Sonntag, 8. März 2015

Woche 18 - ein Tag im LAZ

Nein, LAZ ist kein Krankenhaus oder ähnliches, sondern die Abkürzung für das Leichtathletik-Zentrum des Wiener Leichtathletikverbands, wo auch eine 400m-Laufbahn beheimatet ist. Früher bekannt als "Cricket-Platz" oder "Laufen auf Cricket". Warum habe ich diese Woche einen Tag dort verbracht?

GPS-Track der langen Einheit
Wie im Blog der Vorwoche erwähnt, fiel mir auf, dass ich das langsame Tempo vom Laufband vom Tempogefühl her nicht so recht auf die Straße umsetzen konnte. Nachdem die Wetterprognose fürs Wochenende gut war, ging es also für den langen Lauf (90km standen am Plan) raus ins Freie. Eine Laufbahn stellt dabei eine ganz gute Alternative zum Laufband dar. Ich bin stationär, sprich Essen, Trinken & WC immer griffbereit, jede Runde kann das Tempo kontrolliert werden (und man kann wunderbare Grafiken für den Blog erstellen :-) ), ich muss aber doch mit Abdruck laufen (im Gegensatz zum bewegten Untergrund am Laufband) und habe auch Windeinfluss. Um etwas Zeit beim Hinweg zu sparen, ging es kurz nach 8h im "normalen" Lauftempo von zuhause etwas mehr als 7km ab zum LAZ im Wiener Prater. Carola würde mir dann meine Tasche mit Gewand für nach dem Training und Verpflegung während des Trainings etwas später ins LAZ nachbringen. Auf der Laufbahn angekommen, galt es nun, das Tempo in den geplanten Korridor von ca. 5:45-6:00min/km zu verlangsamen. 190 Runden hatte ich auf der Bahn vor mir, also genug Übungsmöglichkeit. Achja, um nicht zuviele Runden drehen zu müssen (und vor allem auch keinen schnellen Läufern im Weg zu sein), lief ich das gesamte Training auf der äußersten Bahn, sprich im LAZ auf Bahn 6. Die hat nämlich dann eine Länge von 437.7m (warum und wieso siehe den IAAF-Standardaufbau einer Leichtathletikanlage oder alternativ hier eine Erklärung mittels Pi), was immerhin fast 10% Drehwurm einsparte im Vergleich zu den 400m auf Bahn 1.

Nach ein paar Runden pendelte sich das Tempo dann auch um die 5:45min/km ein und fühlte sich sehr locker an. Mein Anblick führte sicherlich zu Verwunderung bei den wenigen anderen Athleten, die auch ihr Training durchführten. Für diese Schlapferei geht normalerweise ja keiner auf die Bahn. Egal, ich nehme es als Mentaltraining, trotzdem langsam weiterzulaufen und mich nicht irritieren zu lassen. Wie man an der Grafik des Tempos pro Runde (umgerechnet in min/km) sieht, gelang mir das aber doch nicht so ganz und ich wurde etwas schneller und pendelte mich so zwischen 5:30-5:45min/km ein. Aber gut, das Gefühl war trotzdem locker. Nach knapp 25km kam dann Carola mit meiner Tasche vorbei und es war Zeit für die erste kurze Verpflegungspause. Danach Änderung der Laufrichtung (um einseitige Belastung zu vermeiden; Farbwechsel in der Grafik nach jeder Pause) und hochmotiviert weiter. Für Ablenkung sorgte beim Rundendrehen auch meine neue Playlist: auf den Aufruf von letzter Woche hin gab's viele Vorschläge. Allen voran Andy K. legte sich mächtig ins Zeug und verbrachte drei Abende damit, mir eine laaaaange Playlist zusammenzustellen - vielen lieben Dank für Deine Mühe schon mal an dieser Stelle. 25h07 umfasst die neue Playlist aufgrund der vielen Empfehlungen nun ... hm, das ist länger als 24 Stunden :-), inklusive der alten Playlist wäre ich bei 47h14. Da fällt mir dann ein Four-Letter-Word ein: GOLS. Dort gibt's nämlich den einzigen 48h-Lauf Österreichs. Naja, heuer sicherlich nicht, aber zumindest eine Playlist hätte ich schon dafür :-D

Runden-Statistik ...
Aber zurück auf die Laufbahn des LAZ. Ich lief Runde für Runde dahin, alle ca. 90 Minuten eine kurze Verpflegungspause, Richtungswechsel und weiter. Nach 82km fühlte ich mich immer noch gut, wurde etwas übermütig und wollte die letzten 8km noch eine kleine Endbeschleunigung in Richtung 5:00min/km einbauen, um den Trainingseffekt zu erhöhen. Naja, das war nicht so erfolgreich. Meine Speicher dürften doch schon etwas leer gewesen sein (soviel futtern wollte ich in den Verpflegungspausen auch nicht), den Traubenzucker für rasche Hilfe hatte ich zuhause vergessen und so wurden die letzten 5 Kilometer dann eher mühsam (wie man auch an der Grafik sieht). Die Beine waren immer noch locker, der Kreislauf spielte aber nicht mehr ganz mit und leicht schwindlig mit kalten Fingern mühte ich mich die restlichen 10 Runden ab. Ein Stück Schokolade wirkte dann wenigstens endlich in den letzten drei Runden und das Tempo wurde wieder etwas "flotter".

Das Ende der Einheit war also nicht ganz so lustig, aber in Summe bin ich dennoch zufrieden. 90.3km in 8h32 (Schnitt 5:40min/km) zeigen mir, dass ich das Training vom Laufband doch auch über die lange Distanz gut auf die Straße bringe. Gefühlsmäßig war es ähnlich "intensiv" wie am Laufband, d.h. ich glaube meine 6:00min/km am Laufband sind auf der Straße etwas schneller. Auch die Vorbelastung von Sonntag bis Freitag mit 171.6km hatte ich gut verkraftet und mit einem lockeren Auslaufen von knapp über 20km Sonntag vormittag kam ich dann in der gesamten Trainings-Kalenderwoche auf 203 Wochenkilometer - ein neuer Rekord für mich (mit Ausnahme von Wochen mit 24-Stunden-Wettkämpfen)!

Einzig während meines langen Bahnlaufs (habe ich es vielleicht mit meinem Laufschritt ausgelöst?? I sog's glei, i wor's net ...) scheint es ein Erdbeben oder zumindest eine tektonische Plattenverschiebung gegeben zu haben - die U2-Station "Stadion" war jedenfalls viel weiter vom LAZ entfernt als bisher :-) ... diese Vermutung stützt übrigens auch die Höhenaufzeichnung meiner Garmin 910XT. Ca. um 12h muss es gewesen sein, denn von da stieg die Höhe der Bahn von 139m kontinuierlich auf 154m am Ende :-O

Tektonische Plattenverschiebung im Wiener Prater?

Abschließend wie immer die Bilder der Woche am Weg nach Sárvár.

Woche 18

Animation seit Trainingsbeginn







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