilometer in Bares zugunsten der Stiftung Kindertraum um. Quantifiziert heißt das: EUR 4.099,24 sind den Sponsoren meine Laufkilometer wert und nachdem viele Sponsoren auch großzügig die zugesagten Spenden aufrunden, wird es noch etwas mehr werden!

Herzlichen Dank dafür (in zufälliger Reihenfolge) an: Barbara, Albert, Mihi, Franz, Martin, Uschi, Eveline, Anna, Lotte, Herbert, Silvin, Julia, Christian, Didi, Karin, Georg, Marek, Alexandra, Josef, Karin, Michael, Xavier, Tobias, Harald, Richard, Manfred, Rene, Petra, Claudia, Johann, Franz, Angela, Anna, Markus, Oliver, Christian, Gerald, Dorothea, Susanna, Stefan, Konrad, Diana, Michael, Helge, Peter, Susan, Manfred, Heinz und Rudi! Ihr seid einfach Spitze und Danke, dass ihr meiner Lauferei einen tieferen Sinn gebt!

Sobald alle Spenden am Spendenkonto eingegangen sind und ich auch die Verdoppelung des Betrags durch die Macquarie Group Foundation (gemeinnützige Stiftung meines Arbeitgebers) erreicht habe, werde ich gemeinsam mit der Stiftung Kindertraum ein entsprechendes Projekt zur Erfüllung eines Kinder-Herzenswunsches auswählen, dem dieser Spendenbetrag zu Gute kommen wird.

Neben den Bildern hier im Blog gibt's abschließend auch noch knapp 15 Minuten vor allem mich in bewegten Bildern mit der Original-Tonspur. Viel Spaß beim Anschauen!


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Ex-post Analyse:

Um das "Rätsel" zu lösen, warum es wieder nicht ganz so lief wie erträumt, habe ich natürlich einige Analysen angestellt. Datenmaterial habe ich dank detaillierter Aufzeichnungen sowohl der Laufrunden als auch der Verpflegung genug dazu.

Dabei fällt zunächst schön der Verlauf relativ zum Optimum (das wären 203km) auf - immer auch im Vergleich der letzten drei 24-Stundenläufe. Bis Stunde 6 war ich so gut unterwegs wie noch nie, dann kam das erste Tief, aus dem ich mich bis Stunde 10 wieder erfing und ähnlich lag wie in Sárvár im Vorjahr. Dann ging es richtig bergab, aber ab Stunde 13 konnte ich mich wieder erfangen und bis Stunde 17 kämpfte ich mich aufs Optimum zurück, um dann neuerlich einzubrechen. Die folgenden 4 Stunden kosteten dann die Traummarke. Ab Stunde 21 bewegte ich mich wieder recht gut im Einklang mit dem Optimum.

Zeit/Weg-Diagramm der letzten 3 24-Stundenläufe
sowie Verlauf des optimalen Rennens

Hier übrigens auch noch die Laufleistungen je Laufstunde.



Natürlich kann's viele Gründe für diese Schwankungen geben - die mentale Komponente hat sicherlich eine große Rolle gespielt, die kann ich aber nicht quantifizieren. Jedoch kann ich mir anschauen, wie es energiemäßig ausgesehen hat und ob's möglicherweise daran gelegen hat. 

Und dabei fällt mir auf, dass ich - wie ich knapp vorm Start noch Carola instruiert hatte - "nur" ca. 40-50g Kohlenhydrate pro Stunde genommen habe. Idealerweise wäre wohl etwas mehr (in die Richtung von 50-60g/h) besser gewesen.


Wenn man sich - ausgehend von 400g Kohlenhydrate, die in der Muskulatur aufgrund des Taperings und Carboloadings eingelagert sind - den Verlauf der Energiebilanz ansieht, dann kann man schon ableiten, dass ich immer dann ins Laufen kam, wenn die Energiebilanz für einige Stunden konstant war.



Im Vergleich dazu übrigens die Grafiken von Irdning 2014.



Das sieht jetzt auf den ersten Blick so aus, als hätte ich in Sárvár deutlich weniger Energie aufgenommen als in Irdning. Ist aber nicht so. In Irdning waren es 1.039g Kohlenhydrate, in Sárvár 1.024g. Allerdings lag der Gesamtenergiebedarf aus zugeführten Kohlenhydraten (den Rest erledigt der Fettstoffwechsel) in Irdning aufgrund der geringeren Leistung bei nur 1.228g Kohlenhydrate, in Sárvár allerdings bei 1.272g.

Mein ex-post-Fazit: das Training hat wohl geholfen, dass ich bei gleicher Energiezufuhr doch deutlich weiter gelaufen bin. Natürlich spielen da auch die geringeren Temperaturen und der frühere Start eine Rolle.

Es ist nun die Frage, ob mein Stoffwechsel noch effizienter werden muss und kann (und wie ich das trainingstechnisch effizient erreiche), damit ich bei konstanter Energiemenge weiter komme. Oder ob ich einfach nur versuchen sollte, mehr zu essen, damit ich mit mehr Energie weiter komme. Allerdings: selbst die 40-50g/h Kohlenhydratezufuhr jetzt in Sárvár und auch zuletzt in Irdning war nicht so einfach, weil hungrig fühlte ich mich eigentlich nie und ob der Magen bei mehr Kohlenhydraten verrückt spielt, ist auch die Frage. Das kann man auf diesem für mich neuen Niveau von "190 Kilometer plus" wohl nur durch Trial & möglicherweise Error herausfinden. Aber eventuell sollte ich noch etwas mehr mischen, d.h. neben UltraSports Buffer, UltraSports Gels und Vollkornkeksen (das sind die wesentlichen Bestandteile meiner 24-Stundenlaufernährung) auch eine einfache Maltodextrinmischung, die nämlich geschmacklos ist, nehmen.

Das ist aber das Schwierige und zugleich Faszinierende am 24-Stundenlauf: jeder Lauf bietet aufgrund der Länge andere Umstände und Herausforderungen und man hat auch nicht so viele Chancen im Jahr zu testen.

Oder überhaupt: nicht so viel denken, analysieren und herumüberlegen, sondern einfach nur üben: "Hirn ausschalten & rennen im hier und jetzt".